Eine Schale mit Birkenzucker steht umringt von Birkenblättern auf einem Tisch (Symbolbild).
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Hinter dem vermeintlichen Naturprodukt Birkenzucker steckt eigentlich der Zuckeraustauschstoff Xylit (Symbolbild).

Nicht immer natürliches Erzeugnis

Vorsicht bei Reizdarmsyndrom und Sorbitintoleranz: Birkenzucker – nichts anderes als Xylit

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Birkenzucker wird oft als natürliche Alternative zu Haushaltszucker beworben. Mit Birken hat der Zuckeraustauschstoff allerdings oft wenig zu tun. Für Menschen mit einem Reizdarmsyndrom oder einer Sorbitintoleranz kann er sogar zum Problem werden.

  • Hinter dem vermeintlichen Naturprodukt „Birkenzucker" verbirgt sich der Zuckeraustauschstoff Xylit
  • Dieser zählt nach der EU-Zusatzstoffverordnung zu den Zusatzstoffen, die deklariert werden müssen
  • Menschen mit einer Sorbitintoleranz oder einem Reizdarmsyndrom kann Xylit Probleme bereiten

Berlin – Birkenzucker ist im Trend - er gilt als natürliche, kalorienarme und zahnschonende Alternative zu Haushaltszucker. Doch Verbraucher sollten beim Verzehr vorsichtig sein. Denn hinter dem natürlich klingenden Namen verbirgt sich nichts anderes als der Zuckerausstauschstoff Xylit (E 967). Wie die Verbraucherzentrale verweist, ist der Zuckerersatz lebensmittelrechtlich eigentlich ein Zusatzstoff, der bei Menschen mit einer Sorbitintoleranz oder einem Reizdarmsyndrom Verdauungsbeschwerden hervorrufen kann.

Birkenzucker: So wird Xylit gewonnen

Ursprünglich wurde Birkenzucker aus der Rinde finnischer Birken gewonnen. Und auch heute noch suggeriert die Etikettierung vieler Produkte, dass es sich hierbei um ein Naturprodukt aus Birken handelt. Nach Angaben der Verbraucherzentrale wird der verhältnismäßig teure Zuckeraustauschstoff (Kilopreis von 15 bis 20 Euro) mittlerweile jedoch aus preisgünstigen Pflanzenabfällen, wie Stroh, Maiskolbenresten, Rückständen aus der Zuckergewinnung oder Zuckerrohr-Bagasse gewonnen. Die aufwändige industrielle Herstellung erfolgt meist unter dem Einsatz von Schwefelsäure bei Temperaturen von bis zu 200 Grad Celsius oder durch alkalische Extraktionsverfahren mit Natronlauge, bei der Xylose freigesetzt wird. Xylose wird anschließend unter hohem Druck mit einem Katalysator zu Xylit umgesetzt.

Chemisch ist Xylit ein Zuckeralkohol, lebensmittelrechtlich handelt es sich hierbei um einen Zusatzstoff, der unter die EU-Zusatzstoffverordnung fällt und als Zusatzstoff (E 967) in der Zutatenliste gekennzeichnet sein muss. Enthalten Lebensmittel mehr als 10 Prozent des Süßungsmittels müssen sie zudem den Hinweis tragen „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“.

Birkenzucker: In diesen Lebensmitteln steckt Xylit

Aufgrund seines neutralen Geschmacks und seiner antikariogenen Wirkung wird Xylit häufig auch als Süßungsmittel in zuckerfreien Kaugummis und Bonbons eingesetzt. Da er genauso süß wie Haushaltszucker schmeckt, jedoch nur 40 Prozent der Kalorien aufweist und insulinunabhängig im Stoffwechsel verwertet wird, steckt er manchmal auf in Diät- und Diabetikerprodukten. Darüber hinaus kommt Xylit in folgenden Lebensmitteln vor:

  • Tafelsüße Soßen
  • Senf
  • glutenfreie Lebensmittel
  • Nahrungsergänzungsmittel

In einigen Lebensmitteln kommt Xylit auch in geringen Mengen natürlich vor. Dazu zählen viele Gemüsesorten wie Blumenkohl und Obstsorten wie Pflaumen, Erdbeeren und Himbeeren.

Birkenzucker: Vorsicht bei Sorbitintoleranz

Nicht nur die mehrstufigen technischen Verfahren lassen an der „Natürlichkeit“ des Birkenzuckers und seinem Einsatz als Zuckerersatz zweifeln. Bei Menschen mit einer Sorbitintoleranz oder einem Reizdarmsyndrom kann der Zuckeralkohol sogar zu unangenehmen Verdauungsbeschwerden führen.

Da Xylit, ähnlich wie Sorbit, viel Wasser bindet, wird es im Dünndarm nur unvollständig resorbiert und gelangt zu großen Teilen in den Dickdarm. Dort wird es von Bakterien der Darmflora verstoffwechselt. Bei diesem Gährprozess entstehen Gase, wie Kohlendioxid (CO2) und Wasserstoff, die unangenehme Blähungen, Bauchschmerzen, einen Blähbauch (Meteorismus), Übelkeit und Durchfälle verursachen können.

Als kurzkettige Kohlenhydratverbindung zählt Xylit außerdem zu den sogenannten FODMAPs, die laut der Arzneimittelkommission der deutschen Ärtzeschaft (AKDAE) bei einzelnen Patienten mit Reizdarmsyndrom die Beschwerden verstärken können. Bei ihnen könnte eine genetische bedingte Malabsorption des Zucker bestehen, durch die besonders große Mengen Xylit in den Dickdarm gelangen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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