Ein Mann steht im Supermarkt vor einem Kühlregal und prüft die Zutatenliste eines Smoothies (Symbolbild).
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Wenn Sorbit als ein natürlicher Inhaltsstoff von Früchten oder Gemüse in Lebensmittel gelangt, muss es nicht deklariert werden (Symbolbild).

Ernährung bei Sorbitintoleranz

Sorbitintoleranz: 7 Irrtümer über den Zuckeraustauschstoff und die Unverträglichkeit

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Eine Sorbitunverträglichkeit ist relativ häufig. Trotzdem wissen viele Menschen wenig über die Nahrungsmittelintoleranz. Wir haben einige Irrtümer zusammengestellt.

Mönchengladbach – Sorbit ist ein natürlicher Zuckeraustauschstoff, der aus natürlichen Rohstoffen gewonnen wird und häufig in industriell hergestellten Lebensmitteln als Süßungsmittel, Feuchthaltemittel oder Trägerstoff von Aromen eingesetzt wird. Bei einer Sorbitintoleranz (auch: Sorbitmalabsorption) löst der Verzehr von Sorbit unangenehme Verdauungsbeschwerden aus. Doch nicht immer müssen Betroffene sorbithaltige Lebensmittel vollständig meiden.

1. Irrtümer über Sorbit und Sorbitintoleranz: Sorbit ist ungesund

Sorbit ist ein Zuckeraustauschstoff (Zuckeralkohol), der natürlicherweise vor allem in Obst, aber auch in einigen Gemüsesorten vorkommt. Besonders reich an Sorbit sind bestimmte Obstsorten wie Pflaumen, Pfirsiche und Aprikosen sowie Dosenobst und Trockenobst. Da er süß ist, aber deutlich weniger Kalorien als Haushaltszucker hat und bei seiner Verstoffwechselung im Körper kein Insulin benötigt wird, eignet er sich auch als Süßungsmittel für Diabetikerprodukte.

Nur, wer von einer Sorbitintoleranz betroffen ist, sollte Sorbit meiden. Denn bei der Nahrungsmittelunverträglichkeit ist die Aufnahme von Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise gestört, sodass der Zuckeralkohol im Dickdarm von Bakterien der Darmflora verstoffwechselt wird. Bei diesem Gärprozess entstehen Gase wie Methan, Kohlendioxid und Wasserstoff. In der Folge kommt es zu Verdauungsbeschwerden, wie Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Völlegefühl/Blähbauch und Übelkeit.

Da Sorbit und Fructose die gleichen Transporter (Proteine) nutzen, kann Sorbit auch die Aufnahme von Fruchtzucker (Fructose) hemmen, wodurch die Symptome einer Fructoseintoleranz verstärkt werden können. Wer keine Sorbit- oder Fructoseintoleranz hat, kann den Zuckeralkohol jedoch in der Regel ohne Beschwerden genießen. (Gesunde Verdauung: Fünf spannende Fakten über den Darm)

2. Irrtümer über Sorbit und Sorbitintoleranz: Menschen ohne die Unverträglichkeit können so viel Sorbit essen, wie sie möchten

Das ist falsch. Auch bei Menschen ohne Sorbitintoleranz kann Sorbit in großen Mengen Verdauungsbeschwerden verursachen, wie der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) verweist. Denn der Zuckeraustauschstoff wird nur langsam über den Dünndarm aufgenommen. Essen wir zu viel Sorbit auf einmal, kommt es zu einem Wassereinstrom in den Darm und zu Durchfällen. Aus diesem Grund müssen sorbithaltige Lebensmittel immer den Hinweis tragen „kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken“.

3. Irrtümer über Sorbit und Sorbitintoleranz: Sorbit steckt vor allem in Früchten

Der Sorbitgehalt von Obst ist sehr unterschiedlich. Während einige Obstsorten besonders viel Sorbit enthalten (z.B. Pflaumen, Datteln, Äpfel, Trockenobst und eingelegte Früchte) und ihr Verzehr schon bei kleinen Mengen Verdauungsprobleme bereiten kann, enthalten andere Früchte gar kein Sorbit. Beispiele sind Ananas, Bananen, Mandarinen, Orangen, Wassermelone und Johannisbeeren.

Vorsicht ist aber nicht nur bei einigen Obstsorten geboten, auch viele Fertiglebensmittel, süße Getränke, Diät- und Diabetikerprodukte enthalten Sorbit und sind bei Sorbitintoleranz ungeeignet. (Sorbitintoleranz: Diese Lebensmittel sollten Betroffene meiden)

4. Irrtümer über Sorbit und Sorbitintoleranz: Menschen mit Sorbitunverträglichkeit dürfen gar kein Sorbit essen

Auch das stimmt nicht unbedingt. Welche Mengen Sorbit bei einer Unverträglichkeit vertragen werden, ist individuell verschieden. Da eine Sorbitintoleranz keine Nahrungsmittelallergie ist, vertragen Betroffene oft Spuren oder geringe Mengen des Zuckeralkohols. Oft muss Sorbit deshalb nicht vollständig vom Speiseplan gestrichen werden, eine sorbitarme Ernährung reicht in vielen Fällen aus, um Symptomen vorzubeugen.

Diese Aussage stimmt teilweise. Tatsächlich ist bei einer Sorbitintoleranz häufig auch der Verzicht auf andere andere Zuckeraustauschstoffe, wie Mannit E 421, Lactit E 966, Isomalt E 953, Xylit E 967, Maltit E 965, Polyglycitolsirup E 964 und Erythrit E 968 nötig. Andere Süßungsmittel, wie Acesulfam (E 950), Aspartam (E 951), Cyclamat (E 952), Saccharin (E 954) und Stevia sind dagegen in Maßen oft verträglich.

6. Irrtümer über Sorbit und Sorbitintoleranz: Eine Sorbitintoleranz tritt immer in Verbindung mit einer Fructoseintoleranz auf

Tatsächlich sind kombinierte Fructose-Sorbit-Malabsorptionen häufig. Eine Sorbitintoleranz kann aber auch isoliert auftreten. Da Sorbit und Fructose die selben Transportsysteme nutzen, kann die gleichzeitige Aufnahme die Beschwerden verstärken. Aus diesem Grund kann es für die Therapie der Fructoseintoleranz nötig sein, auch auf eine sorbitarme Ernährung zu achten.

7. Irrtümer über Sorbit und Sorbitintoleranz: Sorbit muss in der Zutatenliste aufgeführt sein

Das kommt darauf an: Wird einem Lebensmittel Sorbit künstlich zugesetzt, muss der Zuckeralkohol als „Süßungsmittel Sorbit“ oder „Süßungsmittel E 420“ auf der Verpackung bzw. in der Zutatenliste deklariert sein. Darüber hinaus können nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern auch folgende Nummern auf Abkömmlinge des Sorbits hindeuten:

  • E432 Polyoxyethylen-sorbitan-monolaurat (Polysorbat 20)
  • E433 Polyoxyethylen-sorbitan-monooleat (Polysorbat 80)
  • E434 Polyoxyethylen-sorbitan-monopalmitat (Polysorbat 40)
  • E435 Polyoxyethylen-sorbitan-monostearat (Polysorbat 60)
  • E436 Polyoxyethylen-sorbitan-tristearat (Polysorbat 65)
  • E491 Sorbitanmonostearat
  • E492 Sorbitantristearat
  • E493 Sorbitanmonolaurat
  • E494 Sorbitanmonooleat
  • E495 Sorbitanmonopalmitat

Werden allerdings Nahrungsmittel als Zutaten in Lebensmitteln verarbeitet, die von Natur aus Sorbit enthalten (wie Obst), muss Sorbit nicht auf der Verpackung gekennzeichnet sein.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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