Eine Karte mit allen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland (Symbolbild).
+
Eine BARMER-Analyse zur Verbreitung von Neurodermitis ergab: Die Hautkrankheit ist vor allem im Osten verbreitet (Symbolbild).

Wie verbreitet ist die Krankheit?

Neurodermitis-Studie: Vor allem Frauen und Kleinkinder in Ostdeutschland betroffen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
    schließen

2018 wurde bei insgesamt 3,6 Mio. Deutschen die Hautkrankheit Neurodermitis diagnostiziert. Einige Bundesländer sind dabei besonders betroffen, wie eine Analyse der BARMER zeigt. 

Berlin – Neurodermitis ist eine der häufigsten Hautkrankheiten in Deutschland. Im Jahr 2018 wurde sie bei 3,6 Millionen Menschen diagnostiziert, wie eine Analyse der Krankenkasse BARMER zeigt. Betroffen waren vor allem viele Kleinkinder. So stellten Mediziner bei 14,22 Prozent der Jungen im Alter von eins bis fünf Jahren und bei 12,3 Prozent der Mädchen in derselben Altersklasse eine Neurodermitis fest. Das waren 226.000 Jungen und etwa 186.000 Mädchen. Zudem fällt auf: Das Auftreten der Hauterkrankung unterscheidet sich teilweise deutlich von Bundesland zu Bundesland.

Neurodermitis in Deutschland: Das Krankheitsbild

Neurodermitis ist Ausdruck einer geschädigten Hautbarriere und macht die Haut anfällig für Keime. So kann es zu Infektionen mit schlimmstenfalls lebensbedrohlichem Verlauf kommen. Das Ziel einer Neurodermitis-Therapie ist die Symptomfreiheit. Auch wenn eine Neurodermitis nicht heilbar ist, sollte man frühzeitig den Arzt aufsuchen, um die Symptome zumindest zu lindern oder die symptomfreien Phasen zu verlängern“, erklärt Dr. Utta Petzold, Dermatologin bei der BARMER in einer Pressemitteilung. (Ernährung bei Neurodermitis: Diese Lebensmittel sollten Patienten meiden)

Typische Symptome bei Neurodermitis sind:

  • Der starke Juckreiz, der meist schubweise auftritt (Leitsymptom)
  • Durch Kratzen verursachte bzw. verstärkte Rötungen, Entzündungen, Blutungen und Krustenbildung
  • Nässende Bläschen bei gleichzeitig trockener Haut
  • Durch die geschädigte Hautbarriere können Keime und potenzielle Allergie-Auslöser leichter eindringen und Infektionen und Entzündungen auslösen
  • Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Gereiztheit

Eine Neurodermitis ist eine chronische Erkrankung. Je früher die Krankheit auftritt, desto größer ist laut Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrum München aber die Chance, dass die Ekzeme im Laufe des Lebens zurückgehen. So bilden sich bei 60 bis 80 Prozent der erkrankten Kinder die Beschwerden bis zum Eintritt ins Schulalter zurück. Nur in seltenen Fällen treten die Ekzeme im Erwachsenenalter erneut auf.

Neurodermitis in Deutschland: Frauen häufiger betroffen als Männer

Während die Erkrankung unter den Fünf- bis Neunjährigen mit 9,81 Prozent bei den Mädchen und 9,91 Prozent bei den Jungen noch weitestgehend gleich verteilt ist, ändert sich das ab dem zehnten Lebensjahr deutlich. Dann finden sich deutlich der Analyse zufolge deutlich mehr Frauen unter den Betroffenen als Männer. Besonders groß ist der Unterschied in der Altersklasse der 40- bis 45-Jährigen, in der 2,47 Prozent der Männer und 4,43 Prozent der Frauen an einer Neurodermitis leiden. Die Erklärung der Dermatologin: „Das Auftreten einer Neurodermitis wird möglicherweise auch durch den Hormonhaushalt beeinflusst. So ließe sich erklären, dass vor der Pubertät häufiger die Jungen und danach verstärkt die Frauen betroffenen sind“. (Leben mit atopischem Ekzem: Darf ich mich bei Neurodermitis schminken?)

Neurodermitis in Deutschland: Ostdeutschland stärker betroffen als Westdeutschland

Betrachtet man die Ergebnisse der Analyse, fällt noch ein weiterer Aspekt auf: Insgesamt tritt Neurodermitis in den ostdeutschen Bundesländern deutlich häufiger auf, als in Westdeutschland. So waren 2018 in Sachsen 5,54 Prozent der Bevölkerung von der Krankheit betroffen. Es folgen Thüringen mit 5,52 Prozent, Sachsen-Anhalt mit 5,43 Prozent und Brandenburg mit 5,24 Prozent.

Die niedrigsten Raten gab es dagegen in Bayern (3,82 Prozent) und in Schleswig-Holstein (3,83 Prozent). Die BARMER-Expertin führt das auf ein unterschiedlich starkes Pollenvorkommen in den einzelnen Bundesländern zurück: „Die vergleichsweise häufigen Neurodermitis-Fälle in Ostdeutschland können auch mit einem verstärkten Flug vereinzelter Pollenarten vor Ort zusammenhängen, wie es im Jahr 2018 der Fall war. Bis zu 80 Prozent der Neurodermitis-Patienten reagieren empfindlich auf Umweltallergene wie Pollen, die einen Ekzem-Schub auslösen können“. Grund dafür ist die geschädigte Hautbarriere, durch die Pollenallergene leichter in die Haut eindringen und Entzündungen auslösen können. (Im Auto, im Urlaub und beim Spaziergang: 5 Tipps, was Allergiker unterwegs beachten sollten)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare