Ein Mann mit schmerzverzerrtem Gesicht greift sich mit beiden Händen an die Schläfen (Symbolbild).
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Migräne-Patienten mit Histaminintoleranz können nach dem Verzehr histaminhaltiger Lebensmittel mit Migräne-Attacken reagieren (Symbolbild).

Nahrungsmittelinduzierte Migräne-Attacken

Migräne durch Nahrungsmittelunverträglichkeit? Welche Rolle die Ernährung spielt

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Viele Menschen mit Migräne vermuten, dass bestimmte Nahrungsmittel wie Rotwein und Schokolade ihre Migräne-Attacken auslösen. Lesen Sie, welche Rolle die Ernährung bei Migräne spielt und wann eine Migräne-Diät sinnvoll ist.

  • Bei einer Migräne treten anfallsartige Kopfschmerzen, oft in Verbindung mit Übelkeit und Reizempfindlichkeit, auf
  • Viele Patienten haben den Eindruck, dass bestimmte Lebensmittel Auslöser der Migräne-Attacken sind
  • Patienten sollten bei Verdacht abklären, ob eine Nahrungsmittelunverträglichkeit dahintersteckt

Königstein  – Migräne ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu anfallsartigen Kopfschmerzen kommt. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 18 Mio. Menschen an Migräne, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Etwa zwei Drittel der Betroffenen sieht einen Zusammenhang zwischen der Ernährung und den Migräne-Attacken. Wer vermutet, dass Nahrungsmittel die Migräne-Beschwerden auslösen, sollte das aber zunächst mit Hilfe eines Symptomtagebuchs prüfen, bevor bestimmte Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen werden.

Migräne: Das passiert bei einem Migräneanfall

Bei Mirgäne treten anfallsartige Kopfschmerzen auf, die pulsierend, stechend oder pochend sein können. Oft werden die Beschwerden von Appetitlosigkeit, Übelkeit und Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Bei einem Teil der Patienten kommt es außerdem zu einer sogenannten Aura mit Sehstörungen, Blitzen, blinden Flecken, Kribbeln und Taubheitsgefühlen. Die Migräne-Anfälle können zwischen vier und 72 Stunden anhalten und Betroffene stark belasten. Wie häufig sie auftreten, ist von Patient zu Patient verschieden. Einige Betroffene erleiden alle paar Tage einen Migräne-Anfall, andere nur alle paar Monate.

Oft kündigt sich die Attacke mit Symptomen wie Frösteln, Schwitzen, Verspannungen, Heißhunger, Appetitlosigkeit, Konzentrationsstörungen, Gereiztheit oder Hyperaktivität an. Das Hauptsymptom, der Kopfschmerz, steigert sich meist im Laufe der Attacke und klingt dann wieder ab. Während eines Migräne-Anfalls kann es auch zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Nach der Attacke haben Patienten meist das Bedürfnis, lange zu schlafen und sich zu erholen.

Nach aktuellem Forschungsstand ist die Ursache der Migräne-Symptome eine Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm und Mittelhirn. Diese aktivieren bestimmte Äste des Trigeminus-Nervs, die wiederum schmerzhafte Entzündungen der Blutgefäße der Hirnhaut und am Nervengewebe verursachen können. 

Migräne durch Nahrungsmittelunverträglichkeit? Welche Rolle die Ernährung spielt

Mittlerweile sind viele verschiedene Auslöser („Trigger“) der Migräne bekannt. Da die Prävalenz in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, spielen neben genetischen Faktoren offenbar auch die Lebensumstände eine entscheidende Rolle. Sie sind nicht die Ursache der Migräne - diese ist immer die übermäßige Reaktionsbereitschaft des Körpers - ei entsprechender genetischer Vorbelastung können die Schlüsselreize aber eine Attacke auslösen. Mögliche Migräne-Trigger sind:

  • Hormonelle Faktoren
  • Seelische und körperliche Belastung (Stress)
  • Schlaf
  • Umweltfaktoren
  • Lebensmittel

Immer wieder steht die Ernährung im Verdacht, bei Patienten mit erblicher Veranlagung Migräne-Attacken auszulösen. Tatsächlich können bestimmte Nahrungsmittel bei einigen Patienten die Attacken provozieren. So konnten Teilnehmer einer britischen Studie durch eine entsprechende Auslassdiät die Häufigkeit ihrer Migräne-Attacken um die Hälfte senken. Zudem konnten mehrere Forschergruppen im Blut von Patienten mit sogenannten nahrungsmittelinduzierten Migräne-Attacken den für Allergien verantwortlichen Botenstoff Histamin feststellen. Allerdings konnten keine Migräne-auslösenden Allergene in gängigen Hauttests identifiziert werden.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) weist aber daraufhin, dass Migräne-Auslöser sehr individuell sind und Lebensmittel keineswegs bei allen Patienten als Triggerfaktoren infrage kommen. Diese sollten immer gemeinsam mit einem Arzt bestimmt werden. Entsprechend ist ein vorsorglicher Verzicht in Form einer Migräne-Diät nicht zu empfehlen.

Migräne durch Nahrungsmittelunverträglichkeit: Diese Lebensmittel können Probleme bereiten

Haben Patienten den Eindruck, dass der Verzehr bestimmter Lebensmittel ihre Migräne auslöst, sollten sie ihre Ernährung sowie Häufigkeit und Stärke der Migräne-Attacken in einem Symptomtagebuch festhalten. Nur so können persönliche ernährungsbedingte Einflüsse auf die Migräne überprüft werden. Zu beachten ist, dass zwischen dem Essen und dem Auftreten eines Migräne-Anfalls auch mehrere Stunden oder sogar ein ganzer Tag liegen können. Zudem müssen Nahrungsmittel nicht zwangsläufig die Auslöser der Attacke sein, sie können auch als „Co-Faktor“ andere Trigger verstärken. Wichtig ist dabei auch nicht nur was, sondern wann und in welchem Zusammenhang ein Nahrungsmittel verzehrt wurde.

Nahrungsmittel bzw. Nahrungsmittelbestandteile, die beim Auslösen von Migräne-Attacken eine Rolle spielen können, sind beispielsweise:

  • Rotwein, reifer Käse, Zitrufrüchte
  • Eiweiße in Milchprodukten
  • Koffein, z.B. in Getränken
  • Konservierungsstoffe (z.B. Nitrit)
  • Geschmacksverstärker (z.B. Glutamat)
  • Speiseeis

Migräne durch Histaminintoleranz

Immer wieder berichten Migränepatienten, dass ihnen Alkohol Probleme bereitet. So gaben 35,6 Prozent von 2197 Migräne-Patienten in einer niederländischen Studie an, dass Alkohol bei ihnen Migräne auslösen kann. Als vermuteten Auslöser nannten die Befragten am häufigsten Rotwein. Mediziner vermuten, dass bestimmte Inhaltsstoffe im Rotwein und anderen „gereiften“ Lebensmitteln, wie reifem Käse, aber auch in Zitrusfrüchten zu den Beschwerden führen. So könnten die in diesen Nahrungsmitteln enthaltenen Eiweißsstoffe Histamin, Tyramin oder Phenylethylamin die Migräne triggern.

Haben Patienten den Eindruck, dass diese Lebensmittel Migräne-Symptome auslösen, sollten sie medizinisch abklären, ob eine Histaminintoleranz dahintersteckt. Oftmals werden die Beschwerden bei Histaminintoleranz von Symptomen wie Juckreiz, Durchfällen, Verstopfung, Hautausschlägen, Asthma und Herz-Kreislauf-Beschwerden begleitet. Bei einer diagnostizierten Histaminunverträglichkeit sollten histaminhaltige Lebensmittel gemieden oder zumindest reduziert werden. Neben Rotwein enthalten auch viele Fischsorten, wie Makrelen, Hering, Sardinen und Thunfisch sowie Fleisch wie Wurst, Salami und geräucherter Schinken große Mengen Histamin.

Migräne durch Nahrungsmittelunverträglichkeit: „China-Restaurant-Syndrom" durch Glutamat

Manche Menschen reagieren auch auf den Geschmacksverstärker Glutamat mit Migräne oder migräne-ähnlichen Symptomen. Glutamat wird häufig in asiatischen Gerichten verwendet, weshalb die Unverträglichkeit auch als „China-Restaurant-Syndrom" bekannt ist. Da es bei einer Glutamatunverträglichkeit neben Kopfschmerzen auch zu Hautrötungen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Schwächegefühl und Kreislauf-Beschwerden kommen kann, wird die Nahrungsmittelunverträglichkeit oft fälschlicherweise als Allergie gedeutet. Ein internationales Forscherteam aus Cambridge fand heraus, dass eine bestimmte Genvariante das Risiko einer Migräne-Attacke nach dem Glutamat-Verzehr erhöht. Andere kontrollierte Doppelblindstudien konnten den Zusammenhang zwischen Glutamat und den Beschwerden jedoch nicht bestätigen.

Migräne durch Nahrungsmittelunverträglichkeit: Ernährung als Trigger oft überschätzt

Nach Einschätzung von Experten werden Lebensmittel als Migräne-Auslöser aber eher überschätzt und sind häufiger Co-Faktor als Schlüsselreiz. Eine Migräne-Diät sollte deshalb nur eingehalten werden, wenn bestimmte Nahrungsmittel als Migräne-Auslöser eindeutig identifiziert wurden oder nachweislich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder eine Nahrungsmittelallergie besteht. Um eine Mangelernährung auszuschließen, sollten Ernährungsumstellungen zudem immer von einem Arzt oder geschulten Ernährungsberater betreut werden.

Migräne-Patienten sollten in jedem Fall auf eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung achten, um den Organismus nicht unnötig zu belasten. Zudem sollten sie regelmäßig essen und keine Mahlzeiten auslassen. Lange Zeit galt Schokolade als Migräne-Auslöser. Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass Heißhungerattacken auf Süßes bereits Vorbote der Migräne sein können.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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