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Dünndarm-Fehlbesiedelung: Nicht immer ist eine Unverträglichkeit Auslöser von Verdauungsproblemen

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Von: Jasmina Deshmeh

Ein junger Mann in weißem Hemd und einem Kaffee in der Hand steht in der Küche und greift sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an den Bauch (Symbolbild).

Im Dickdarm leben Billionen von Bakterien. Gelangen sie in den Dünndarm, kann es zu Verdauungsbeschwerden mit Blähungen, Bauschmerzen und Völlegefühl kommen (Symbolbild). © imago images / Shotshop

Bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms dringen Dickdarm-Bakterien in den Dünndarm vor und verursachen dort unangenehme Verdauungsprobleme. Welche Therapien helfen.

Berlin – Im menschlichen Darm leben Billionen von Bakterien, die zusammen die Darmflora (Mikrobiom) bilden. Normalerweise kommen diese Bakterien überwiegend im Dickdarm vor, wo sie die Aufgabe haben, unverdaute Nahrungsreste zu verwerten. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedelung des Dünndarms (small bowel (bacterial) overgrowth (syndrome), kur „SIBO“), siedeln sich diese Bakterien vermehrt im Dünndarm an, wodurch es einige Stunden nach dem Essen zu Bauchschmerzen, Blähungen und Völlegefühl kommen kann. Ursache können Nahrungsmittelunverträglichkeiten, aber auch Entzündungen oder Fehlfunktionen des Körpers sein.

Dünndarm-Fehlbesiedelung: Wie kommt es dazu?

Der Dünndarm filtert Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße aus dem Speisebrei und enthält im Normalfall nur geringe Menge Bakterien, die hauptsächlich durch die Magensäure, die Gallenflüssigkeit und die Darmperistaltik reguliert werden. Im Dickdarm sind dagegen viele Bakterien ansässig, die helfen, ankommende unverdaute Speisereste zu verstoffwechseln. Normalerweise dient eine Schleimhautkappe, die Ileozökalklappe, als funktionelles „Einweg-Ventil“ zwischen den Darmabschnitten und verhindert, dass Bakterien aus dem Dickdarm in den Dünndarm gelangen und sich dort übermäßig ausbreiten.

Ist die Darmmotorik gestört oder die Funktion der Klappe eingeschränkt, können die Dickdarm-Bakterien in den Dünndarm vordringen und stoßen dort auf ein Überangebot an Nährstoffen, das sie unter der Entstehung von Gasen wie Kohlenstoffdioxid, Wasserstoff und Methan fermentieren. In der Folge kommt es zu Beschwerden wie:

Durch die erhöhte Bakterienmenge im Dünndarm entstehen Säuren, die zu Schäden an der Dünndarmschleimhaut und damit zu einer Behinderung der Nährstoffaufnahme (Malabsorption - bzw. digestion) führen können. Bei einigen Patienten äußert sich diese durch Gewichtsverlust, durch einen Nährstoffmangel oder eine gestörte Fettverdauung mit sogenannten Fettstühlen (heller, weicher, fettiger und faulig riechender Stuhl).

Oft ähneln die Beschwerden auch denen eines Reizdarmsyndroms, weshalb die diagnostische Unterscheidung laut der gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) wichtig ist. Eine SIBO kann demnach auch Ursache des Reizdarms sein.

Dünndarm-Fehlbesiedelung: Was ist die Ursache und wie erfolgt die Diagnose?

Eine Dünndarm-Fehlbesiedelung kann vielfältige Ursachen haben. Sie kann nach Angaben des NDR durch Entzündungen/entzündliche Darm-Erkrankungen (Morbus Crohn), Nahrungsmittelunverträglichkeiten, nach einer Darm-Operation oder Divertikeln des Dünndarms auftreten. Auch eine verminderte Darmtätigkeit (Motilitätsstörungen) aufgrund anderer Erkrankungen, wie Diabetes, können die Ursache sein.

Die Diagnose einer Dünndarm-Fehlbesiedelung kann mit Hilfe eines Wasserstoff-Atemtests, der auch zu Diagnose einer Laktoseintoleranz sowie einer Fructoseintoleranz genutzt wird, erfolgen. Er ist verhältnismäßig kostengünstig und einfach und kann meist ambulant durchgeführt werden. Eine Blutuntersuchung gibt zudem Aufschluss, ob ein Eisen- oder Vitaminmangel vorliegt, der ebenfalls auf die Dünndarm-Fehlbesiedelung hindeuten kann. Mittels bildgebender Verfahren (zum Beispiel MRT oder Ultraschall) können funktionelle Ursachen der Dünndarm-Fehlbesiedelung ausgeschlossen werden.

Dünndarm-Fehlbesiedelung: Welche Therapie-Möglichkeiten gibt es?

Liegt eine funktionelle Störung als Ursache der Dünndarm-Fehlbesiedelung vor, besteht die Behandlung in erster Linie in der Therapie dieser Ursache. Die bakterielle Fehlbesiedelung des Dünndarmes kann zudem mit Antibiotika behandelt werden. Auch Medikamente, die die Beweglichkeit des Dünndarms verbessern, können laut rbb die Beschwerden lindern.

Die wichtigste Behandlung der Dünndarm-Fehlbesiedelung besteht allerdings in einer Umstellung der Ernährung. Indem Betroffene versuchen, auf zuckerhaltige Nahrungsmittel sowie kurzkettige Kohlenhydrate, sogenannte FODMAPs, zu verzichten können sie den Bakterien im Dünndarm die Nahrungsgrundlage nehmen. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollte eine Ernährungsumstellung immer von einer geschulten Ernährungsberatung begleitet werden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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