Wer an Neurodermitis erkrankt ist, sollte auf eine spezielle Kleidung und Hautpflege achten. Foto: Oliver Berg/dpa/tmn
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Bestimmte Bakterien kommen auf der Haut von Menschen mit Neurodermitis besonders häufig vor (Symbolbild).

Behandlung bei Neurodermitis

Neurodermitis: Bakterien schädigen möglicherweise die Hautbarriere

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Schon lange ist bekannt, dass Bakterien auf der Haut bei der Entstehung und Ausprägung von Neurodermitis eine Rolle spielen. Nun haben Forscher herausgefunden, dass die Anwesenheit eines bestimmten Bakteriums den Verlauf des quälenden Ekzems vorhersagen kann.

  • Neurodermitis ist eine entzündliche Hautkrankheit, bei der die Schutzfunktion der Haut gestört ist
  • Bei der Entstehung einer Neurodermitis könnte die Zusammensetzung des Haut-Mikrobioms eine Rolle spielen
  • Forscher haben nun den Einfluss des Bakteriums Staphylococcus aureus in einer kleinen Studie untersucht

München - Neurodermitis, auch atopisches Ekzem ist eine chronische-entzündliche Erkrankung, bei der die Schutzfunktion der Haut gestört ist. Vor allem Kinder leiden häufig unter den juckenden Hautrötungen. So sind laut der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) rund 23 Prozent der Kinder im Säuglings- und Vorschulalter von der Hautkrankheit betroffen. Erwachsene haben zwar in der Regel seltener mit der Krankheit zu kämpfen, dafür sind die Symptome bei ihnen meist deutlich stärker ausgeprägt. Typische Beschwerden sind starker Juckreiz, Rötungen und Entzündungen, die schubweise auftreten. Schon lange ist bekannt, dass die Anzahl der Bakterien, die sich auf der Hautoberfläche befinden, mit der Entstehung und Ausprägung des atopischen Ekzems zusammenhängen. Um herauszufinden, welchen Einfluss Bakterien auf die physiologischen Parameter und den Schweregrad der Neurodermitis haben, haben Forscher aus München nun in einer kleinen Studie acht Wochen lang die Haut von Menschen mit Neurodermitis untersucht.

Neurodermitis: Verschiedene Faktoren beeinflussen die Entstehung

Warum manche Menschen an Neurodermitis erkranken und andere nicht, ist bisher nicht vollständig geklärt. Forscher gehen davon aus, dass verschiedene Faktoren bei der Entstehung der Krankheit eine Rolle spielen. Dazu zählen neben der genetischen Veranlagung, Umwelteinflüsse und immunologische Mechanismen. Sicher ist jedoch: Die natürliche Barriere der Haut ist bei Betroffenen stark geschädigt. Da die Haut meist sehr trocken und empfindlich ist, können Stoffe aus der Umwelt ungehindert eindringen. Es kommt zu Entzündungen und den typischen Neurodermitis-Symptomen. Zudem ist der pH-Wert der Hautoberfläche bei Betroffenen meist deutlich erhöht. Grund dafür könnte ein Ungleichgewicht der Bakterien und Pilze auf der Haut, auch Mikrobiom der Haut genannt sein. Besonders das Bakterium Staphylococcus aureus (Staphylokokken) konnten Forscher in großen Mengen nachweisen.

Neurodermitis: Aktuelle Studie untersucht das Mikrobiom auf der Haut

Für die Studie haben die Wissenschaftler des Forschungsverbunds UNIKA-T des Helmholtz Zentrums München und der Technischen Universität München insgesamt 12 Patienten, darunter sechs Menschen mit Neurodermitis und sechs gesunde Probanden, acht Wochen lang untersucht. Die Haut der Studienteilnehmer wurde in dieser Zeit zwei Mal täglich mit Lotionen verschiedener pH-Werte behandelt. Die Forscher untersuchten den pH-Wert der Haut sowie die Anwesenheit des Bakteriums Staphylococcus aureus. Zudem überwachten die Wissenschaftler die Ausprägung der Symptome während der Behandlung.

Neurodermitis: Bakterien schädigen die Haut

Die Ergebnisse der Studie zeigen:

  • Die Haut bei Menschen mit Neurodermitis verglichen mit gesunden Probanden keinen höheren pH-Wert aufweist
  • Allerdings ist die Hautoberfläche bei den Patienten dichter mit Bakterien besiedelt
  • Die Neurodermitis-Symptome bei Betroffenen, bei denen sich besonders hohe Mengen an Staphylokokken auf der Haut befanden, verschlechterten sich im Laufe der Studie nachweislich.

Bei den gesunden Teilnehmern veränderte sich der pH-Wert der Haut kaum. Jedoch konnten die Wissenschaftler eine größere Anzahl des Bakteriums Staphylococcus aureus bei kleinen Bereichen des pH-Wertes nachweisen (pH 5,7 bis 6,2).

Die Forscher sind sich einig: Die Studien-Ergebnisse zeigen nicht nur, dass die Anwesenheit des Bakteriums Staphylococcus aureus einen Einfluss auf die Neurodermitis-Symptome hat, sondern auch, dass sich der Verlauf der Erkrankung anhand der Bakterien-Anzahl vorhersagen lässt. In Zukunft könnte laut den Autoren der Studie so die Behandlung von Neurodermitis verbessert werden. Da nur eine kleine Gruppe an Patienten untersucht wurde, sind weitere Studien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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