Eine Tasse Glühwein aus Glas ist weihnachtlich dekoriert mit Zweig, getrockneten Orangen, Nüssen und einer roten Filzschneeflocke und steht auf einem Holztisch (Symbolfoto).
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Manche Menschen reagieren auf Glühwein, auch wenn sie nur ein paar Schlucke getrunken haben: Sie leiden an einer Unverträglichkeit (Symbolfoto).

Weinunverträglichkeit

Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Kater? Warum Glühwein empfindlichen Menschen Probleme bereiten kann

  • vonChristine Pander
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Glühwein steigt gerne mal zu Kopf: Doch daran ist aber nicht immer der Alkohol schuld. Rotwein führt bei manchen Menschen zu Atemnot, Übelkeit und Hautausschlag. Schuld daran ist eine Unverträglichkeit auf das biogene Amin Histamin.

Berlin – Glühwein gehört für viele zur kalten Jahreszeit wie Plätzchen, Bratwurst oder Zimtsterne. Doch Vorsicht: Gerade für empfindliche Menschen kann der Konsum von Glühwein unerwünschte Folgen haben. Schuld daran ist das biogene Amin Histamin. Wer sich also schon einmal gefragt hat, warum er nach wenigen Schlucken unter Durchfall, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hautausschlag oder Juckreiz leidet, hat möglicherweise eine Histaminunverträglichkeit.

Unverträglichkeit auf Rotwein: Forscher diskutieren noch über die Ursache

Der Botenstoff Histamin wird vom Körper selbst gebildet, kommt aber natürlicherweise auch in vielen Lebensmitteln vor, etwa in Rotwein, Schokolade, Räucherfisch, gereiftem Käse oder Salami. Normalerweise ist die Aufnahme von Histamin kein Problem, da der Stoff über den Dünndarm abgebaut wird. Menschen mit einer Histaminintoleranz fehlt jedoch ein wichtiges Enzym im Körper, um überschüssiges Histamin abzubauen. Vermutlich handelt es sich dabei um die Diaminoxidase (DAO). In der Folge kann es zu einem Ungleichgewicht zwischen aufgenommenem Histamin und dem Histaminabbau kommen.

Neben einem DAO-Mangel können auch andere biogene Amine wie Alkohol und bestimmte Medikamente den Histaminabbau über die DAO hemmen.

Unverträglichkeit auf Rotwein: Das sind die Symptome

Bei einer Histaminintoleranz können diese Beschwerden auftreten:

  • Atemwegbeschwerden
  • Hautsymptome
  • Verdauungsbeschwerden
  • Kreislaufbeschwerden
  • Kopfschmerzen

Die Symptome können – je nach Ausprägung – von Kopfschmerzen, über Atemwegsbeschwerden wie einer laufenden Nase, Niesen, Asthma sowie Hautsymptomen wie Hautausschlag, Juckreiz, Quaddeln, Rötungen oder gereizten und geschwollenen Augenlidern, bis hin zu Verdauungsproblemen wie Durchfall, Bauchschmerzen, Krämpfen, Blähungen oder Sodbrennen reichen. Neben Übelkeit und Erbrechen sind auch Schwindel und Migräne möglich. Auch Kreislaufprobleme mit Herzrasen, Blutdruckabfall, Herzstolpern und Herzklopfen können auftreten.

Unverträglichkeit auf Rotwein: Histaminintoleranz ist keine Allergie

Bisher gibt es kein Testverfahren, das eine Histaminunverträglichkeit eindeutig nachweisen kann.* Ein Allergietest beim Allergologen kann helfen, auftretende Symptome zuzuordnen und eine Nahrungsmittelallergie auszuschließen. Denn entgegen verbreiteter Vorstellungen handelt es sich nach Angaben der gemeinnützigen Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) bei der Weinunverträglichkeit keinesfalls um eine Allergie, auch wenn allergieähnliche Beschwerden es vermuten lassen.

Eine ausführliche Anamnese mit Unterstützung eines Symptom-Tagebuchs sowie eine anschließende Eliminationsdiät sind der einzige Weg, eine Histaminunverträglichkeit zu diagnostizieren. Wer nachweislich an der Histaminintoleranz leidet oder dies aus Erfahrung weiß, streicht histaminhaltige Lebensmittel vorsichtshalber vom Speiseplan. Auch Zitrusfrüchte sollten Betroffene besser meiden. Diese enthalten zwar kein Histamin, dafür aber Histaminliberatoren, die das im Körper gespeicherte Histamin freisetzen.

Unverträglichkeit auf Rotwein: Mehrere Stoffe können Studie zufolge schuld sein

Neben Histamin können auch Sulfite und das biogene Amin Tyramin im Rotwein Unverträglichkeitsreaktionen mit Ausschlag und Atemnot auslösen. An Tanninen kann es wiederum liegen, dass manche Menschen sofort Kopfschmerzen bekommen. Wer auf welchen Inhaltsstoff im Rotwein wie reagiert, muss jeder für sich selbst ermitteln und im Zweifelsfall mit dem Arzt besprechen. Denn das ist ganz individuell. 

Eine im Ärzteblatt publizierte Querschnittstudie aus Mainz zur Weinunverträglichkeit hat bereits 2010 interessante Ergebnisse geliefert: Unverträglichkeitsbeschwerden werden demnach häufiger nach Rotweinkonsum berichtet als nach Weißweinkonsum. Die Studienautoren waren vor allem über die Häufigkeit der Weinunverträglichkeit überrascht. Dabei hatten sie noch nicht einmal das unspezifische Symptom „Kopfschmerzen“ mit in den Fragenkatalog aufgenommen.

Unverträglichkeit auf Rotwein: Histaminunverträglichkeit meist nicht das einzige Leiden von Betroffenen

Die befragten Frauen litten außerdem häufiger auch an Allergien, zum Beispiel auf Pollen oder Latex. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie: Im Wein sind geringe Mengen von Proteinen enthalten, die vor allem aus der Traube stammen, jedoch auch durch Bakterien und Hefen eingebracht werden können. Unter den Proteinen konnte auch das Lipid-Transfer-Protein (LTP) aus den Trauben nachgewiesen werden. Es ist als Allergen anerkannt und kann zu schwerwiegenden Symptomen wie Anaphylaxien führen.

Unverträglichkeit auf Rotwein: Weißer Glühwein bei Histaminintoleranz eine Alternative

Sofern die Nahrungsmittelunverträglichkeit eindeutig durch den Rotwein ausgelöst wird, genügt es möglicherweise, auf eine Variante aus Weißwein umzusteigen. Dieser enthält wesentlich weniger Histidin und wird von vielen Menschen mit einer Histamin-Intoleranz besser vertragen.

Als Ausrede für einen Kater nach ausschweifendem Weingenuss dient die Unverträglichkeit übrigens nicht: Histamine wie im Rotwein sind auch in Schokolade, Salami, gereiftem Käse und Räucherfisch enthalten. Und darauf müssten die vermeintlich Betroffenen dann leider auch verzichten. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.