Getrocknete Aprikosen fallen aus einem Glas (Symbolbild).
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Getrocknete Aprikosen enthalten besonders viel Sorbit und sind für Menschen mit einer Sorbitintoleranz ungeeignet (Symbolbild).

Nahrungsmittelunverträglichkeit

Sorbitintoleranz: Alles zu Symptomen, Ursache, Diagnose und Behandlung 

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Bei einer Sorbitintoleranz kann der Zuckeralkohol Sorbit nicht vom Dünndarm aufgenommen werden und gelangt unverdaut in den Dickdarm. Dort führt er zu Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und Übelkeit. Lesen Sie alles zu Symptomen, Ursache und Behandlung der Sorbitintoleranz.

  • Sorbit ist ein Zuckeralkohol, der in vielen natürlichen und verarbeiteten Lebensmitteln vorkommt
  • Bei einer Sorbitintoleranz ist die Aufnahme des Sorbits im Dünndarm ganz oder teilweise gestört
  • Eine Sorbitintoleranz äußert sich durch Verdauungsbeschwerden und kann nur mit einer Ernährungsumstellung behandelt werden

Mönchengladbach – Bei einer Sorbitintoleranz (auch „Sorbitunverträglichkeit“) ist die Verwertung des Zuckeraustauschstoffes Sorbit im Dünndarm ganz oder teilweise gestört. Sorbit (auch Sorbitol, Glucitol) wird aus Glukose gewonnen und kommt in natürlichen Lebensmitteln, wie bestimmten Obstsorten vor. Der Zuckeralkohol Sorbit wird in der Leber zu Fructose umgewandelt und kann ohne Insulin verstoffwechselt werden, weshalb er oft in Nahrungsmitteln für Diabetiker als Süßungsmittel enthalten ist. Darüber hinaus kommt Sorbit in industriell verarbeiteten Lebensmitteln als Feuchthaltemittel und Konservierungsmittel (unter der Bezeichung E 420) vor. Bei einer Sorbitintoleranz reagieren Betroffene auf den Verzehr sorbithaltiger Lebensmittel mit Verdauungsbeschwerden. Oft tritt eine Sorbitintoleranz auch in Verbindung mit anderen Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie einer Fructoseintoleranz oder einer Laktoseintoleranz auf.

Sorbitunverträglichkeit: Das sind die Symptome

Normalerweise wird Sorbit über die Darmwand ins Blut aufgenommen und über die Leber abgebaut. Bei einer Sorbitintoleranz ist die Aufnahme (Resorption) von Sorbit im Dünndarm gestört (Sorbitmalabsorption). Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. In der Folge gelangt der Zuckeraustauschstoff unverdaut in den Dickdarm, wo er unter der Entstehung von blähenden Gasen, wie Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid, von Bakterien der Darmflora verstoffwechselt wird. Es kann zu folgenden Symptomen kommen:

  • Übelkeit und Bauchschmerzen
  • Durchfall
  • Blähungen
  • Blähbauch/Völlegefühl
  • Bauchkrämpfe
  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen, Schwindel
  • Mundgeruch
  • Fettstühle

Die Symptome einer Sorbitintoleranz unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Während einige Betroffene geringe Mengen Sorbit vertragen, können andere den Zuckeralkohol überhaupt nicht verwerten. Dann kommt es schon bei kleinsten Dosen zu starken Beschwerden. In der Regel lassen die Symptome nach, sobald Sorbit vollständig ausgeschieden ist.

Sorbitintoleranz: Fructose-Sorbit-Intoleranz

Wie oft eine Sorbitintoleranz auftritt, ist nicht genau bekannt. Schätzungen gehen von einer weltweiten Häufigkeit von bis zu 12 Prozent aus. Bei einem Großteil der Patienten geht die Sorbitintoleranz auch mit anderen Kohlenhydratunverträglichkeiten wie einer Fructoseintoleranz oder einer Laktoseintoleranz einher, weshalb sich Betroffene in jedem Fall auch auf diese Unverträglichkeiten testen lassen sollten. Vor allem Menschen mit einer hereditären Fructoseintoleranz dürfen kein Sorbit zu sich nehmen, da es bei der Verdauung zu Fructose umgewandelt wird. Die hereditäre Fructoseintoleranz kommt nur selten vor und ist eine angeborene, erblich bedingte Stoffwechselerkrankung. Tritt eine Sorbitintoleranz in Verbindung mit einer Fructoseintoleranz auf, spricht man von einer Fructose-Sorbit-Intoleranz.

Sorbitintoleranz: So stellt der Arzt die Diagnose

Erste Hinweise auf eine Sorbitintoleranz kann ein Symptomtagebuch liefern: Bei Verdacht können Betroffene darin notieren, nach welchen Speisen Verdauungsbeschwerden auftreten. Werden sorbithaltige Nahrungsmittel konsequent gemieden und treten keine weiteren Symptome auf, ist eine Sorbitunverträglichkeit wahrscheinlich. Aufgrund der Ausschlussdiät kann aber noch keine gesicherte Diagnose gestellt werden. Für die Diagnose einer Sorbitintoleranz führt der Arzt einen Wasserstoff-Atemtest (H2-Atemtest) durch. Beim Wasserstoff-Atemtest wird der Wasserstoffgehalt der ausgeatmeten Luft gemessen, der bei der bakteriellen Zersetzung von Sorbit im Dickdarm entsteht. Dazu nimmt der Patient vor dem Test kleine Mengen Sorbit zu sich. Anschließend wird in regelmäßigen Abständen der Wasserstoffgehalt der Atemluft gemessen. Mit Hilfe des Atemtests können auch eine Fructoseintoleranz und eine Laktoseintoleranz festgestellt werden.

Um das Testergebnis nicht zu verfälschen, sollten Betroffene vor der Durchführung des Atemtests einiges beachten: Sie sollten nicht rauchen, mindestens zwölf Stunden nüchtern sein und mindestens drei Tage vor Durchführung der Untersuchung keine blähenden Lebensmittel, wie Hülsenfrüchte zu sich nehmen. Außerdem können Medikamente, wie Antibiotika oder Magensäureblocker das Ergebnis beeinflussen. Auch die Verwendung von Mundwasser kann sich auf das Ergebnis auswirken.

Sorbitintoleranz: Behandlung durch Ernährungsumstellung

Eine Heilung der Sorbitintoleranz im Sinne einer ursächlichen Behandlung ist nicht möglich. Betroffene haben die Unverträglichkeit ein Leben lang. Die einzige Möglichkeit, Symptomen der Sorbitunverträglichkeit vorzubeugen, ist eine Umstellung der Ernährung und der Verzicht bzw. die Einschränkung des Sorbit-Verzehrs. Dies ist jedoch einfacher gesagt als getan: Die Lebensmittelindustrie schätzt Sorbit nicht nur als Zuckeraustauschstoff, sondern auch als Feuchthaltemittel. Es ist daher ein häufig verwendeter Zusatz in Fertigprodukten und wird mit dem Kürzel E 420 deklariert. Bei einer Sorbitintoleranz sollten Betroffene zudem auf andere Zuckeralkohole wie Mannit (E 421), Isomalt (E 953), Maltit (E 965), Lactit (E 966) und Xylit (E 967) verzichten.

Folgende Speisen sollten von Menschen mit Sorbitintoleranz gemieden werden:

  • Fertiggerichte
  • Abgepackte Backwaren (Kuchen, Toast, Brot, etc.)
  • Trockenfrüchte
  • Milchprodukte mit Fruchtanteil
  • Fertige Fleisch- und Fischgerichte
  • Diabetikerprodukte
  • Zuckerfreie Diätprodukte („Light-Produkte“)
  • Mayonnaise, Salatdressings und Saucen
  • Zuckerfreie Kaugummis und Süßigkeiten
  • Schokolade
  • Speiseeis
  • Marmelade

Häufig wird Sorbit auch in sehr geringen Mengen Trockenprodukenten wie Puderzucker, Puddingpulver oder Griespulver zugesetzt, damit diese rieselfähig bleiben. Neben verarbeiteten Lebensmitteln kommt der Zuckeralkohol natürlicherweise in einigen Gemüse- und Obstsorten vor. Vor allem Steinobst sollte von Menschen mit Sorbitintoleranz möglichst gemieden werden. Sorbithaltige Obst- und Gemüsesorten sind:

  • Äpfel, Aprikosen, Birnen, Cranberries, Datteln, Kirschen, Rote Johannissbeeren, Pfirsich, Weintrauben, Zwetschgen/Pflaumen
  • Aubergine, Brokkoli, Fenchel, Grüne Bohnen, Paprika, Rosenkohl, Weißkraut

Besonders problematisch ist der Sorbitgehalt in Trockenobst: Durch das Trocknen werden dem Obst große Mengen Wasser entzogen, während der Sorbitgehalt gleich bleibt. Den höchsten Sorbitgehalt haben Rosinen, getrocknete Aprikosen und getrocknete Pflaumen. Ebenfalls enthalten ist der Zuckeralkohol in Pilzen, Nutella, Fruchtsäften und Alkohol (z.B. Wein und Bier). Ausführliche Lebensmittellisten erhalten Patienten von ihrem behandelnden Arzt.

Sorbitunverträglichkeit: Was Betroffene bei der Ernährungsumstellung beachten sollten

Um eine Mangelernährung zu verhindern, sollte eine Ernährungsumstellung immer von einem Arzt oder einem geschulten Ernährungsberater begleitet werden. Nicht immer müssen sorbithaltige Lebensmittel komplett vom Speiseplan gestrichen werden. In einigen Fällen reicht es auch, den Verzehr sorbithaltiger Nahrungsmittel zu reduzieren. Oft vertragen Menschen mit Sorbitintoleranz kleine Mengen von 10-20 Gramm Sorbit am Tag, gelegentlich auch weniger. Ernährungsberater finden Patienten zum Beispiel über den Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach.

Darüber hinaus sollten Betroffene auf eine leichte, nicht blähende Kost achten. Ballaststoffreiche, blähende Lebensmittel sind beispielsweise viele Hülsenfrüchte und bestimmte Kraut- und Kohlsorten wie Rosenkohl, Weißkohl, Rotkohl. Zudem werden viele Lebensmittel besser vertragen, wenn sie vor dem Verzehr gedünstet werden. In der Regel bessern sich die Beschwerden einer Sorbitintoleranz beim Verzicht auf das Zuckeralkohol schnell.

Sorbitintoleranz: Sorbithaltige Medikamente und Zahnpasta

Manchmal ist Sorbit auch in Tabletten oder anderen Medikamenten als Feuchthaltemittel oder Geschmacksträger enthalten. Darüberhinaus wird Sorbit auch als abführendes Mittel verabreicht, da es in größeren Mengen auch bei gesunden Menschen zu Durchfällen führt. Aufgrund seiner Fähigkeit, Wasser im Darm stark zu binden, kann es osmotische Durchfälle herbeiführen. Eine Sorbitintoleranz sollte deshalb gegenüber dem behandelnden Arzt immer erwähnt werden. Im Zweifelsfall können auch Apotheker Auskunft darüber geben, ob ein bestimmtes Medikament Sorbit enthält oder nicht. Die Wirkung sorbithaltiger Medikamente kann durch auftretende Verdauungsbeschwerden beeinträchtig werden.

Neben Medikamenten enthält auch Zahnpasta häufig große Mengen Sorbit. Als Feuchthaltemittel sorgt es dafür, dass die Zahncreme nicht austrocknet. Da sorbithaltige Zahnpasta in der Regel nicht geschluckt wird, ist sie in den meisten Fällen auch für Menschen mit Sorbitintoleranz verträglich. Wer sehr empfindlich auf Sorbit reagiert, sollte aber sicherheitshalber auf sorbitfreie Zahncreme zurückgreifen.

Sorbitintoleranz: Umgang mit der Unverträglichkeit nach der Diagnose

Nach einigen Wochen sorbitfreier Ernährung sind die akuten Beschwerden in der Regel abgeklungen. Dann können Betroffene mit Sorbitintoleranz mit kleinen Mengen testen, welche sorbithaltigen Lebensmittel sie vertragen und welche zu Unwohlsein führen. Dabei eignet sich eine Liste oder ein Symptomtagebuch. So sind die Informationen auch Monate später noch verfügbar. Die Methode des Austestens ist bei einer Sorbitintoleranz meist wesentlich praktikabler als sturer Verzicht auf alle sorbithaltigen Lebensmittel. Einerseits ist der Zuckeralkohol in geringer Dosis oft gut verträglich, zum Beispiel bei Erdbeeren. Andererseits reagieren Betroffene oft auch empfindlich auf alternative Zuckerersatzstoffe wie Mannit, Isomalt, Maltit oder Xylit.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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