Eine ältere Frau sitzt an einem Holztisch, hält Röntgenbilder in den Händen und schaut auf ihren Laptop (Symbolbild)
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Meist sind Arztbefunde in komplizierter Fachsprache verfasst, was bei Patienten nicht selten für Verunsicherung sorgt (Symbolbild)

Was habe ich?

Komplizierte Medizinersprache: Neues Portal soll Arztbefunde verständlich machen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Wer als medizinischer Laie einen Blick in seinen Arztbefund wirft, kann es schonmal mit der Angst zu tun bekommen. Denn für die meisten sind die vielen Fachbegriffe ein Rätsel. Ein Portal soll die Medizinersprache nun für Laien übersetzen.

Berlin – Physiologische Lordose der HWS, vesikuläres AG, Sono Abdomen o.p.B.: Wer diese Begriffe in seinem Arztbefund liest, ist wahrscheinlich nicht nur verwirrt, sondern auch besorgt. Denn auf Laien wirkt die Fachsprache der Medizinerinnen und Mediziner oft bedrohlich - wer geht schon davon aus, dass man bei den drei genannten Beispielen vor allem eines ist: kerngesund?

Komplizierte Medizinersprache: Neues Portal soll Arztbefunde verständlich machen

Medizinische Fachsprache ist für Laien also vor allem eines: eine schwere Sprache, wie die genannten Beispiele zeigen. Denn:

  • hinter einer physiologischen Lordose der HWS steckt nichts weiter als die normale Krümmung der Halswirbelsäule
  • ein vesikuläres AG entspricht dem normalen Atemgeräusch, das beim Abhören der Lunge zu hören ist
  • und Sono Abdomen o.p.B. ist kein Grund zur Besorgnis, sondern zur Freude: Die Ultraschalluntersuchung des Bauches ist ohne pathologischen Befund - kurz gesagt, es liegen keine besorgniserregenden Auffälligkeiten vor

Mit medizinischer Fachsprache kommen Patienten im Arztbefund oder Entlassungsbrief der Klinik, auf einem Rezept oder beim Arztgespräch in Kontakt. Viele Gelegenheiten, bei denen man etwas nicht oder falsch verstehen kann. Beatrice Brülke möchte dem ein Ende setzen. Sie arbeitet für die Online-Plattform „Was hab‘ ich“, auf der Medizinerinnen und Mediziner ehrenamtlich Befunde für Patienten „übersetzen“.

Komplizierte Medizinersprache: Nicht für Patienten gedacht

Der Grund für die meist wenig patientenfreundliche Sprache in den Schriftsätzen der Mediziner ist einfach: „Der Befund oder der Entlassungsbrief sind eigentlich nicht für den Patienten, sondern für den weiterbehandelnden Arzt gedacht. Deshalb finden sich dort so viele Abkürzungen und Fachausdrücke“, erklärt Brülke.

Viele Patienten möchten den Befund natürlich trotzdem lesen - und auch verstehen. Denn manchmal sei der Patient so aufgeregt, dass er dem Arzt beim Termin nicht richtig folgen könne. Auch wenn der Mediziner auf Fachsprache verzichte beziehungsweise sie erkläre, sagt Ralf Suhr, Arzt und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Gesundheitswissen.

Fachausdrücke sind für Mediziner unverzichtbar. „Das Vokabular, auf das Mediziner zurückgreifen, ist sehr umfangreich“, so Suhr. Das liege an der Vielzahl unterschiedlicher Krankheiten und Diagnosen, die durch Alltagssprache nicht immer präzise zu beschreiben sind. Medizinische Fachsprache ermöglicht es, komplexe Sachverhalte kurz und knapp darzustellen. So passe der Befund einer Kernspintomographie der Schulter durchaus locker auf eine Seite, erklärt Beatrice Brülke.

Komplizierte Medizinersprache: Mehr Durchblick für medizinische Laien

Wird der Befund für den Patienten übersetzt, zum Beispiel von der Plattform „Was hab‘ ich“,  kann das gut und gerne vier Seiten umfassen. Und das ganz ohne Interpretationen oder Behandlungsempfehlungen. Denn der Befund wird nicht einfach Wort für Wort übersetzt, sondern Zusammenhänge werden deutlich gemacht - zum Beispiel, indem Funktion und Aufbau der Schulter und die Technik der Kernspintomographie näher erklärt werden. Es geht dabei um voraussetzungsfreies Beschreiben, damit auch Laien ohne Medizinstudium den Befund verstehen können.

Komplizierte Medizinersprache: Warum Verstehen für den Patienten so wichtig ist

Doch was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Patienten nicht alles verstehen? Nach dem Grundsatz: Hauptsache, die Behandlung hilft? Ganz so einfach ist es nicht: „Über den Erfolg einer Behandlung entscheidet auch die Beziehung zwischen Arzt und Patient“, sagt Ralf Suhr. Ein Patient, der seinem Arzt vertraut, der die Behandlung versteht und auch die Entscheidung mit getroffen hat, habe bessere Aussichten, wieder gesund zu werden, so Suhr.

Patienten empfiehlt er deshalb, sich Fragen an den Arzt vorab aufzuschreiben, und sich auf jeden Fall auch zu trauen, nachzufragen. „Falsche oder peinliche Fragen gibt es beim Arztbesuch nicht“, betont er. Wer sich unwohl fühlt, kann auch eine vertraute Person als Unterstützung mitnehmen. (Mit Material von dpa)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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