Rotwein, Käse, Fisch: Bei Histaminintoleranz reagiert der Körper auf bestimmte Lebensmittel mit Beschwerden.
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Manche Menschen bekommen von Käse und Rotwein Hautausschlag, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Schuld daran ist Histamin (Symbolbild).

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Histaminintoleranz: Alles über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Sie haben alle Anzeichen einer Allergie, aber der Arzt kann keine feststellen? In diesem Fall könnte eine Histaminintoleranz dahinterstecken. Alles was Sie zu Ursachen, Symptomen, Diagnose und Behandlung wissen müssen.

  • Rotwein und Käse können bei manchen Menschen Allergie-Symptome hervorrufen.
  • Der Körper von Betroffenen kann das Gewebshormon Histamin nicht abbauen.
  • Meist ist eine genaue Diagnose schwierig und sehr langwierig.

München – Klagen Patienten über Schnupfen, Hautausschlag und Bauchkrämpfe vermutet der Arzt häufig eine Allergie. Doch sind Tests und Blutwerte negativ, ist auch der Experte meist ratlos. In diesem Fall steckt möglicherweise eine Histaminintoleranz hinter den Beschwerden. Bei der Unverträglichkeit kann der Körper, das in Lebensmitteln enthaltene Histamin nicht abbauen. Essen Betroffene gereiften Käse oder trinken sie ein Glas Rotwein ist eine allergische Reaktion die Folge. 

Häufig haben Menschen mit einer Histaminintoleranz einen langen Leidensweg hinter sich. Nicht nur sind die Symptome meist unspezifisch, auch gibt es weder Tests noch eine wirksame Behandlung gegen die Unverträglichkeit. Was ist Histamin? Wie entsteht eine Histaminintoleranz? Und welche Lebensmittel enthalten besonders viel Histamin?

Histaminintoleranz: Diese Lebensmittel dürfen Sie nicht essen

Etwa zwei Prozent der Bevölkerung, davon 80 Prozent Frauen, leiden an Histaminintoleranz. Die Unverträglichkeit ist keine angeborene Krankheit, sondern entwickelt sich erst im Laufe des Lebens. Mit zunehmendem Alter steigt sogar das Risiko, dass der Körper eine Intoleranz gegenüber Histamin bildet. Gereifter Käse, Fertigprodukte und Konserven - je länger ein Nahrungsmittel lagert, umso mehr Histamin enthält es. Auch bei der Herstellung vieler Lebensmittel entsteht Histamin. So besitzen Produkte, die mithilfe von Bakterien- oder Hefekulturen haltbar gemacht werden, große Mengen des Stoffs. Aber auch bei falscher Lagerung kann sich Histamin bilden.

Menschen mit einer Histaminintoleranz sollten Nahrungsmittel, die Histamin enthalten oder im Körper freisetzen, unbedingt vermeiden. Zu den histaminhaltigen Lebensmitteln gehören:

  • Fleisch und Geflügel: Geräuchertes, gepökeltes, mariniertes, getrocknetes Fleisch und Geflügel, Leber, Salami, Mettwurst, roher Schinken
  • Fisch (bei falscher Lagerung): Hering, Sardellen, Thunfisch, Makrelen, Schalentiere, Muscheln, Fischkonserven
  • Obst: Überreifes Obst, Zitrusfrüchte, Bananen, Ananas, Papaya, Kiwi, Erdbeeren, Himbeeren, Obstkonserven, Nüsse
  • Gemüse: Tomaten, Spinat, Sauerkraut, Soja, Keime, Sprossen, eingelegtes Gemüse und Gemüsekonserven
  • (lang gereifter) Käse: Parmesan, Emmentaler, Camembert, Brie, Tilsiter, Edamer, Chester, Cheddar, Harzer, Schmelzkäse
  • Getreide und Getreideprodukte: Backwaren mit Zusatzstoffen, Backmischungen, Weizenkeime
  • Süßigkeiten: Schokolade, Kakao, Nougat, Marzipan, Marmelade und Erdnusscreme
  • Getränke: Schwarzer und grüner Tee, Brennnesseltee, Tomatensaft, Obstsäfte aus Zitrusfrüchten
  • Alkohol: (Weiß-) Bier, Rotwein, Liköre, Champagner und Sekt
  • Außerdem: Glutamat, Sojasoße und andere Sojaprodukte, Tofu und Rotweinessig

Histaminintoleranz: Was ist Histamin?

Käse, Sauerkraut und geräucherter Fisch – vor allem Nahrungsmittel, die lange reifen, enthalten Histamin. Doch der Stoff befindet sich nicht nur in vielen Lebensmitteln. Histamin ist ein Botenstoff, der sowohl in der Nahrung als auch im Körper vorkommt. Im menschlichen Körper hat der Botenstoff, der zu den biogenen Aminen gehört, verschiedene Aufgaben. So ist Histamin nicht nur für die Muskelkontraktion in Atemwegen, Darmtrakt und Gebärmutter zuständig, sondern wirkt auch entspannend auf die Blutgefäße und erhöht deren Durchlässigkeit. Laut dem Gesundheitsinformationsdienst des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), geleitet von Jürgen Windeler (63, *1957), hat Histamin ebenfalls wichtige Aufgaben im Gehirn. Das Gewebshormon wirkt dort als Nervenbotenstoff und beeinflusst unteranderem den Schlaf-Wach-Rhythmus

Schüttet der Körper, ausgelöst durch eine allergische Reaktion, vermehrt das körpereigene Gewebshormon Histamin in Stresssituationen aus, treten die typischen Symptome einer Allergie auf. Durch die entspannende Wirkung auf die Blutgefäße kann es dabei zu einem enormen Blutdruckabfall kommen. Reagiert das Immunsystem besonders stark auf ein bestimmtes Allergen, kann dies sogar zu einem allergischen Schock führen und damit lebensbedrohlich werden. 

Das passiert bei einer Histaminunverträglichkeit im Körper

Nehmen wir Histamin über die Nahrung auf, ist das normalerweise kein Problem für unseren Körper. Bevor der Botenstoff über den Stoffwechsel in unser Blut gelangt, wird es im Dünndarm zu großen Teilen abgebaut. Zuständig für die Verarbeitung des Histamins ist das Enzym Diaminoxidase (DAO). Dieses Enzym ist nicht nur im Dünndarm aktiv, sondern auch in der Leber, im Blut und den Nieren.

Für gewöhnlich kommt der menschliche Organismus auch mit größeren Mengen Histamin klar. Kritisch wird es nur, wenn sehr viel des Botenstoffs auf einmal in den Darm gelangt, beispielsweise wenn wir verdorbenen Fisch essen. In diesem Fall reagiert der Stoffwechsel meist mit heftigen Symptomen.

Histaminintoleranz: Fehlendes Enzym ist Schuld

Menschen mit Histaminintoleranz haben schon mit kleinen Mengen Histamin zu kämpfen. Grund dafür: Sie besitzen nicht genug DAO-Enzyme, die das Histamin abbauen können. Nehmen sie Lebensmittel mit Histamin zu sich, kann das bei Betroffenen zu starken Beschwerden führen. Neben einem Enzymmangel können auch stark histaminhaltige Lebensmittel, die Einnahme weiterer biogener Amine (wie Serotonin) oder ein akuter Magen-Darm-Infekt, allergieähnliche Symptome provozieren. 

Histaminintoleranz: Symptome

Rötungen der Haut, Bauchschmerzen und Herzrasen, aber auch Antriebslosigkeit, Schwächegefühle und starker Gewichtsverlust - meist sind die Symptome bei einer Histaminintoleranz sehr unspezifisch. Häufig treten sie direkt nach dem Essen auf, doch auch Stunden später kann es zu Bauchschmerzen und starken Krämpfen kommen. Diese Verzögerungen erschweren die Suche nach den Auslösern zusätzlich.

Histamin ist ein Gewebshormon und kommt überall im Körper vor. Neben der Haut, den Lungen, Magen und Darm, wird der Wirkstoff auch im Gehirn freigesetzt. Dort steuert Histamin unter anderem den Schlaf-Wach-Rhythmus. Kommt es zu einer Histaminausschüttung, führt dies im ganzen Organismus zu unangenehmen Reaktionen: auf der Haut bilden sich Blasen und Quaddeln, die gefäßerweiternde Wirkung ist für die Entwicklung von Migräne verantwortlich, Atembeschwerden treten durch Verengung der Gefäße in den Bronchien auf und im Magen provoziert die Ausschüttung von Histamin die Bildung von Magensäure.

Histaminintoleranz: Das sind die häufigsten Beschwerden

Bei einer allergischen Reaktion schüttet der Körper vermehrt Histamin aus, dabei können laut Forschern der Technischen Universität München (TUM) folgende Symptome auftreten:

  • Rötungen der Haut
  • Hautausschlag
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall
  • Magenkrämpfe und Bauchschmerzen
  • Blähungen/Blähbauch
  • Herzrasen
  • Schwindel
  • Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckabfall
  • Schnupfen
  • Asthma
  • Kopfschmerzen und Migräne

Im schlimmsten Fall kann es zu einem allergischen Schock und somit lebensbedrohlichen Zuständen kommen.

Histaminintoleranz: Diagnose

Die Diagnose einer Histaminintoleranz ist in den meisten Fällen sehr langwierig. Bis heute gibt es keinen Test, der die Unverträglichkeit mit Sicherheit nachweisen kann. So bleibt dem Arzt nichts anderes übrig, als neben einer ausführlichen Anamnese andere Allergien und Krankheiten auszuschließen. Bestätigt sich der Verdacht, dass eine Histaminintoleranz hinter den Symptomen steckt, ist meist eine Ernährungsberatung die beste Anlaufstelle für Betroffene. 

Histaminintoleranz: So kann der Arzt die Unverträglichkeit feststellen

Mithilfe eines Ernährungstagebuchs können Patienten herausfinden, welche Lebensmittel sie vertragen und welche Probleme bereiten. Dabei müssen Betroffene über mehrere Wochen genau aufschreiben, was sie wann essen und wie Ihr Körper darauf reagiert. Im Rahmen der Ernährungsberatung wird dieses Protokoll auf mögliche Allergieauslöser untersucht.

Eine Eliminationsdiät, bei der histaminhaltige Lebensmittel über längere Zeit vermieden werden, ist die sicherste Methode um die Unverträglichkeit festzustellen. Bei einer Histamin-Diät verzichten Patienten vier Wochen lang auf alle histaminreichen und histaminfreisetzenden Lebensmittel. Bessern sich die Symptome in dieser Zeit, spricht das für eine Histaminintoleranz. In der anschließenden Provokations-Phase essen Betroffene absichtlich histaminhaltige Lebensmittel. Kommen die Symptome zurück, leidet der Patient mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Histaminintoleranz.

Histaminintoleranz: Alkohol sollte vermieden werden

Paprika statt Tomate, junger statt gereifter Käse, nichts Geräuchertes und keinen Alkohol – Bisher gibt es neben einer strikten Ernährungsumstellung keine Therapie gegen Histaminintoleranz. Doch Betroffene müssen nicht ihr Leben lang auf histaminhaltige Lebensmittel verzichten. Stattdessen sollte jeder Patient individuell für sich herausfinden, welche Menge an Histamin er verträgt und diese Nahrungsmittel im Alltag integrieren. Dabei besteht die Hoffnung, dass der Körper sich irgendwann wieder an Histamin gewöhnt.

Histaminintolreanz: Behandlung mit Medikamenten

Neben einer Ernährungsumstellung können auch Medikamente die Beschwerden lindern. Die Einnahme sollte für Betroffene jedoch eher Ausnahme als Regel sein. Nur im Notfall, beispielsweise auf Reisen oder im Restaurant, wenn sich histaminhaltige Lebensmittel nicht vermeiden lassen, können Medikamente helfen. Verschreibt der Arzt beispielsweise Antihistaminika, können diese bei allergischen Symptomen schnell für Besserung sorgen. 

Tipps bei Histaminintoleranz:

  • Lebensmittel aus dem Kühlschrank direkt essen und nicht auf Zimmertemperatur erwärmen lassen.
  • Fleisch und Fisch immer frisch einkaufen und nicht wieder aufwärmen.
  • Langes Aufbewahren von Lebensmitteln vermeiden – frieren Sie die Nahrungsmittel lieber frisch ein.
  • Glutamat und andere Geschmacksverstärker können den Histaminabbau verhindern, vermeiden Sie diese Zusatzstoffe unbedingt.
  • Kaufen Sie lieber Milchprodukte und jungen Käse wie jungen Gouda, Frischkäse, Speisequark und Butterkäse anstelle von Käsesorten, die lange reifen.
  • Die meisten Gemüsesorten enthalten nur sehr wenig Histamin – diese können Sie daher ohne Probleme essen.
  • Verringern Sie Ihren Alkoholkonsum – Ein kleines Glas Weißwein, Sekt oder Pils ist besser verträglich als Rotwein oder Weißbier.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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