Ein Glas und eine Flasche Milch stehen auf einem Tisch mit Keksen (Symbolbild).
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Milch macht gesund - doch stimmt das auch? (Symbolbild).

Milch-Mythen

Milch im Faktencheck: Die 11 größten Mythen über Milch

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Dickmacher, Krankmacher und schlecht für die Haut: Das Image von Milch und Milchprodukten hat in letzter Zeit deutlich gelitten. Doch was ist dran an den Vorwürfen?

  • Milch und Erzeugnisse aus Milch gehört zu den beliebtesten Lebensmitteln in deutschen Haushalten.
  • Doch vor allem in den letzten Jahren hat der Ruf von Milchprodukten deutlich gelitten.
  • Macht Milch nun gesund oder krank?

Bonn – Für die einen gilt sie als besonders nahrhaft, andere verschreien sie als ungesund. Lange Zeit wurde Milch als wertvolle Energie- und Nährstoffquelle angepriesen. Seit einigen Jahren jedoch leidet ihr Ruf enorm. Dabei prangern Milchgegner nicht nur den gesundheitlichen Wert des Produkts an, sondern auch die Bedingungen, unter denen Milchprodukte hergestellt werden. Auch die damit verbundenen Umweltbelastungen sind Teil der öffentlichen Diskussion. Doch wie ungesund sind Milchprodukte tatsächlich? Wir klären auf, was an den bekanntesten Mythen rund um das Thema Milch dran ist.

1. Milch macht groß und stark

Milchkritiker sind sich einig: Milch verursacht Akne, Bauchschmerzen, Übergewicht, Diabetes und Krebs. Doch Studien belegen, in der Milch sind auch viele gesunde Inhaltsstoffe zu finden. So besteht Milch zum Großteil aus Wasser, enthält aber auch Eiweiße, Fette und Milchzucker. Zudem stecken zahlreiche Nährstoffe, Mineralien und Vitamine in dem weißen Getränk. Das macht insbesondere die Muttermilch zu einem enorm wichtigen Lebensmittel. Versorgt sie doch Neugeborene und Säuglinge mit vielen wichtigen Nährstoffen.

Vor allem Kinder scheinen durch den Verzehr von Milch zu profitieren. Nährstoffe wie Eiweiß, Kalzium, Vitamin B2 und B12, sowie Magnesium, Zink und Jod sorgen dafür, dass Knochen und Zähne groß und stark werden. Im Erwachsenenalter scheint der Verzehr von Milch jedoch keinen schützenden Effekt vor Osteoporose und Knochenbrüchen zu haben.

2. Milch sorgt für starke Knochen

In der Milch befindet sich das Mineral Kalzium, welches besonders für den Aufbau unserer Knochen wichtig ist. Langen gingen Forscher daher davon aus, dass sich der Verzehr von Milchprodukten positiv auf die Entwicklung der Knochen auswirkt. Studien zeigen, dass vor allem ältere Frauen, die regelmäßig Milch trinken, ein scheinbar verringertes Risiko haben, an Osteoporose zu erkranken.

Doch es sprechen auch Argumente gegen den Verzehr von Milch: So weisen einige Studien daraufhin, dass kein Zusammenhang zwischen Milch und gesunden Knochen besteht. Vielmehr leiden in Ländern, in denen traditionell keine Milch getrunken wird, deutlich weniger Menschen an Osteoporose als hierzulande. Forscher wissen mittlerweile, dass der Körper Kalzium nur in Kombination mit ausreichender Vitamin D-Zufuhr verarbeiten kann.

3. Milch macht schön und schlank

Schon seit Jahrhunderten werden der Milch schönheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen. So soll ein Bad in Milch die Haut zart und geschmeidig machen. Auch die ägyptische Königin Kleopatra soll der Legende nach regelmäßig Stutenmilch gebadet haben. Tatsächlich pflegt das in der Milch enthaltene Fett trockene Haut - einen Vorteil gegenüber anderen Schönheitsprodukten gibt es jedoch nicht.

Immer wieder suggerieren uns Gesundheitsratgeber und die Werbung zudem: Wer abnehmen möchte, der sollte zu Milchprodukten greifen. Vor allem fettreduzierte Milchprodukte sollen laut einigen Fitnessgurus dabei helfen, die Pfunde purzeln zu lassen. Dem widersprechen Ernährungsexperten jedoch: Denn die meisten fettreduzierten Nahrungsmittel sind stark verarbeitet. Sie enthalten meist zahlreiche Süßstoffe und Konservierungsmittel. Auf Dauer kann sich das sogar kontraproduktiv auf das Gewicht auswirken.

4. Milch sorgt für Verdauungsbeschwerden

Viele Menschen vertragen keine Milch. Nehmen sie Milchprodukte zu sich, drohen Bauchschmerzen, Blähungen und Magen-Darm-Beschwerden. Grund dafür ist, dass ihnen ein bestimmtes Enzym fehlt, um die in der Milch enthaltene Laktose zu verdauen. Rund drei Viertel der Weltbevölkerung leiden an einer Laktoseintoleranz, in Europa reagieren dagegen nur etwa 30 Prozent der Menschen auf Milchprodukte. Sie müssen in der Regel auf Milch verzichten oder können nur kleine Mengen ohne Probleme zu sich nehmen. Laktosefreie Milch und manche Käsesorten werden jedoch häufig vertragen.

5. Milch ist schleimbildend

Glaubt man dem Rat mancher Hausärzte, sorgt der Genuss von Milch dafür, dass die Atemwege verschleimen. Wer erkältet ist, der soll daher auf Milch verzichten. Tatsächlich führt Milch in Verbindung mit Speichel zu einem schleimigen Gefühl im Mund. Zu einer vermehrten Schleimbildung in den Atemwegen kommt es jedoch nicht. Vielmehr lindert heiße Milch mit Honig sogar Halsschmerzen. Grund dafür ist jedoch nicht die Milch, sondern die antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung des Honigs.

6. Milch erhöht das Krebsrisiko

Milch steht im Verdacht, das Krebsrisiko zu beeinflussen. Bisher gibt es dafür jedoch lediglich einzelne Hinweise: So fanden Forscher heraus, dass der Verzehr von Milch einen Einfluss auf die Entwicklung von Prostatakrebs hat - allerdings erst ab einem Konsum von etwa 1,25 Liter pro Tag. Auch bei der Entstehung andere Krebsarten steht Milch als möglicher Einflussfaktor im Verdacht: Bisher konnten Forscher jedoch keine ausreichenden Beweise dafür finden, dass Milch gesundheitsschädlich ist. So zeigt eine Studie des Max-Rubner-Instituts, dass der Verzehr von zwei bis drei Milchportionen pro Tag keinen Einfluss auf das Krebsrisiko hat.

Ein geringer Konsum von Milch scheint sich sogar positiv auf die Gesundheit auszuwirken. Bei Magen-, Darm- und Brustkrebs könnte Milch einen schützenden Effekt haben - das in der Milch enthaltene Kalzium scheint den Körper vor dem Krebs zu schützen. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt den Konsum von Milch allerdings nur gemäßigt. Insgesamt ein Glas Milch pro Tag sehen die Experten als unbedenklich an.

7. Milch ist ein natürliches Lebensmittel

Vor allem in Europa ist der Verzehr von Milch weit verbreitet. In anderen Ländern gehört Milch allerdings nicht zu den typischen Grundnahrungsmitteln. Das macht deutlich: Auch ohne Milch kann man gesund leben. Dass Milch nicht unbedingt ein natürliches Lebensmittel ist, zeigt zudem ein Blick auf die historische Domestizierung der Kuh. Erst seit rund 8000 Jahren halten Menschen Kühe als Nutztiere - evolutionär gesehen ist der Milchverzehr daher noch sehr jung. Eine weitere Besonderheit ist, dass Menschen als einziges Lebewesen die Milch einer anderen Spezies trinkt.

8. Milch macht müde Männer munter

„Milch macht müde Männer munter“ ist ein bekannter Slogan der Milchindustrie. Sie ahnen es vielleicht schon: Auch hinter diesem Satz steckt eine kluge Marketingstrategie. Studien zeigen: In der Milch ist die Aminosäure Tryptphan enthalten, die eine schlaffördernde Wirkung hat. In ausreichender Dosis macht Milch daher eher müde.

9. Pflanzliche Milch ist gesünder als Kuhmilch

Milchalternativen aus Basis von Soja, Hafer, Mandel oder Kokos werden hierzulande immer beliebter. Viele Menschen greifen mittlerweile regelmäßig zu den pflanzlichen Produkten. Doch sind Milchersatzprodukte tatsächlich besser als herkömmliche Milch? Fakt ist: Für Menschen, die unter einer Laktoseintoleranz leiden, macht der Verzehr von Milchalternative oder laktosefreier Milch durchaus Sinn. Einen gesundheitlichen Vorteil für Menschen ohne Unverträglichkeit oder Allergie scheinen Sojamilch und Co. allerdings nicht zu haben.

10. Milch macht Medikamente unwirksam

Manche Medikamente vertragen sich nicht mit Milch und sollten daher nicht zusammen verzehrt werden. Doch warum ist das so und macht Milch die Arzneimittel tatsächlich unwirksam? In der Milch befindet sich besonders viel Kalzium, welches sich mit den Wirkstoffen von Arzneimittel verbinden kann. Nehmen Sie also Medikamente in Kombination mit Milch ein, bilden sich Verbindungen zwischen den Inhaltsstoffen der Arzneimittel und dem Kalzium. Diese können vom Körper nicht mehr aufgenommen werden und verlieren damit ihre Wirkung. Das Problem ist also nicht die Milch, sondern vielmehr das darin enthaltene Kalzium. Auch andere kalziumreiche Lebensmittel können daher eine ähnliche Wirkung haben. Bekannt ist der Effekt bei der Einnahme von Fluor, Osteoporose-Medikamenten und Antibiotika. Nehmen Sie Medikamente am besten mit einem Glas Wasser zu sich.

11. Milch verursacht Akne

Viele Teenager leiden unter schlechter Haut und Akne. Schuld daran könnte der Verzehr von Milchprodukten sein. So konnte in verschiedenen Studien gezeigt werden, dass Jugendliche, die viel Milch trinken, häufiger unter Hautproblemen leiden als Gleichaltrige, die nur wenig oder keine Milch zu sich nehmen. Auch Hautärzte raten daher mittlerweile von einem hohen Milchkonsum ab. Forscher vermuten, dass Hormone und andere Inhaltsstoffe in der Milch die Auslöser für Akne sind. Im menschlichen Organismus sorgen sie dafür, dass die Hautfollikel vermehrt Talg produzieren und so die Poren verstopfen.

Fazit: Milch ist nicht schädlich aber auch nicht unbedingt gesundheitsfördernd

Wer sich mit dem Thema Milch auseinandersetzt, merkt schnell: Eine eindeutige Antwort darauf, ob Milch gesund ist oder nicht, gibt es nicht. Doch warum widersprechen sich die Studien so grundsätzlich? Grund dafür ist zum einen, dass Ernährungsstudien in der Regel nur sehr schwer durchzuführen sind. Viele Faktoren beeinflussen unsere Ernährung und damit unsere Gesundheit. Zudem lassen sich die einzelnen Komponenten nur schwer in kontrollierten Studien überwachen, sodass immer auch andere Einflüsse eine Rolle spielen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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