Die Ähre eines Einkorns, eine der ältesten Weizenarten (Symbolbild).
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Einkorn, auch Blicken oder Kleiner Spelz genannt, gehört zu den ältesten domestizierten Getreidearten (Symbolbild).

Studie untersucht 40 Weizensorten

Ernährung bei Weizenunverträglichkeit: Diese ursprüngliche Weizenart könnte verträglich sein

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Wer an einer Weizensensitivität leidet, verträgt bestimmte Eiweißmoleküle in neuen und alten Weizensorten nicht. Forscher aus München haben nun in einer Studie festgestellt: Eine bestimmte Weizensorte könnte davon ausgenommen sein.

München – Wer an einer Weizenunverträglichkeit (auch: Weizensensitivität) leidet, verträgt vermutlich bestimmte Eiweißmoleküle in Weizenarten nicht. Diese stecken nicht nur in modernen, sondern auch in ursprünglichen Weizenarten wie Dinkel, Emmer und Einkorn und lösen bei Betroffenen Symptome wie Verdauungsbeschwerden, Kopf- und Gelenkschmerzen aus. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der TU München haben nun erstmals in einer neuen Studie die Weizensorten verglichen und dabei festgestellt, dass eine bestimmte unter ihnen im Gegensatz zu Brotweizen und anderen Weizensorten keine oder deutliche geringe Mengen dieser Eiweiße enthält. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachmagazin of Agricultural and Food Chemistry.

Ernährung bei Weizenunverträglichkeit: Welche Eiweißmoleküle bereiten Probleme?

Die Eiweißmoleküle, die Menschen mit einer Weizenunverträglichkeit Beschwerden bereiten, sind alpha-Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI), die hauptsächlich im Getreidekorn enthalten sind. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ihre Funktion darin besteht, die Samen der Pflanze vor Fressfeinden zu schützen, indem sie Verdauungsenzyme (alpha-Amylase und Trypsin) von Insekten hemmen. Gleiches gilt auch für den Menschen, zudem sorgt auch ihre besondere Molekülstruktur selbst dafür, dass sie schwer verdaulich sind. Neue Forschungen haben außerdem gezeigt, dass die die Freisetzung entzündungsfördernder Botenstoffe fördern und damit auch das menschliche Immunsystem – und zwar unabhängig von ihrer Dosis. Neben Darmbeschwerden können sie laut medizinischer Daten außerdem folgende Symptome auslösen:

  • Benommenheit/Müdigkeit
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Hautveränderungen
  • Depressive Verstimmungen

Darüber hinaus können Inhibitoren Weizenallergien auslösen.

Der Gehalt an Enzym-Inhibitoren im Getreide ist vom Erbgut der Pflanze und von Umwelteinflüssen abhängig. Aussagekräftige Studien zum ATI-Gehalt von Weizenarten gab es bisher nicht. (Glutenfreies Getreide: Die besten Alternativen zu Weizen-, Roggen- und Dinkelmehl)

Ernährung bei Weizenunverträglichkeit: 40 Weizensorten im Vergleich

Für ihre Studie haben die Wissenschaftler 40 moderne und ursprüngliche Weizensorten (jeweils acht Sorten pro Weizenart) miteinander verglichen. Erstautorin Sabrina Geisslitz vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in einer Pressemitteilung: „Das Besondere ist, dass alle untersuchten Getreide unter den gleichen geografischen und klimatischen Bedingungen gewachsen sind“. Somit konnten die Forscher sicherstellen, dass gemessene Unterschiede auf das Erbgut der Pflanzen zurückgehen, was den Vergleich erst möglich machte. Untersucht wurden die Weizen-Proben mittels moderner Analysetechniken.

Das Ergebnis: Die Dinkel- und Emmer-Proben enthielten im Schnitt etwa vier bis sechs Milligramm ATI pro Gramm und weisen damit sogar höhere Konzentrationen auf, als der analysierte Brotweizen und Hartweizen. Das Erstaunliche: fünf der untersuchten Einkorn-Proben enthielten dagegen gar keine bzw. drei der Proben nur sehr geringe Mengen Enzym-Inhibitoren.

Ernährung bei Weizenunverträglichkeit: Einkorn eine Alternative für Menschen mit Weizensensitivität?

Katharina Scherf, Leiterin der Arbeitsgruppe Functional Biopolymer Chemistry am Leibniz-Institut: „Das Ergebnis hat uns ein wenig überrascht. Denn im Vergleich zu herkömmlichen Weizen gelten alle drei ursprünglichen Weizenarten in gleichem Maße als bekömmlicher“. Und: „Hinsichtlich der Amylase-Trypsin-Inhibitoren, scheint jedoch Einkorn für Menschen mit Weizenunverträglichkeit die bessere Wahl zu sein“.

Die Wissenschaftler sind sich jedoch einige, dass noch viel Forschungsarbeit nötig ist. Und das nicht nur aus medizinier Sicht. So müsse auch untersucht werden, ob die Auswahl der Getreidesorten oder Verarbeitungsmethoden für die Verträglichkeit von Getreideprodukten wie Brot eine Rolle spiele. (Vollkorn, Weißmehl und Glutenfrei: Wie gesund ist unser Brot wirklich?)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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