Für Betroffene sind spezielle lactosefreie Produkte nur dann sinnvoll, wenn sie ursprünglich viel Lactose enthalten. Dazu gehört zum Beispiel Milch. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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Schon kleine Mengen Milch können bei Menschen mit einer Laktoseintoleranz für Beschwerden sorgen (Symbolbild).

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Laktoseintoleranz: Symptome, Test, Behandlung – das müssen Sie zur Unverträglichkeit wissen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Wer unter einer Laktoseintoleranz leidet, kann Milch nicht gut verdauen. Unangenehme Beschwerden sind die Folge. Erfahren Sie alles über Ursachen, Symptome und Behandlung der Nahrungsmittelunverträglichkeit.

  • Bei einer Laktoseintoleranz kann der Körper, den in Milch enthaltenen Milchzucker, nicht verdauen.
  • Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen gehören zu den typischen Beschwerden.
  • Vermuten Sie eine Laktoseintoleranz, stehen dem Arzt verschiedene Diagnoseverfahren zur Verfügung.

Bonn – Menschen mit Laktoseintoleranz, auch Milchzuckerunverträglichkeit genannt, vertragen Milchprodukte gar nicht oder nur in kleinen Mengen. Trinken oder essen sie Milch, Joghurt und Käse, sind Verdauungsprobleme die Folge. Blähungen, Bauchkrämpfe und Durchfall gehören dabei zu den häufigsten Symptomen. Grund für die Beschwerden ist ein fehlendes Enzym, das Bestandteile der Milch nicht verwerten kann.

Doch für Käseliebhaber gibt es gute Nachrichten: Sie müssen nicht ihr Leben lang auf alle Milchprodukte verzichten. Wer hin und wieder ein Stück Pizza essen möchte, kann auf spezielle Tabletten zurückgreifen. Wie sich eine Laktoseintoleranz entwickelt, welche Symptome bei der Unverträglichkeit auftreten und was Sie dagegen tun können.

Laktoseintoleranz: Ursachen und Auslöser - das passiert im Körper

Wer unter einer Laktoseintoleranz leidet, kann Laktose, auch Milchzucker genannt, nicht verdauen. Laktose ist ein Zweifachzucker und besteht aus Glukose und Galaktose. Doch um den Zucker verwerten zu können, muss der Körper ihn zunächst zerlegen. Gesunde Menschen können Milchzucker im Dünndarm durch das körpereigene Enzym Laktase aufspalten und ihn so über das Blut aufnehmen. Dieses Enzym fehlt Menschen mit Laktoseintoleranz. Sie können Laktose nicht zerlegen und aufnehmen. Bei ihnen wandert der Milchzucker unverdaut vom Dünndarm weiter in den Dickdarm, wo Bakterien die Laktose dann verarbeiten. Bei diesem Prozess entstehen Gase, die zu Blähungen, Krämpfen und Durchfall führen.

Verschiedene Formen der Laktoseintoleranz: Weltweite Verbreitung

Bei den meisten Erwachsenen produziert der Körper nur noch wenig Laktase - etwa 75 Prozent der Weltbevölkerung können Milchzucker nur schwer oder gar nicht verdauen. Viele Menschen, die in asiatischen und afrikanischen Ländern leben – und bei denen Milch traditionell nicht täglich auf dem Speiseplan steht – gelten als laktoseintolerant. Verglichen damit, ist die Unverträglichkeit in Deutschland deutlich seltener verbreitet. Hier sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Wie viel Milchzucker der menschliche Körper verträgt, ist daher nicht nur individuell verschieden, sondern hängt auch von den Genen ab. Bei der angeborenen (primäre) Form der Laktoseintoleranz ist die Unverträglichkeit genetisch bedingt. Produziert der Dünndarm von Säuglingen Laktase noch ganz natürlich, um Milchzucker aus der Muttermilch zu verdauen, verliert er diese Fähigkeit mit dem Abstillen. So verringert sich die Aktivität des Enzyms nach und nach bei der Umstellung auf feste Nahrung. Nur einer genetischen Mutation ist es zu verdanken, dass wir heutzutage in mittel- und nordeuropäischen Ländern auch als Erwachsene noch, Milch ohne Probleme zu uns nehmen können.

Sekundäre Laktoseintoleranz: Folge einer Erkrankung

Die sekundäre (erworbene) Laktoseintoleranz ist deutlich seltener. Bei dieser Form der Laktoseunverträglichkeit wird ein Laktasemangel durch andere Erkrankungen verursacht. Chronische Krankheiten, wie Morbus-Crohn, Colitis Ulcerosa und Zöliakie, Darmentzündungen oder eine Darmoperation können zu Verletzungen der Darmschleimhaut führen. Schädigen sie den Darm so sehr, dass die Aufnahme von Nährstoffen nur noch eingeschränkt möglich ist, sind die Folgen schwerwiegend. So können starke Durchfälle unbehandelt langfristig zu Mangelerscheinungen und ungewolltem Gewichtsverlust führen.

Laktoseintoleranz: Symptome und Anzeichen

Da die Ursachen für eine Laktoseintoleranz im Darm liegen, betreffen auch die meisten Symptome den Magen-Darm-Trakt. Wie stark die Beschwerden ausgeprägt sind, ist jedoch individuell unterschiedlich. So treten bei manchen Patienten schon wenige Minuten nach dem Essen Verdauungsprobleme auf, bei anderen kann es bis zu einigen Stunden dauern. Diese Unterschiede hängen vor allem mit der verzehrten Menge Milchzucker, aber auch mit dem Laktase-Level im Darm zusammen.

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Die häufigsten Beschwerden bei einer Laktoseintoleranz sind:

Selten treten bei einer Laktoseintoleranz auch Symptome auf, die nicht die Verdauungsorgane betreffen. Zu den unspezifischen Beschwerden gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Herzklopfen
  • Konzentrationsstörungen
  • Müdigkeit
  • Schweißausbrüche
  • Schlafstörungen

Diagnose Laktoseintoleranz: Ein Ernährungstagebuch kann helfen

Vermuten Sie eine Laktoseintoleranz, sollten Sie zunächst ihre Essgewohnheiten unter die Lupe nehmen. Wann treten die Symptome auf? Was passiert, wenn Sie auf Milchzucker verzichten? Mithilfe eines Ernährungstagebuchs lässt sich leichter eingrenzen, welche Lebensmittel zu Verdauungsproblemen führen. Versuchen Sie dazu etwa zwei Wochen lang Milchzucker möglichst von Ihrem Speiseplan zu streichen. Danach integrieren Sie Schritt für Schritt Produkte aus Milch. Treten nach dem Essen von Milch und Milchprodukten immer wieder Beschwerden auf, lohnt sich der Gang zum Arzt.

Laktoseintoleranz: So stellt der Arzt die Diagnose

Ein Facharzt für Magen- und Darmerkrankungen, auch Gastroenterologe genannt, kann mithilfe verschiedener Tests feststellen, ob eine Nahrungsmittelunverträglichkeit für die Symptome verantwortlich ist. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

  1. H2-Atemtest: Eine Laktoseintoleranz lässt sich mithilfe eines Wasserstoff- oder H2-Atemtest feststellen. Bei diesem Test misst der Arzt den Wasserstoffgehalt in der ausgeatmeten Luft, nachdem der Patient eine Lösung mit zugesetztem Milchzucker getrunken hat. Bei der Verdauung von Laktose entstehen Gase, die über das Blut in die Lungen und von dort in die Atemluft gelangen. Liegt einer Unverträglichkeit vor, ist dieser Wert erhöht.
  2. Laktosetoleranz-Test: Bei einem Laktosetoleranz-Test trinken Patienten eine Lösung mit Milchzucker. Davor und danach bestimmt der Arzt den Blutzuckerwert. Normalerweise spaltet der Dünndarm Milchzucker in Glukose und Galaktose, die dann in das Blut übergehen und dort gemessen werden können. Steigt der Blutzuckerspiegel nach dem Konsum von Milchzucker nicht an, ist das ein Zeichen dafür, dass der Körper Laktose nicht verwertet.
  3. Gentest: Besteht der Verdacht auf eine erblich bedingte Milchzuckerunverträglichkeit, kann eine Gewebeprobe Sicherheit geben. Dazu macht der Arzt einen Abstrich der Wangenschleimhaut, die im Labor auf mögliche Mutationen untersucht wird. Eine andere Möglichkeit ist, die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm, um die Aktivität des Laktase-Enzyms zu bestimmen. Beide Tests kommen allerdings nicht bei einer sekundären (erworbenen) Laktoseintoleranz infrage.

Laktoseintoleranz: Behandlung

Laktose kommt natürlich in Milch und Milchprodukten vor, aber auch eine Vielzahl an verarbeiteten Lebensmitteln enthalten Milchzucker. Wer unter einer Milchzuckerunverträglichkeit leidet, sollte seine Ernährung entsprechend anpassen und Nahrungsmittel mit Laktose möglichst meiden. Wie bekömmlich Milchprodukte sind, ist jedoch individuell unterschiedlich. Abhängig vom Laktosegehalt der Lebensmittel und wie viel Laktase der Darm noch produziert, werden manche Produkte besser vertragen als andere.

Laktosefreie Ernährung: Das müssen Sie beachten

Laktosereiche Lebensmittel sollten nicht oder nur in kleinen Mengen gegessen werden. Doch wie hoch der Laktosegehalt eines Nahrungsmittels ist, hängt stark vom Verarbeitungsgrad ab. Heutzutage wird Milch immer stärker verarbeitet – bei diesem Prozess sinkt der Milchzuckeranteil. So beinhaltet Muttermilch am meisten Laktose mit sieben Gramm pro 100 Milliliter. Trinkmilch liegt mit einem Wert von etwa 5 Gramm auf 100 Milliliter etwas darunter.

Ebenfalls ist der Milchzuckergehalt abhängig von der Produktart und dem Reifeprozess. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) besitzen beispielsweise Buttermilch, Molke, Kefir, Sahne, Crème Fraîche, Hüttenkäse, Frischkäse, Joghurt und Quark besitzen deutlich mehr Milchzucker, als Butter und Schnittkäse, die weniger als drei Gramm pro 100 Gramm beinhalten. Parmesan und Hartkäse reifen über lange Zeit und besitzen daher einen eher niedrigen Laktosegehalt.

Laktoseintoleranz: Diese Lebensmittel können Sie essen– und diese sollten Sie vermeiden

Nur bedingt verträglich sind Produkte mit etwa 1 bis 5 Gramm Laktose pro 100 Gramm:

  • Buttermilch
  • Joghurt
  • Hüttenkäse
  • Sahne
  • Sauerrahm
  • Mascarpone
  • Nuss-Nougat-Aufstrich

Zu den Lebensmitteln, die mit etwa 5 Gramm Milchzucker pro 100 Gramm einen hohen Gehalt an Laktose haben, gehören:

  • Milch
  • Kondensmilch
  • Magermilch- und Molkepulver
  • Schmelzkäse
  • Milcheis
  • Milchschokolade

Wie unterschiedlich der Laktosegehalt verschiedener Lebensmittel ist, zeigt die folgende Übersicht des Instituts der Ernährungsmedizin der Technischen Universität München (PDF):

LebensmittelGramm Laktose pro 100 Gramm des Lebensmittels
Kuh- und Schafsmilch4,4 bis 4,8
Buttermilch4
Joghurt3,2
Dickmilch, Kefir4
Kondensmilch, 7,5 % Fett9,3
Kaffeesahne, 10 % Fett4,1
Sahne, 30 % Fett3,3
Sauerrahm3,0
Butter0,6
Speisequark2,7
Hüttenkäse3,3
Frischkäse3
Schmelzkäse4,1
Schnitt-, Weich- und Hartkäseweniger als 1
Ziegen- und Schafskäseweniger als 1
Speiseeis5 bis 7

Laktose: Nicht nur in Milchprodukten enthalten

Wer unter einer Laktoseintoleranz leidet, muss nicht nur bei Milchprodukten aufpassen. Backwaren, Wurst, Fertiggerichte, Gemüsekonserven, Brotaufstrich und Müsli - viele Lebensmittel, bei denen man es nicht vermuten würde, enthalten ebenfalls Milchzucker. Ein Blick auf die Zutatenliste lohnt sich daher bei vielen verarbeiteten Nahrungsmitteln.

Laktose versteckt sich auch hinter Begriffen, wie:

  • Vollmilchpulver
  • Magermilchpulver
  • Sahnepulver
  • Laktosemonohydrat
  • Molke
  • Süßmolke
  • Trockenmilch
  • Kefir
  • E966
  • Lactitol
  • Laktit
  • Kasein
  • Schokoladenzubereitung

Laktoseintoleranz: Sind laktosefreie Produkte und Tabletten eine Alternative?

In den letzten Jahren ist die Auswahl laktosefreier Produkte in den Supermärkten enorm gestiegen. Die Bezeichnung „laktosefrei“ erhalten Lebensmittel, die pro 100 Gramm maximal 0,1 Gramm Laktose besitzen. Diese Menge ist auch für Menschen mit Laktoseintoleranz noch bekömmlich. Doch nicht immer ist der Verzehr sinnvoll – denn viele Produkte sind meist stark verarbeitet und überteuert.

Doch es gibt auch gute Nachrichten für Betroffene: Wem es schwer fällt, ganz auf Milchprodukte zu verzichten, dem können Laktase-Tabletten helfen. Ist das Stück Pizza zu verlockend, ersetzen die Medikamente das fehlende Enzym und helfen dem Körper bei der Verdauung.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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