Ein Glas mit Kokosmilch steht neben einer aufgeschlagenen Kokosnuss (Symbolbild).
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Kokos-Produkte eignen sich gut als Milch-, Butter- und Sahneersatz bei Laktoseintoleranz oder Milcheiweißallergie. Doch sind sie auch gesund? (Symbolbild)

Milch-Alternativen im Test

Produkte aus Kokos: Gesunder Milch-Ersatz bei Laktoseintoleranz und Milcheiweißallergie?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Kokos-Produkte eignen sich bei Unverträglichkeiten und Allergien als Milchersatz. Sie können aber auch Schadstoffe enthalten, weshalb sie laut Öko-Test nur eingeschränkt zu empfehlen sind.

Berlin – Kokos-Produkte sind im besten Fall ein reines Naturprodukt und eignen sich als Milch-, Butter- oder Sahneersatz für Verbraucher mit Laktoseintoleranz oder einer Milcheiweißallergie. Doch sind die häufig als „Superfood“ gelobten und veganen Kokosprodukte auch gesund? Untersuchungen von Öko-Test haben in der Vergangenheit bereits Schadstoffbelastungen nachgewiesen. Und auch wegen ihres hohen Kaloriengehalts sind Kokosprodukte nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Kokos-Produkte als gesunde Alternative zu Milch: Öko-Test findet künstliche Emulgatoren in Kokosmilch

Zur Herstellung von Kokosmilch wird frisches Kokosfleisch gepresst und mit Wasser vermengt. Die dickflüssige Milch eignet sich gut als veganer und laktose- sowie milcheiweißfreier Sahneersatz in Currys, Suppen und Desserts. Sie ist im Handel in Dosen erhältlich und relativ fettreich. Zwar enthält sie weniger Kalorien als Sahne, deutlich gesünder ist sie aber nicht. (Laktoseintoleranz und Milcheiweißallergie: Vorsicht, diese Nahrungsmittel beinhalten Milch)

Eine Untersuchung von Öko-Test im Februar 2020 ergab zudem, dass einige Produkte künstliche Emulgatoren (Polysorbat) und das Verdickungsmittel Carboxymethylcellulose (CMC) enthalten. Ergebnissen von Tierstudien zufolge können diese in höheren Dosierungen die Darmflora schädigen. Ernährungsmediziner raten deshalb, bei Darmbeschwerden auf die Zusatzstoffe möglichst zu verzichten. Die Verbraucherschützer zweifeln außerdem den Nutzen dieser Stoffe an. Zwar setzen sich die festen, fetthaltigen Bestandteile der Kokosmilch mit der Zeit als weiße Masse am Boden der Dose ab. Durch Schütteln lassen sich die festen und flüssigen Bestandteile aber schnell wieder vermischen. Die Stoffe steckten in Kokosmilch von Edeka und dem Hersteller Bamboo Garden. Dieser reagierte auf den Test und hat den bedenklichen Stoff mittlerweile als Zutat aus der Kokosmilch genommen.

Kokos-Produkte: Superfood Kokosöl?

Auch Kokosöl wird oft als gesundes „Superfood“ beworben. Natives Kokosöl wird aus frischem Fruchtfleisch der Kokosnuss gepresst und nicht weiter behandelt, weshalb es deutlich nach Kokos schmeckt und riecht. Je nach Umgebungstemperatur ist das Fett entweder fest oder flüssig. Mit Hitze behandeltes Kokosöl wird hingegen aus getrocknetem Fruchtfleisch gewonnen und anschließend thermisch behandelt, wodurch Geruch und Geschmack verloren gehen. Dafür hält es hohen Temperaturen beim Braten stand. (Gesund oder Geldverschwendung? Für wen laktosefreie Lebensmittel sinnvoll sind)

Immer wieder heißt es, Kokosöl wirke sich positiv auf die Gesundheit aus – etwa indem es die Bluttfettwerte senke und bei der Gewichtsreduktion helfe. Dafür gibt es bisher aber keine wissenschaftlichen Belege, warnt die Verbraucherzentrale. Zudem enthält Kokosöl viele gesättigte Fettsäuren (bis zu 90 Prozent). Gesünder sind ungesättigte Fettsäuren. Die Verbraucherschützen empfehlen deshalb, Kokosöl in Maßen als Geschmacksträger in Gerichten zu verwenden. Die Auslobung als „Wundermittel“ oder „Superfood“ ist dagegen zu hinterfragen.

Kokos-Produkte: Mineralöl-Belastungen bei Kokosöl im Öko-Test

Zurückhaltend sollten Verbraucher beim Einsatz von Kokosöl auch wegen möglicher Schadstoffbelastungen sein. So wiesen die Tester von Öko-Test in vier von zehn getesteten Kokosölen stark Belastungen mit den Mineralölbestandteilen MOSH und MOAH nach, die sich im menschlichen Körper anreichern können. MOAH stehen sogar im Verdacht, krebserregend zu wirken. Vermutlich gelangen die Stoffe bei der Produktion über Plastikschläuche, Abgase oder Reifenabrieb ins Kokosfett. (Ersatzprodukte bei Laktoseintoleranz und Milcheiweißallergie: Wie gesund ist Soja?)

Bereits seit längerem fordert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass MOAH nicht in Lebensmitteln enthalten sein dürfen. Gesetzliche Grenzwerte existieren bisher nicht.

Kokos-Produkte: Worauf sollten Verbraucher beim Kauf achten?

Kokosnüsse wachsen in tropischen Gebieten wie Indien, Indonesien, Sri Lanka, den Philippinen und Thailand sowie in Südamerika und Teilen Afrikas. Damit legen Kokosnüsse einen weiten Transportweg zurück. Zudem sind die Arbeitsbedingungen der Kleinbauern auf Kokosplantagen nicht unbedingt fair. Verbraucher sollten beim Kauf von Kokos-Produkten deshalb auf folgendes achten:

  • Achten Sie auf einen bewussten Konsum, ersetzen Sie Kokosöl bspw. öfter durch heimischen Raps- oder Sonnenblumenöl
  • Kokos-Produkte aus biologischem Anbau, bei dem die Palmen z.B. nicht mit Pflanzenschutzmittel behandelt werden dürfen
  • Achten Sie wenn möglich auf Kokos-Produkte aus Mischkulturen, bei denen zwischen den Kokospalmen andere tropische Pflanzen wachsen
  • Orientierung bieten das Bio-Siegel der EG-Öko-Verordnung und Fairtrade-Siegel

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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