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Histamin, Laktose oder Gluten: Das müssen Sie über die häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten wissen

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Von: Jasmin Pospiech

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Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten müssen streng auf ihre Ernährung achten, sonst drohen Verdauungsbeschwerden und allgemeines Unwohlsein.

Bonn – Experten schätzen, dass in Deutschland etwa ein bis zwei Prozent aller Menschen an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden. Die Einschätzung der Bevölkerung liegt dabei wesentlich höher: Je nach Befragung geben zwischen zehn und 20 Prozent an, dass sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen.

Die Gründe dafür können vielfältig sein. Ob es sich um eine echte Nahrungsmittelintoleranz, eine Allergie oder etwas anderes handelt, ist dabei ohne Test beim Arzt nicht eindeutig zu bestimmen.

Nahrungsmittelunverträglichkeit und Lebensmittelallergie: Das sind die Unterschiede

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Lebensmittelallergien häufig synonym verwendet. Tatsächlich gibt es aber wichtige Unterschiede. Einige Allergie-Symptome sind gleich. Dazu zählen Übelkeit, Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. Menschen mit einer Lebensmittelallergie, zum Beispiel einer Erdnuss- oder Sojaa-Allergie, leiden aber auch häufig unter Juckreiz oder Hautausschlägen, wenn sie etwas Bestimmtes essen, auf das sie allergisch reagieren.

Grundlegend verschieden sind die Ursachen einer Lebensmittelunverträglichkeit und einer Allergie. Bei beiden Varianten tauchen die Symptome zwar nach dem Essen bestimmter Nahrung auf, bei einer Allergie hängt das jedoch mit einer Überreaktion des Immunsystems zusammen.

Die Abwehrzellen haben gelernt, bestimmte Eiweiße als feindlich anzusehen und bekämpfen diese schließlich. Solch falsche Zuordnungen entstehen häufig schon bei Babys.

Pollenallergiker können Lebensmittelunverträglichkeiten aber auch in sogenannte Kreuzreaktionen entwickeln. Sie reagieren dann allergisch auf Eiweiße in der Nahrung, die den Pollen, auf die sie reagieren, ähnlich sind.

Bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit können schließlich Bestandteile der Nahrung im Magen-Darm-Trakt nicht richtig verwertet werden.

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Das sind die häufigsten Ursachen

Nahrungsmittelunverträglichkeiten entstehen häufig dadurch, dass den Betroffenen ein bestimmtes Enzym fehlt. So benötigen Menschen das Enzym Laktase, um den Milchzucker Laktose verdauen zu können. Babys verfügen immer über genügend Laktase, um die Muttermilch verwerten zu können. Werden sie älter, stellt der Körper die Produktion des Verdauungsenzyms aber teilweise wieder ein. Diese Menschen sind dann laktoseintolerant.

Histaminintoleranz, Sorbitintoleranz und eine Art der Fruktoseintoleranz gehen ebenfalls auf den Mangel bestimmter Enzyme zurück.

Die Ursache einer Glutenunverträglichkeit ist hingegen kein Enzymmangel. Vielmehr handelt es sich bei dieser Nahrungsmittelunverträglichkeit um eine Reaktion des Immunsystems. Diese unterscheidet sich aber von einer üblichen Lebensmittelallergie, weil sie nur im Darm stattfindet. Wann und warum es zu einer Zöliakie kommt, ist derzeit Gegenstand intensiver Forschungen. Wahrscheinlich beruht Glutenunverträglichkeit auf einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Testen und Ausprobieren für die Diagnose

Die einfachste Art, eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie zu diagnostizieren, ist es, ein Ernährungstagebuch zu führen, wie es der Allergieinformationsdienst anbietet. Darin dokumentieren Betroffene sowohl was sie gegessen haben als auch wann welche Symptome wie stark auftreten. So lassen sich Zusammenhänge schnell feststellen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Wer unter starken Beschwerden leidet, für den ist manchmal eine Eliminationsdiät die richtige Wahl. Dabei werden zuerst (fast) alle Nahrungsmittel vom Speiseplan gestrichen. Nach und nach wird die Auswahl wieder erweitert. So weiß man beim Auftreten erster Beschwerden genau, welches Lebensmittel Schuld ist. Eine Eliminationsdiät eignet sich besonders gut bei unklaren Beschwerden, einem Reizdarm oder um eine Lebensmittelallergie zu identifizieren.

Eine Hand greift nach einem glutenfreien Brot.
Klare Kennzeichnungen machen das Leben für Betroffene mit Unverträglichkeiten leichter. (Symbolbild) © Peter Endig/dpa

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann ein Arzt auch einen Lebensmittelunverträglichkeits-Test durchführen. Gelangen Kohlenhydrate wie Laktose, Fructose oder Sorbit aufgrund eines Enzymmangels in den Dickdarm, entsteht dabei Wasserstoff. Dieser führt zu den gefürchteten Blähungen. Andererseits atmen ihn Betroffene aber auch aus. Genau das kann mit dem H2-Atemtest nachgewiesen werden. Der Atemtest kostet etwa um die 20 Euro. Bei begründetem Verdacht übernimmt die Krankenkasse die Arztkosten.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Überblick

Allen Nahrungsmittelunverträglichkeiten gemein ist, dass die einzige Therapie darin besteht, die auslösenden Lebensmittel zu meiden. Nur so können Betroffene den unangenehmen Symptomen vorbeugen. Vor allem bei einer Glutenunverträglichkeit ist der Verzicht auf den Auslöser Gluten wichtig. Die Reaktion des Körpers auf das Protein zerstört mit der Zeit die Darmwand immer mehr. Sie kann dann auch andere Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen und es kommt langfristig zu Mangelerscheinungen.

Eine Übersicht der wichtigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten und welche Lebensmittel Betroffene meiden sollten:

NahrungsmittelunverträglichkeitEnthalten in:
LaktoseintoleranzMilch, Joghurt, Sahne, Frischkäse, Schokolade
FruktoseintoleranzSüße Obst- und Gemüsesorten, Fruchtsäfte, Smoothies, Marmelade, Haushaltszucker, Süßigkeiten
HistaminintoleranzKäse, eingelegte und konservierte Lebensmittel, Bananen, Tomaten, Hülsenfrüchte, Soja, Sauerkraut, Balsamico, Hefe, Kakao
SorbitintoleranzKern- und Steinobst, zuckerfreie Kaugummis/Bonbons, Backwaren, Eiscreme, Diabetiker-Produkte, zuckerfreie Diät-Produkte
GlutenunverträglichkeitGlutenhaltiges Getreide: Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Grünkern, Emmer, Einkorn, Kamut
LebensmittelallergieLediglich das Lebensmittel, auf das allergisch reagiert wird

Nahrungsmittelunverträglichkeit: Einkaufen leicht gemacht dank Allergenkennzeichnung

Die richtige Lebensmittelauswahl stellt Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeit oft vor eine Herausforderung. Das liegt vor allem daran, dass viele verarbeitete Lebensmittel Allergene enthalten, die man dort oft gar nicht vermuten würde. Seit Dezember 2014 ist in allen Mitgliedsländern der EU die Kennzeichnung von Allergenen in verpackten und unverpackten Lebensmitteln vorgeschrieben.

Kennzeichnungspflichtig sind die sogenannten „allergenen Vierzehn“:

Bei verpackten Lebensmitteln mit Zutatenliste sind die Allergene besonders hervorgehoben, beispielsweise indem sie gefettet oder unterstrichen sind. Nahrung ohne vollständige Angaben zu Inhaltsstoffen müssen mit einem entsprechenden Hinweis gekennzeichnet sein, zum Beispiel „enthält Eier“. Die Kennzeichnungspflicht hilft nicht nur Allergikern, lebensbedrohliche Reaktionen zu vermeiden, auch Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten erleichtert sie die Auswahl verträglicher Produkte erheblich. Manche Hersteller versehen ihre Produkte freiwillig mit Labels wie „laktosefrei“ oder „glutenfrei‘“.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Risikofaktoren 

Wann und warum Lebensmittelallergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten auftreten, ist noch nicht abschließend geklärt. Galt früher noch die Empfehlung, mögliche allergieauslösende Lebensmittel in den ersten Lebensjahren zu meiden, gilt diese mittlerweile als überholt, wie das Bundeszentrum für Ernährung mit Sitz in Bonn bestätigt. Der Grund hierfür: Babys und Kinder entwickeln häufiger Allergie-Symptome durch Lebensmittel als Erwachsene. Diese verschwinden aber häufig auch wieder.

Anders sieht es bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten aus. Hier spielen Genetik und Vererbung eine wichtige Rolle. Leidet ein Elternteil unter einer Lebensmittelunverträglichkeit, hat auch dessen Kind ein größeres Risiko, Symptome zu zeigen. Der Mangel an Enzymen wird häufig vererbt. Gleichzeitig müssen die Symptome nicht zwingend auftreten. Vor allem bei der Glutenunverträglichkeit spielen neben der genetischen Veranlagung zahlreiche weitere Faktoren eine wichtige Rolle.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Verlauf und Prognose

Während Lebensmittelallergien bei Babys und Kindern häufig wieder verschwinden, ist dies bei Erwachsenen nicht der Fall. Diese begleitet die überempfindliche Reaktion ihres Immunsystems oft ein Leben lang. Das gleiche gilt für Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Die durch einen Mangel bestimmter Enzyme entstehenden Symptome sind nicht heilbar. Betroffene müssen daher Zeit ihres Lebens die Lebensmittel, die sie nicht vertragen, meiden.

Eine Ausnahme hiervon stellt die Laktoseintoleranz dar. Forscher haben mittlerweile Tabletten, die das Enzym Laktase enthalten, entwickelt. Diese können Betroffene einnehmen und dann auch Lebensmittel mit der eigentlich verbotenen Laktose genießen. Vergleichbare Lösungen für andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten gibt es bisweilen noch nicht. Aber Vorsicht: Die Einnahme von Laktase hilft nicht, wenn eine Milcheiweißallergie vorliegt. Dieser liegen nämlich andere Ursachen zugrunde als bei einer Laktoseintoleranz.

Sind Sie sich nicht sicher, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Einen Spezialist für Unverträglichkeiten in der Nähe finden Sie zum Beispiel auf der Webseite des Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB).

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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