Eine Kuh schaut über einen Weidezaun (Symbolbild).
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Ist A2-Milch wirklich besser verträglich aus herkömmliche Milch? (Symbolbild).

Ernährung bei Unverträglichkeiten

Laktoseintoleranz und Ur-Milch: Wie verträglich ist A2-Milch?

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Wer unter einer Laktoseintoleranz leidet, muss auf Milch und auf Milchprodukte meist komplett verzichten. A2-Milch soll jedoch aufgrund bestimmter Eiweiße besser verträglich sein. Wissenschaftlich bewiesen ist das bisher allerdings noch nicht.

Freising – Während der Trend ursprünglich aus Australien und Neuseeland stammt, ist A2-Milch mittlerweile auch in europäischen Ländern wie der Schweiz und Deutschland erhältlich. Die sogenannte „Ur-Milch“ soll gesünder sein als herkömmliche Milch. Auch Menschen, die an einer Laktoseunverträglichkeit oder Milcheiweißallergie leiden, vertragen die Milch angeblich besser. Doch was ist dran am Mythos um die A2-Milch?

A2-Milch bei Laktoseintoleranz: Wie verträglich ist die Ur-Milch?

Der Unterschied zwischen A1- und A2-Milch scheint zunächst verschwindend klein, liegt er doch nur in einer abweichenden Anreihung einzelner Aminosäuren im Milcheiweiß Beta-Kasein. Während in herkömmlicher Milch, auch A1-Milch genannt, an einer bestimmten Stelle die Aminosäure Histidin zu finden ist, sitzt dort bei A2-Milch die Aminosäure Prolin. Trotzdem wird diesem kleinen Unterschied eine enorme Wirkung zugesprochen. So steht der Verzehr von A1-Milch mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Autismus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang.

A2-Milch bei Laktoseintoleranz: Keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise

Ob die Ur-Milch tatsächlich gesünder als herkömmliche Milch ist, lässt sich bisher nicht mit Sicherheit sagen. Denn obwohl die teure A2-Milch als gesundheitsfördernd und bekömmlicher beworben wird, fehlen dazu verlässliche Studienergebnisse. Auch eine groß angelegte Übersichtsarbeit des Instituts für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum Freiburg in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum für Ernährung (Kern) in Freising konnte weder einen positiven Effekt der A2-Milch nachweisen, noch einen Vorteil gegenüber herkömmlicher A1-Milch feststellen.

Auch ein Zusammenhang mit Laktoseintoleranz ist zurzeit nicht ersichtlich. Denn der Laktosegehalt in A1- und A2-Milch unterscheidet sich nicht. Möglicherweise vertragen einige Menschen jedoch das Peptid nicht, das bei der Verdauung von herkömmlicher Milch entsteht. Es kann also sein, dass sie gar nicht auf die Laktose in der Milch reagieren, sondern nur auf das A1-Milcheiweiß.

A2-Milch bei Laktoseintoleranz: Unterschiedliche Gene

Nicht jede Kuh produziert A2-Milch. Bereits in den Genen ist festgelegt, ob ein Tier Milch mit der Milcheiweißstruktur A1 Beta-Kasein oder A2 Beta-Kasein gibt. Je nach Rasse und Züchtung enthält die Milch daher überwiegend die Variante A1, ein Gemisch aus A1/A2 oder die Variante A2.

Da Forscher davon ausgehen, dass A2-Milch ursprünglich die vorherrschende Eiweißstruktur war, wird sie als A2-Milch bezeichnet. Erst durch eine Genmutation scheint sich unter europäischen Kuh-Rassen die A1-Variante verbreitet zu haben. Die meisten Kühe in Europa und Amerika produzieren daher eine Mischung aus A1- und A2-Kasein. Laut dem Max-Rubner-Institut geben vor allem Jersey-Rinder und Kühe der Rassen Brown Swiss und Guernsey A2-Milch. Zudem ist die A2-Aminosäure Prolin nicht nur in der Milch von Kühen vorhanden, auch Milch von anderen Tieren wie Ziegen oder Schafen enthält die Aminosäure.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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