Eine Gliederpuppe aus Holz sitzt auf einer Toilettenpapier-Rolle und greift sich an den Bauch (Symbolbild).
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Typische Beschwerden beim Reizdarmsyndrom sind anhaltende Bauchschmerzen, Krämpfe und veränderter Stuhl (Symboldbild).

Reizdarm-Beschwerden lindern

Beschwerden bei Reizdarmsyndrom: Welche Hausmittel und Maßnahmen helfen - und welche nicht

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Es gibt viele Empfehlungen zu Hausmitteln und Maßnahmen gegen Reizdarm-Beschwerden. Für einige gibt es wissenschaftliche Hinweise zur Wirksamkeit, für andere ist die Studienlage bisher noch dünn.

Berlin – Behandlungsmöglichkeiten, die Symptome eines Reizdarmsyndroms lindern sollen, gibt es viele. Doch für die meisten fehlen aussagekräftige wissenschaftliche Studien. Das liegt vor allem daran, dass die Ursachen der Erkrankung noch nicht abschließend geklärt sind. Da sich die Symptome außerdem von Patient zu Patient unterscheiden, gibt es kein „Patentrezept“ gegen alle Beschwerden. Meist finden Betroffene im Laufe der Zeit heraus, was ihrem Darm gut tut.

Hausmittel und Maßnahmen gegen Reizdarm-Beschwerden: Seelische und körperliche Entspannung

Die Studienlage zur Wirksamkeit von Yoga und anderen Entspannungstechniken wie autogenem Training, Tai-chi und Qigong ist zwar dünn, trotzdem werden sie in der gemeinsamen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) als körperorientierte Therapie für Reizdarm-Patienten empfohlen.

Vorteile der Entspannungsverfahren sind nach Einschätzung der Experten:

  • Die längerfristige Durchführbarkeit
  • Keine Nebenwirkungen
  • Geringe Kosten
  • Betroffene können gegen ihre Beschwerden „aktiv“ vorgehen, fühlen sich dadurch der Erkrankung nicht „ausgeliefert“

Durch den Wechsel aus körperlichen und geistigen Praktiken hat Yoga eine beruhigende und ausgleichende Wirkung, die auch dem Darm zugute kommt. Denn: die Nervensysteme von Darm und Psyche sind in einem komplexen Zusammenspiel miteinander verbunden. So können Stress und starke Emotionen Einfluss auf die Darmtätigkeit haben und Verdauungsprobleme im Umkehrschluss schlechte Stimmung verursachen.

Hausmittel und Maßnahmen gegen Reizdarm-Beschwerden: Fußreflexzonenmassage

Von einer Fußreflexzonenmassage, die immer wieder empfohlen wird, raten die Experten in der Leitlinie dagegen ab. Zum einen ist die Datenlage schwach, zum anderen fehlt es an Hinweisen auf einen positiven Effekt der Behandlung. Ungünstig ist nach Einschätzung der Mediziner auch, dass Patienten dabei passiv behandelt werden - Studien haben gezeigt, dass aktive Verfahren bei funktionellen Störungen wirksamer sind.

Hausmittel und Maßnahmen gegen Reizdarm-Beschwerden: Pfefferminzöl

Auch Pfefferminzöl soll als Hausmittel Reizdarm-Beschwerden lindern, indem es die Darmmuskulatur entspannt und den Darm beruhigt. Tatsächlich belegen Studien eine (kurzfristige) Wirksamkeit des ätherischen Öls. Dabei wurde Pfefferminzöl in Form von magensaftresistenten Kapseln eingenommen. Allerdings können Nebenwirkungen wie Sodbrennen und Aufstoßen auftreten.

Immer wieder berichten Patienten, dass bestimmte Lebensmittel die Reizdarm-Beschwerden verstärken oder auch lindern können. In diesem Zusammenhang wird meist die FODMAP-Diät empfohlen. Die Abkürzung FODMAP steht für die fermentierbaren Kohlenhydrate Oligosaccaride, Disaccharide, Monosaccharide und Polyole, zu denen unter anderem Fructose, Fruktane, Laktose, Galaktose und Zuckerersatzstoffe wie Sorbit, Xylit und Maltit gehören. FODMAPs werden im Dünndarm schlecht oder gar nicht resorbiert und gelangen nahezu unverändert in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien verstoffwechselt werden. Dabei entstehen Gase wie Methan, Kohlenstoffdioxid und Wasserstoff sowie kurzkettige Fettsäuren, die unangenehme Blähungen, Völlegefühl (Blähbauch) und Bauchschmerzen auslösen können.

Wissenschaftliche Beweise zur Wirkung der FODMAP-Diät gibt es bisher kaum. Ein Ernährungs-Tagebuch kann helfen, individuelle Unverträglichkeiten zu erkennen und herauszufinden, ob eine Ernährungsumstellung als Behandlung sinnvoll ist. Auch verstärkende Faktoren wie Stress kann das Tagebuch aufdecken. Eine Ernährungsumstellung sollte immer von einem Arzt oder einem geschulten Ernährungsberater begleitet werden, damit es nicht zu einer Mangelernährung kommt. (Darmgesundheit: Die besten Tipps für eine gesunde Verdauung)

Hausmittel und Maßnahmen gegen Reizdarm-Beschwerden: FODMAP-Diät: Ballaststoffe

Ballaststoffe sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die hauptsächlich in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten sind. Sie können wasserlöslich oder wasserunlöslich sein.

Patienten mit Reizdarmsyndrom bekommen immer wieder den Rat, mehr Ballaststoffe in ihren Speiseplan zu integrieren. Entscheidend ist dabei allerdings, welche Art von Ballaststoffen verzehrt werden, wie eine Studie aus Utrecht zeigt. Tatsächlich können lösliche Ballaststoffe wie Flohsamen, Inulin und Pektin sowie Schleimstoffe, Pflanzengummis und Gele aus Algen Reizdarm-Beschwerden lindern, indem sie die Stuhlmenge vergrößern und die Verweildauer des Stuhls im Dickdarm verkürzen. Vor allem Patienten, bei denen Verstopfung (Obstipation) als Symptom des Reizdarms auftritt, können von Ballaststoffen profitieren. Es ist aber sinnvoll, die individuelle Verträglichkeit auszutesten, da einige Menschen größere Mengen Ballaststoffe nicht gut vertragen. (Ernährung bei Verstopfung: Diese Nahrungsmittel bringen den Darm in Schwung)

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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