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Alltagstipps für Urtikaria-Betroffene: Einen guten Umgang mit der Krankheit finden

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine junge Frau in gelben Pullover liegt vor einem Kamin und liest ein Buch (Symbolbild).

Ein guter Umgang mit Urtikaria bedeutet auch, den Alltag nicht von der Hautkrankheit bestimmen zu lassen und sich Zeit für die schönen Dinge im Leben zu nehmen (Symbolbild). © imago images / Westend61

Eine Urtikaria (Nesselsucht) kann sehr belastend sein. Umso wichtiger ist es für Betroffene, die Auslöser der Hautkrankheit zu kennen und zu meiden und auf mögliche Beschwerden gut vorbereitet zu sein.

Mönchengladbach – Bei der Urtikaria (Nesselsucht) handelt es sich um eine häufige, nicht ansteckende Hauterkrankung, die sich durch Symptome wie flüssigkeitsgefüllte Schwellungen (Quaddeln), Juckreiz und Brennen äußert. Manchmal kommt es auch zu tieferen Schwellungen (Angioödemen). Die Krankheit kann schubartig („spontane Urtikaria“) oder durch äußere Reize („induzierte Urtikaria“) auftreten. Die Hautveränderungen lassen sich auf bestimmte Immunzellen, die sogenannten Mastzellen, zurückführen. Werden sie aktiviert, schütten sie verschiedene Botenstoffe (Mediatoren) aus und aktivieren den Entzündungsbotenstoff Histamin, der zu einer Erweiterung und erhöhten Durchlässigkeit der Gefäße, zu Hautrötungen, Schwellungen und Juckreiz führt. Für eine Linderung der Beschwerden ist es wichtig, Ursache und Auslöser der Urtikaria auf den Grund zu gehen und diese künftig zu meiden. Ein wichtiger Faktor, der die Urtikaria bei nahezu allen Patienten verschlechtert, ist außerdem Stress. Ein gesunder Umgang mit der Krankheit und Strategien, um Stress im Alltag möglichst zu vermeiden, sind deshalb wichtiger Bestandteil der Behandlung.

Alltagshilfen bei Urtikaria: Den Gang zum Arzt richtig vorbereiten

Urtikaria ist eine ernstzunehmende Erkrankung, die die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken kann. Der Gang zu Arzt sollte also nicht zu lange aufgeschoben werden. Wer sich sorgfältig auf den Termin vorbereitet, erleichtert die Diagnose und das Finden von möglichen Auslösern. Das Urtikaria-Netzwerk empfiehlt Patienten dazu, den bisherigen Verlauf der Krankheit aufzuschreiben: Wann sind die Beschwerden zum ersten Mal aufgetreten? Was könnte die Ursache sein? Welche Auslöser verstärken die Symptome?

Für den Arzt ist auch wichtig zu wissen, ob und in welcher Form die Urtikaria bisher behandelt wurde (Medikamente, Dosierung), ob sich dadurch eine Besserung der Beschwerden eingestellt hat oder sogar Nebenwirkungen aufgetreten sind. Gab es in der Vergangenheit bereits Untersuchungen der Beschwerden, sollten Patienten notieren, ob diese zu einem Ergebnis geführt haben und mögliche ärztliche Befunde zum Termin mitbringen. Damit sich der Arzt im Nachhinein ein Bild von den Hautbeschwerden machen kann, ist es sinnvoll, die Symptome zu fotografieren.

Alltagshilfen bei Urtikaria: Urtikaria-Tagebuch führen

Um die Ursachen der Urtikaria zu ermitteln, kann es helfen, ein Urtikaria-Tagebuch (Symptom-Tagebuch) oder einen Urtikaria-Kalender zu führen. Darin sollten Betroffene mindestens sechs Wochen am Stück auftretende Beschwerden, wie Quaddeln, Rötungen, Schwellungen und Juckreiz notieren und festhalten, wie ausgeprägt diese sind und wie lange sie anhalten. Außerdem sollten sie aufschreiben:

Das Führen eines Urtikaria-Tagebuchs oder -Kalenders hilft dem Arzt, Schwere und Verlauf der Nesselsucht nachzuvollziehen und mögliche Ursachen und Auslöser zu identifizieren. Vorlagen gibt es zum Beispiel als Download beim Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München oder beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB).

Alltagshilfen bei Urtikaria: Auslöser der Nesselsucht meiden

Konnten mit Hilfe des Urtikaria-Tagebuchs oder durch die ärztliche Diagnostik die Auslöser der Nesselsucht gefunden werden, sollten Betroffene versuchen, diesen künftig konsequent zu meiden. Eine Besserung der Beschwerden zeigt sich dann meist schon nach einigen Tagen bis Wochen. Häufig gibt es aber nicht nur einen Auslöser, weshalb es sinnvoll ist, das Urtikaria-Tagebuch auch nach der Diagnose weiterzuführen. Außerdem können so der Verlauf der Krankheit festgehalten und mögliche Erfolge, wie eine Verringerung der Symptome oder weniger benötigte Medikamente, deutlich gemacht werden. Kommt es dennoch zu Symptomen, können Allergie-Medikamente (Antihistaminika) akute Beschwerden lindern.

Alltagshilfen bei Urtikaria: Ernährung bei Nesselsucht

Auslöser der Urtikaria können nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes (DAAB) neben Wärme, Kälte, Druck, Arzneimitteln und Infekten auch bestimmte Lebensmittel und Lebensmittelinhaltsstoffe sein. So können Nahrungsmittelallergien sowohl Auslöser einer akuten, einer chronischen, als auch einer Kontakt-Urtikaria sein. In diesem Fall lassen sich durch eine Umstellung der Ernährung künftige Schübe vermeiden. Sie sollte nach Angaben der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) aber nur auf ärztlichen Rat und nach einer gesicherten Diagnose erfolgen. Um einem Nährstoffmangel vorzubeugen, sollte sie außerdem immer von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft begleitet werden.

Bei der akuten Urtikaria sind Nahrungsmittelallergien bei Erwachsenen als Ursache eher selten. Bei Kleinkindern und Kindern spielen sie dagegen häufiger eine Rolle, vor allem auf Grundnahrungsmittel wie Milch, Ei, Erdnuss, Nuss und Fisch auf. Dabei müssen die Lebensmittel nicht unbedingt verzehrt werden: in einigen Fällen kann auch der Kontakt mit der Haut zu einer Kontakt-Urtikaria führen. Bekannt ist dies zum Beispiel als Berufskrankheit bei Köchinnen und Köchen, die nach dem Kontakt mit Fisch, Meeresfrüchten, Eiern und Erdnüssen eine Nesselsucht entwickeln können.

Bei einem kleinen Teil der Betroffenen entwickelt sich aus der akuten Urtikaria eine chronische Urtikaria, die länger als sechs Wochen anhält. Nahrungsmittelallergien spielen als Ursache bei diesem Krankheitsbild eher selten eine Rolle. Meist handelt es sich hierbei um Überempfindlichkeitsreaktionen (Pseudoallergien) auf Nahrungsmittelzusätze (Farb-, Aroma- und Konservierungsstoffe), natürliche Aromen in Obst und/oder Gemüse oder Medikamente, wie Aspirin. Auch eine Histaminintoleranz kann hinter einer chronischen Urtikaria stecken.

Alltagshilfen bei Urtikaria: Einen guten Umgang mit der Krankheit finden

Einen gesunden Umgang mit der Krankheit zu finden, bedeutet unter anderem, nicht das Leben von ihr bestimmen zu lassen, eine kühlen Kopf zu bewahren und für den Notfall gewappnet zu sein. Nicht immer lassen sich die Auslöser einer Urtikaria vollständig meiden, etwa bei der physikalischen Urtikaria („Kälteurtikaria“) oder der cholinergischen Urtikaria („Schweißurtikaria“). In diesem Fall ist zwar keine ursächliche Therapie möglich, dafür aber eine symptomatische Behandlung mit Antihistaminika. Sie können entweder nach Bedarf eingenommen werden (etwa 45 Minuten vor dem Reiz), zum Beispiel bei leichten Verläufen, die schubartig auftreten, oder als Dauermedikation (bei starken Verläufen von längerer Dauer). Da es auch zu gefährlichen Schwellungen im Gesicht kommen kann, sollten Betroffene immer auch ein Allergie-Notfallset bei sich tragen. Es besteht aus einem Cortison-Präparat, einem Antihistaminikum, und in seltenen Fällen einem Adrenalin-Autoinjektor. Die Medikamente können die Schwellung im Notfall stoppen, bis ärztliche Hilfe eintrifft.

Es lohnt sich außerdem, optimistisch zu bleiben. Denn eine Spontanheilung der Urtikaria ist niemals ausgeschlossen. Das Urtikaria Netzwerk warnt Betroffene aber davor, Medikamentenanageboten oder Behandlungen im Internet, die eine schnelle und einfache Heilung versprechen, Glauben zu schenken. Auch wenn eine Urtikaria plötzlich verschwindet, sollten Ernährungsumstellungen und Therapien nicht gleich abgebrochen werden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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