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Reizdarmsyndrom: Wie sinnvoll sind freiverkäufliche Arzneimittel und Selbsttests?

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine Gliederpuppe steht gekrümmt vor einem Haufen Pillen und Kapseln (Symbolbild).
Werbung für freiverkäufliche Mittel gegen Reizdarmbeschwerden gibt es immer wieder, langfristig helfen können die wenigsten (Symbolbild). © IMAGO / Shotshop

Ein Reizdarm kann Betroffene im Alltag stark einschränken und nicht immer lassen sich Ursache und Auslöser identifizieren. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass Patienten zu allen verfügbaren Mitteln greifen. Doch helfen diese Produkte wirklich?

Berlin – Beim Reizdarmsyndrom ist die Funktion des Darms gestört. In der Folge kommt es zu Bauchschmerzen, Blähungen, Völlegefühl/einem Blähbauch, Durchfall oder Verstopfung. In Deutschland sind schätzungsweise 11 Millionen Menschen betroffen. Die Krankheit ist zwar nicht gefährlich, kann Betroffene im Alltag aber sehr einschränken. Warum der Darm rebelliert, bleibt oft unklar. Einigen Patienten hilft eine Kombination aus Ernährungstherapie, Psychotherapie und Medikamenten. Anderen kann auch der Arzt nicht helfen. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass sie in der Hoffnung auf Besserung zu freiverkäuflichen Mitteln und Selbsttests greifen. Doch halten diese auch, was sie versprechen?

Reizdarmsyndrom: Können Probiotika die Beschwerden lindern?

Ein Reizdarmsyndrom lässt sich entsprechend der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zwar mittlerweile klar diagnostizieren, die Ursachen und Auslöser sind aber noch lange nicht alle bekannt. Experten gehen von einer Kombination aus folgenden Faktoren aus:

Zudem zeigen Studien, dass bestimmte Erkrankungen in der Kindheit, wie Nahrungsmittelallergien, Asthma und Ekzeme, das Risiko, später an einem Reizdarm zu erkranken, erhöhen.

Da viele Faktoren als Ursache für einen Reizdarm infrage kommen, haben Betroffene oft einen langen Behandlungsweg hinter sich. Welche Therapien und Hausmittel helfen, ist dabei individuell verschieden und muss ausprobiert werden. Was dem einen hilft, hat bei anderen gar keine Wirkung. Eine Behandlungsmöglichkeit ist die Einnahme von Probiotika. Denn eine gestörte Darmflora bringt nicht nur die Verdauung durcheinander. Sie kann nach Angaben der Apotheken Umschau auch das psychische Wohlbefinden, das Körpergewicht, das Immunsystem und die Entstehung bestimmter Krankheiten beeinflussen. Darunter, so vermuten Experten, eben auch das Reizdarm-Syndrom. Die Einnahme von Probiotika-Kapseln ist also einen Versuch wert. Eine Studie zur Wirkung von Bifido-Bakterien zeigt, dass sie bei etwa einem Drittel der Probanden mit Reizdarm die Symptome lindern. Allerdings nur für einen Zeitraum von einigen Wochen. Bei anderen Reizdarm-Patienten zeigen sie hingegen gar keine Wirkung oder verstärken die Beschwerden sogar.

Reizdarmsyndrom: Selbsstest meist ohne Nutzen

Immer wieder werben Hersteller für sogenannte Selbsttests, bei denen Reizdarmpatienten eine Stuhlprobe einschicken und analysieren lassen können. Die Ergebnisse sollen, so die Anbieter, über den Zustand der Darmschleimhaut und das Immunsystem informieren – also ob Entzündungen erkennbar oder Auslöser für Verstopfungen und ausreichend Bakterien vorhanden sind.

Die DGVS rät von solchen Selbsttests allerdings ab, wie der NDR berichtet. Sie seien überteuert und sinnlos, da sich aus ihnen keine Hinweise auf spezifische Erkrankungen ableiten ließen. Denn nicht alle Bakterien des Mikrobioms sind im Stuhl nachweisbar. Einige leben zum Beispiel an der Darmwand und sind mit solchen Untersuchungen nicht zu erreichen. Außerdem seien die Ernährungsempfehlungen, die die Hersteller aus den Ergebnissen ableiten, viel zu allgemein. Darüber hinaus würden die Anbieter den Patienten im Anschluss meist eigene Produkte andrehen, die das Gleichgewicht der Darmflora wiederherstellen sollen. Nicht selten handelt es sich dabei um Verbraucherfallen.

Reizdarmsyndrom: Provokationstest bei Facharzt

Wer von einem Reizdarm betroffen ist oder den Verdacht hat, an Reizdarmbeschwerden zu leiden, sollte stattdessen Rat von einem Facharzt einholen. Er kann zunächst andere Erkrankungen als Ursache der Beschwerden ausschießen* und mit Hilfe eines Provokationstests untersuchen, ob bestimmte Nahrungsmittel die Reizdarmbeschwerden verschlimmern. Auch ein Ernährungstagebuch kann helfen, mögliche Lebensmittel als Auslöser zu identifizieren. Ist dies der Fall, sollte die Ernährung zusammen mit einem Ernährungsmediziner oder einer geschulten Ernährungsberatung umgestellt werden, um zu vermeiden, dass es zu einer Mangelernährung kommt. *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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