Eine Erdbeere auf der Spitze eines Zuckerbergs (Symbolbild).
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Der Einfachzucker Fructose ist nicht so gesund, wie viele Menschen glauben (Symbolbild).

Natürliche Süße oder Dickmacher?

Ist Fructose gesünder als Zucker? 5 spannende Mythen und Fakten über das Süßungsmittel

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Dass Zucker ungesund ist, ist den meisten Menschen bewusst. Wie aber sieht es mit Fruchtzucker aus? Wir klären die häufigsten Irrtümer über Fructose auf.

Bonn – Sind Lebensmittel mit „Fruchtzucker gesüßt“ erweckt das bei Verbrauchern den Eindruck, dass es sich dabei um natürliche und gesunde Süße handelt. In größeren Mengen ist Fruchtzucker aber alles andere als gesund – er kann sogar der Gesundheit schaden. Meist kommt ein solcher „Überkonsum“ nicht durch den Verzehr von Obst zustande, sondern durch den häufigen Genuss von Fructose- und Saccharose-gesüßten Fertigprodukten. Bestimmte Lebensmittel sollten deshalb besser nicht auf dem Speiseplan stehen.

1. Mythen und Fakten zu Fructose: Fruchtzucker ist gesünder als Zucker

Dass Fruchtzucker gesünder als Haushaltszucker sein soll, ist ein sich hartnäckig haltender Irrglaube. Zwar erhöht Fructose den Blutzuckerwert nicht, dafür wird sie, anders als Glukose, nur von der Leber verstoffwechselt und lagert sich besonders schnell als Fett ab – entweder im Bauch oder in der Leber selbst. Bei anhaltendem übermäßigem Konsum kann sich dadurch sogar eine Fettleber bilden.

Nach Angaben der Apotheken Umschau kann zu viel Fruchtzucker neben Übergewicht auch zu erhöhten Cholesterinwerten führen und dadurch das Risiko für Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Da Fructose nicht sättigt, kann es schnell passieren, dass größere Mengen des Einfachzuckers aufgenommen werden. Allerdings treten die schädigenden Effekte erst bei einer großen Aufnahmemenge über einen längeren Zeitraum auf.

2. Mythen und Fakten zu Fructose: Fruchtzucker wird aus Früchten gewonnen

Fruchtzucker kommt zwar natürlicherweise in Früchten und Honig vor, hat aber mit der isolierten und hochkonzentrierten industriell hergestellten Fructose wenig zu tun. Da sie doppelt so süß wie Glukose ist und sich günstig produzieren lässt, wird sie gerne in Gebäck, Fertiggerichten und Limonaden verarbeitet. Nur selten wird reine kristalline Fruktose aus Früchten gewonnen. Meist wird sie aus Mais oder Saccharose hergestellt. Dazu wird die Stärke aus den Maiskörnern extrahiert und Glukose in mehreren Produktionsschritten durch Enzyme zu Fructose umgewandelt. Anschließend wird sie kristallisiert, getrocknet, abgesiebt oder gemahlen und verpackt.

3. Mythen und Fakten zu Fructose: Fruchtzucker steckt nur in Obst

Dass Fruchtzucker in Obst vorkommt, dürfte den meisten Menschen klar sein. Einige Gemüsesorten haben aber ebenfalls einen hohen Fructosegehalt, etwa rote Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Knoblauch, weshalb sie Menschen mit einer Fructoseunverträglichkeit Probleme bereiten können. Außerdem ist der besonders süße Fruchtzucker Liebling der Lebensmittelindustrie und versteckt sich häufig hinter folgenden Bezeichnungen in der Zutatenliste:

  • Glukosesirup
  • Maissirup
  • Isoglukose

Wer Fructose aus dem Weg gehen möchte, sollte Lebensmittelverpackungen genau studieren und möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel kaufen. Regelrechte Fruchtzuckerbomben sind außerdem gesüßte Getränke und (Frucht)säfte.*

4. Mythen und Fakten zu Fructose: Fruchtzucker ist ein natürliches Süßungsmittel

Fruchtzucker, der in Obst und Gemüse steckt, ist natürlich. Werden aber industriell hergestellte Lebensmittel mit Fruchtzucker bzw. Fruktose-Glukose-Sirup angereichert, ist das alles andere als natürlich. Fructose wird ihnen zugesetzt, um den Geschmack zu verstärken, egal ob es sich dabei um einen fruchtigen oder würzigen Geschmack handelt. Bei (Fertig)Gebäck wird Fructose hinzugegeben um die Bräunung zu intensivieren. Tiefkühlware enthält häufig Fruchtzucker, um die Bildung von Eiskristallen zu verhindern.

5. Mythen und Fakten zu Fructose: Fruchtzucker macht nicht dick

Das Gegenteil ist sogar der Fall: Wie bereits erwähnt, sättigt Fruchtzucker nicht, erhöht aber (zum Beispiel in Form eines zugesetzten konzentrierten Fructose-Mais­sirups) die Kaloriendichte von Lebensmitteln deutlich. Da Fructose unabhängig von Insulin verwertet wird, kann es bei einem erhöhten Verzehr zu einem Überschuss in der Leber kommen. Da die Fructose nicht gespeichert werden kann, wird sie in Fett umgewandelt. Was vor Tausenden von Jahren Jäger und Sammler in Hungerphasen vor dem Tod rettete, kann heute zum ernsthaften Problem für die Gesundheit werden. So zeigen verschiedene epidemiologische Studien in den USA einen Zusammenhang zwischen steigendem Fructosekonsum der Bevölkerung und der Zunahme von Adipositas, wie die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet. Übergewicht kann wiederum andere Krankheiten, wie Diabetes begünstigen.

Angst vor fruchtzuckerhaltigem Obst und Gemüse müssen Verbraucher deshalb aber nicht haben. Schließlich stecken in ihnen neben Fruchtzucker auch jede Menge wertvolle Ballaststoffe und Vitamine. Der erhöhte Fructose-Konsum geht vielmehr auf das Konto der Lebensmittelindustrie und kann vor allem durch Verzicht auf Fertigessen verhindert werden. Es spricht also nichts gegen die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen zwei Portionen Obst und drei Portionen Gemüse am Tag. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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