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Histaminunverträglichkeit: Warum die Nahrungsmittelintoleranz schwer zu diagnostizieren ist

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine dunkelhaarige Frau mit rosa Strickjacke greift sich mit verzerrtem Gesicht an den Unterbauch (Symbolbild).

Treten nach bestimmten Speisen Übelkeit, Erbrechen oder Hautsymptome auf, kann eine Histaminunverträglichkeit dahinter stecken. Ein Symptomtagebuch kann helfen, die Auslöser ausfindig zu machen (Symbolbild). © imago images / Panthermedia

Die Diagnose Histaminintoleranz bedarf mehrerer Schritte und der Mithilfe von Betroffenen. Denn anders als andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten lässt sie sich nicht mit einem Labortest nachweisen.

München – Treten nach dem Verzehr von gereiften oder fermentierten Lebensmitteln wiederholt Beschwerden wie Hautrötungen, Juckreiz und Quaddelbildung auf, kann eine Histamin-Intoleranz dahinterstecken. Auch Übelkeit bis hin zu Erbrechen, Durchfälle, Magenkrämpfe, Herzrasen, Schwindel, Kopfschmerzen und Migräne können ein Hinweis sein. Das Problem: bisher gibt es keine einheitlichen Labortests zur eindeutigen Diagnose der Nahrungsmittelunverträglichkeit. Bestimmte Untersuchungen können nur den Verdacht einer Histaminunverträglichkeit erhärten, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) verweist. Der Arzt ist deshalb auf die Mithilfe und Beobachtung der Betroffenen angewiesen.

Histamin-Intoleranz: Ernährungs- und Symptomtagebuch können helfen

Eine Histamin-Intoleranz ist nach Angaben des Allergieinformationsdienstes des Helmholtz Zentrum München wissenschaftlich nicht einheitlich definiert, weshalb Experten auch von einem Histamin-Intoleranz-Syndrom sprechen. Häufig ist damit eine Abbaustörung des Histamins gemeint, das über die Nahrung aufgenommen und normalerweise vom Enzym Diaminoxidase (DAO) abgebaut wird. Bei Menschen mit Histamin-Intoleranz besteht entweder ein DAO-Mangel oder die Funktion des Enzyms ist gestört. Die Ursache dafür ist noch nicht abschließend geklärt. Auch die Symptome, die für eine Histamin-Intoleranz sprechen, sind vielfältig und damit nicht leicht zu erkennen. So sind Beschwerden im Bereich der Haut, des Magen-Darm-Trakts, der Atemwege, des Herz-Kreislauf-Systems und des Kopfes (Kopfschmerzen) möglich.

Laboruntersuchungen, die eine eine Unverträglichkeit von zugeführtem Histamin belegen, gibt es bisher nicht. Ein Verdacht ergibt sich meist aus den Beobachtungen von Betroffenen und der Dokumentation von Symptomen. Dabei ist es hilfreich, ein Symptomtagebuch bzw. ein Ernährungstagebuch zu führen. Zuvor, so empfehlen es Experten in der Leitlinie „Vorgehen bei Verdacht auf Unverträglichkeit gegenüber oral aufgenommenem Histamin“, sollten aber mögliche andere Erkrankungen ausgeschlossen oder gegebenenfalls therapiert werden.

Im Symptomtagebuch notieren Betroffene, in welchen Mengen histaminhaltige Lebensmittel gegessen und getrunken werden* und ob bestimmte Einflussfaktoren die Unverträglichkeitsreaktion verstärken. Beispielsweise sind bei Frauen vor der Menstruation häufig stärkere Symptome zu beobachten. Auch die Zusammensetzung der Mahlzeiten und die Abstände zwischen dem Essen können Auswirkungen auf die Beschwerden haben.

Histamin-Intoleranz: Der Unverträglichkeit mit einer Ernährungsumstellung auf die Schliche kommen

Konnte der Arzt in einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und mithilfe entsprechender Untersuchungen andere Krankheiten als Ursache ausschließen, erfolgt eine dreistufige Ernährungsumstellung von einer Dauer von sechs bis acht Wochen. Sie ist in drei Phasen unterteilt:

Für die Ernährungsumstellung kann es hilfreich sein, das Symptomtagebuch weiterzuführen und gegebenenfalls auch Medikamente umzustellen.

Histamin-Intoleranz: Bei Besserung kann der Arzt einen Provokationstest duchrführen

Bessern sich die Beschwerden durch die Ernährungsumstellung, kann der Arzt einen Provokationstest mit langsam steigenden Histamin-Dosierungen anordnen und damit den Verdacht einer Histamin-Intoleranz bestätigen. Provokationstest müssen in jedem Fall unter ärztlicher Aufsicht stattfinden, da es dabei zu starken Reaktionen kommen kann.

Hat die Ernährungsumstellung hingegen keinen Einfluss auf die Beschwerden, sollten andere Krankheiten als Ursache der Symptome abgeklärt werden, wie Allergien, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, eine Zöliakie, Kohlenhydratverwertungsstörungen wie eine Fructose- oder eine Laktoseintoleranz oder auch Darmgeschwüre und Tumore. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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