Ein Mann in grauem T-Shirt greift sich an den Bauch (Symbolbild).
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Eine chronische Verstopfung ist keine banale Befindlichkeitsstörung - der Leidensdruck für Betroffene ist oft hoch (Symbolbild).

Verdauungsbeschwerden

Verstopfung: Ursachen, Symptome und Behandlung – Was hilft bei Obstipation?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Meist ist eine Verstopfung harmlos und verschwindet nach ein paar Tagen von selbst. Tritt sie dagegen sehr plötzlich auf oder hält längere Zeit an, sollte ein Arzt abklären, ob ein Reizdarm, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder andere Erkrankungen dahinter stecken.

Berlin – Bei einer Verstopfung (Obstipation) ist die Stuhlentleerung erschwert und erfolgt weniger als dreimal pro Woche. Entgegen häufiger Auffassung handelt es sich dabei nicht um eine Befindlichkeitsstörung, sondern um eine ernstzunehmende Erkrankung, die Betroffene belasten und in ihrer Lebensqualität einschränken kann. In den meisten Fällen wird eine Verstopfung durch eher harmlose Ursachen hervorgerufen. Manchmal können ihr aber auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten, eine Zöliakie, ein Reizdarm oder Erkrankungen wie Darmkrebs zugrunde liegen. Lesen Sie jetzt alles zu Symptomen einer Verstopfung und wie Verdauungsbeschwerden effektiv behandelt werden können.

Verstopfung: Häufigkeit und Symptome

Das Gefühl verstopft zu sein, ist vielen Menschen bekannt. In Deutschland leiden 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung an einer Verstopfung, wobei Frauen etwa doppelt so oft betroffen sind wie Männer. Damit zählt Verstopfung zu den häufigsten Funktionsstörungen. Oft wird der Begriff Verstopfung für eine allgemeine Darmträgheit genutzt, obwohl sie eigentlich das Auftreten mehrerer Symptome bezeichnet. Nach der gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in Berlin liegt eine chronische Verstopfung vor, wenn über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen regelmäßig oder wiederholt drei der folgenden Symptome auftreten:

  • Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche
  • Starkes Pressen während des Stuhlgangs
  • Klumpiger, harter Stuhl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Gefühl einer blockierten Darmpassage
  • Manuelle Hilfe zur Erleichterung der Darmentleerung nötig

Wie oft es zur Darmentleerung kommt, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Als normal gilt bei Erwachsenen eine Spanne von dreimal täglich bis dreimal in der Woche. Kinder haben eine Verstopfung, wenn sie weniger als einmal in der Woche ihr großes Geschäft verrichten.

Neben der chronischen Verstopfung kann es auch zu einer plötzlich auftretenden Verstopfung (akute Verstopfung) kommen. Die akute Verstopfung kann durch Lebensumstände wie Reisen, Stress oder eine hormonelle Umstellung hervorgerufen werden oder aber Hinweis auf eine ernsthafte Erkrankung, wie einen Darmverschluss, sein und sollte in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden. Dies gilt vor allem, wenn Blut im Stuhl, kolikartige Bauchschmerzen, Fieber, Erbrechen oder ein schneller Gewichtsverlust die Verstopfung begleiten.

Verstopfung: Was ist die Ursache?  

Es kommen verschiedene Ursachen für eine Verstopfung in Frage: Sie reichen von Nebenwirkungen durch Medikamente, über verschiedene Erkrankungen, bis hin zu Lebensgewohnheiten wie Bewegungsmangel, eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, faserarme Kost, Schichtarbeit oder exotisches Essen. Je nach Ursache wird zwischen einer primären funktionellen Verstopfung, einer Entleerungsstörung und einer sekundären Verstopfung unterschieden.

Bei der primären funktionellen Verstopfung können zwei Ursachen für die Obstipation verantwortlich sein: Zum Einen eine Transportstörung des Darms (meist des Dickdarms), deren Auslöser noch nicht abschließend geklärt ist. Es wird vermutet, dass sie durch eine Störung der Nerven in der Darmwand verursacht wird. Diese Form der Verstopfung wird als „Slow transit-Obstipation“ bezeichnet und kommt gehäuft bei jüngeren Patientinnen vor. Eine Slow transit-Obstipation wird oft von Symptomen wie Völlegefühl, einem Blähbauch oder Übelkeit begleitet und ist meist durch eine lange Krankheitsdauer gekennzeichnet.

Bei einer Entleerungsstörung des Enddarms können Patienten durch sehr harten Stuhl und Passageschwierigkeiten ihr „großes Geschäft“ nicht oder nur portionsweise entleeren. Manchmal müssen Betroffene die Stuhlentleerung (Defäkation) manuell unterstützen. Diese Art der Verstopfung kann durch organische Ursachen wie Hämorrhoiden, Darmpolypen oder muskuläre Schwierigkeiten (z.B. Verkrampfung des Darmausgangs) oder durch psychische Faktoren, wie die Verzögerung der Darmentleerung durch Stress oder seelische Belastung, hervorgerufen werden. Auch ein Reizdarmsyndrom kann sich hinter einer Entleerungsstörung verbergen.

Die dritte Form der Verstopfung, die sekundäre Verstopfung wird durch eine diagnostizierbare Erkrankung ausgelöst oder tritt als Nebenwirkung nach der Einnahme von Medikamenten auf. In diesem Fall sollte zunächst die Grunderkrankung behandelt werden, wodurch sich die Verstopfung meist von selbst löst. Verstopfung als Nebenwirkung ist beispielsweise bei bestimmten Schmerzmitteln, Antidepressiva, Magensäurebindern oder Blutdruckmitteln bekannt.

Verstopfung: Nahrungsmittelunverträglichkeiten als Ursache

Auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Zöliakie können sich durch Verstopfung bemerkbar machen. Bei einer Zöliakie führt der Verzehr von glutenhaltigen Lebensmitteln zu Entzündungen im Dünndarm, wodurch die Ausstülpungen der Darmschleimhaut (Zotten) abflachen. In der Folge können Nährstoffe nicht mehr ausreichend aufgenommen werden (Malabsorption). Während es sich bei der Zöliakie um eine Autoimmunerkrankung handelt, werden bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit bestimmte Bestandteile von Nahrungsmitteln aufgrund eines Enzym-Mangels bzw. Enzym-Defekts nicht richtig verdaut. Zur Diagnose von Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann der Arzt einen Wasserstoff-Atemtest durchführen.

Verstopfung während Schwangerschaft und Stillzeit

Verstopfungen während der Schwangerschaft sind keine Seltenheit. Die hormonelle Umstellung wirkt sich auf die Darmtätigkeit aus und lässt ihn träge werden. Eine abnehmende körperliche Aktivität und die immer größer werdende Gebärmutter, die Druck auf den Darm ausübt, können das Problem verstärken.

Auch Babys und Kleinkinder können unter Verstopfungen leiden. Dies ist vor allem bei der Umstellung von Muttermilch auf feste Beikost öfter der Fall. Ursächlich können aber auch ein wunder Po, eine Laktoseintoleranz, Antibiotika oder ein veränderter Tagesrhythmus sein. Bei der Windelentwöhnung kann es zudem zu einer sogenannten „Lernverstopfung“ kommen. In manchen Fällen handelt es sich um Morbus Hirschsprung, eine erbliche Darmerkrankung.

Verstopfung: Hausmittel – Was hilft bei akuten Beschwerden?

Je nach Art und Ursache der Verstopfung, können Hausmittel und Verhaltenstipps helfen, die Beschwerden zu lindern. Bei starken Beschwerden können sie die medikamentöse Behandlung ergänzen. In einigen Fällen kann Bewegung helfen, die Verstopfung zu lösen oder gar vorzubeugen. Sie bringt den durchschnittlich etwa acht Meter langen Darm wieder in Schwung. Dies gilt auch für eine wohltuende Bauchmassage, die die Darmtätigkeit schonend anregt. Hierbei sollte mit beiden Händen leichter Druck auf den Dickdarm ausgeübt werden, indem bogenförmig vom linken zum rechten Unterbauch gestrichen wird. Zudem ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Auch den Bauch mit ätherischen Ölen einzureiben (nicht bei Kindern anwenden!), eine Bauchauflage mit Kamille oder ein warmes Körnerkissen können Verdauungsbeschwerden lindern.

Außerdem sollte Stress, wann immer möglich, vermieden werden. Da Darm und Gehirn über die Darm-Hirn-Achse miteinander verbunden sind, können sich seelische und körperliche Belastung auf die Verdauung auswirken. Besonders wichtig ist die Stressvermeidung bei einer durch ein Reizdarmsyndrom ausgelösten Verstopfung. Entspannungstechniken, wie Autogenes Training, Yoga oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können zur seelischen Entspannung beitragen. Betroffene sollten außerdem versuchen, den Stuhlgang nicht zu unterdrücken.

Verstopfung: Ernährungstipps

Darüber hinaus können bestimmte Lebensmittel die Verdauung unterstützen und Verstopfungen lösen. So sind beispielsweise Flohsamen, Leinsamen und Haferflocken für ihre verdauungsfördernde Wirkung bekannt. Sie quellen im Magen auf und erhöhen somit das Volumen des Darminhalts, was die Stuhlentleerung beschleunigt. Auch natürliche, in Lebensmitteln wie Sauerkraut und Joghurt vorkommende Probiotika können eine gesunde Darmflora und damit eine gesunde Darmtätigkeit unterstützen. Oliven-, Lein- oder Rizinusöl erhöhen zudem die Gleitfähigkeit des Stuhls. Auf stopfende Speisen wie Bananen, Weißbrot, Nudeln, Schokolade, Rotes Fleisch und Fastfood sollte hingegen verzichtet werden. Betroffene müssen alle Nahrungsmittel ordentlich kauen, damit der Magen diese leichter zersetzen kann.

Verstopfung: Diese Medikamente lindern die Symptome

Bei starken Symptomen können Medikamente wie Abführmittel (Laxanzien) in Tabletten-, Tropfen-, Sirup-, Pulver- oder Zäpfchenform die Verstopfung lösen. Diese regen die Darmperistaltik, also die Beförderung des Speisebreis, an, indem sie Gase bilden, die den Ausscheidungsreflex aktivieren, stimulatorisch auf die Darmbewegung wirken oder den Stuhl aufweichen. Verursachen bestimmte Grunderkrankungen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Diabetes, die Verstopfung, müssen diese mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden. Akute Verstopfungen sind mit einem Einlauf zu lösen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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