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Schadstoffe in Lebensmitteln: Nicht immer muss eine Nahrungsmittelallergie dahinterstecken

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Von: Laura Knops

Es ist eine grüne Tomate zu sehen (Symbolbild).
Natürliche Pflanzengifte kommen in verschiedenen Lebensmitteln vor - auch in grünen Tomaten (Symbolbild). © imago images / agefotostock

Natürliche Schadstoffe: Pflanzengifte kommen in vielen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Obwohl die Menge dieser Substanzen meist sehr gering ist, können sie auch für den Menschen schädlich sein und unangenehme Beschwerden verursachen.

Berlin – Wer nach dem Essen unter Bauchschmerzen, Verdauungsbeschwerden und einem Blähbauch leidet, denkt schnell, dass er an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder Allergie leidet. Doch nicht immer muss eine Intoleranz für die Symptome verantwortlich sein. In manchen Fällen können auch Giftstoffe in pflanzlichen Lebensmitteln Magen-Darm-Probleme verursachen. So enthalten viele Pflanzen natürliche Gifte, mit denen sie sich vor unliebsamen Schädlingen schützen. Doch keine Angst: Die meisten Substanzen bauen sich beim Kochen von selbst ab.

Natürliche Schadstoffe pflanzlichen Lebensmitteln: Darauf sollten Verbraucher achten

Nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW enthalten einige Pflanzen giftige Stoffe, die auch für den menschlichen Körper schädlich sein können. Natürliche Gifte sind sowohl in Pflanzenbestandteilen wie Aprikosenkernen und Bittermandeln, aber auch in Gemüse wie rohen Bohnen, Kartoffeln und grünen Tomaten zu finden.

1. Giftstoffe in Lebensmitteln: Blausäure in Aprikosenkernen und Bittermandeln

Bittermandeln und Aprikosenkerne sollten Verbraucher nur in Maßen essen. Denn die Kerne enthalten hohe Mengen an Blausäure (Amygdalin). Blausäure gibt den Lebensmitteln ihren bitteren Geschmack. Dieser soll die Pflanzen ursprünglich vor Fraßfeinde wie Insekten oder Tieren schützen. Doch auch der menschliche Körper reagiert auf das Gift. Nimmt man über die Nahrung Blausäure zu sich, können daher Symptome wie Übelkeit, Schwindel, Erbrechen und Atemnot eintreten.

Schon geringe Konzentrationen des Giftstoffs können schwerwiegende Folgen haben und sogar tödlich enden. So reichen fünf bis sieben rohe bittere Mandeln aus, um ein Kleinkind zu vergiften. Bei Erwachsenen sind es dagegen 50 bis 60 Stück. Die in Backwaren enthaltenen Bittermandeln sind dagegen unbedenklich. Einerseits sind die verwendeten Mengen in der Regel zu niedrig, um Beschwerden zu verursachen, andererseits verflüchtigt sich das Gift beim Erhitzen weitgehend. Das gleiche gilt auch für die in Gemüsebohnen und Gartenerbsen enthaltene Blausäure.

2. Giftstoffe in Lebensmitteln: Mangold, rote Beete und Rhabarber enthalten Oxalsäure

Auch Nahrungsmittel wie Rhabarber, Spinat, Mangold, rote Beete, Süßkartoffeln, Bambussprossen und roher Kakao enthalten natürliche Schadstoffe wie Oxalsäure. Doch obwohl Oxalsäure in jedem Gemüse und Obst vorkommt, ist sie selten gefährlich. Denn nur wenige Nahrungsmittel enthalten schädliche Konzentrationen der Substanz. Typische Symptome sind das Stumpfwerden der Zähne und ein unangenehm pelziges Mundgefühl.

Nimmt man Oxalsäure über einen längeren Zeitraum in hoher Menge zu sich, kann es zu einem gestörten Kalziumstoffwechsel kommen. Mögliche Folgen sind Nierensteine und Schädigungen der Niere. Besonders Menschen, die unter einer Nierenkrankheit leiden, sollten daher auf oxalsäurehaltige Lebensmittel verzichten. Aber auch Kinder und Jugendliche sowie Stillende und Schwangere sollten Nahrungsmittel mit Oxalsäure nur in Maßen essen.

3. Giftstoffe in Lebensmitteln: Drogen in Mohnsamen?

Bei Atemwegsbeschwerden, Bewusstlosigkeit und Atemstillstand muss nicht zwangsläufig eine allergische Reaktion dahinterstecken, in seltenen Fällen können die Symptome auch auf eine Vergiftung hindeuten. So kann eine hohe Aufnahme von dem in Mohn enthaltenen Opiat Morphin im schlimmsten Fall zu ähnlichen Beschwerden führen. Schon lange ist bekannt, dass in Speisemohn immer wieder erhöhte Morphingehalte nachzuweisen sind. Mohnsamen werden vor allem bei der Herstellung von Backwaren und Speiseöl verwendet. Doch bereits bei kleinen Verzehrmengen wird laut der Verbraucherzentrale NRW häufig die niedrigste therapeutische Einzeldosis für die orale Einnahme von Mohn erreicht.

Wie bei anderen Giftstoffen wirkt sich Wärme auch auf den Morphingehalt in Lebensmitteln positiv aus. So nehmen die Opiate beim Backen deutlich ab - in Mohnbrötchen und Kuchen sind die Schadstoffe daher kaum noch enthalten. Auch Abspülen mit heißem Wasser entfernt das Morphin weitgehend. Trotzdem raten Verbraucherschützer Schwangeren vom Verzehr ab.

4. Giftstoffe in Lebensmitteln: Vorsicht bei grünen Kartoffeln und Tomaten

Während unreifes Obst in der Regel ohne Bedenken verzehrt werden kann, sollte man von unreifem Gemüse besser die Finger lassen. Denn insbesondere in grünen Tomaten und ungünstig gelagerten Kartoffeln können sich gesundheitsschädigende Alkaloide wie Solanin anreichern. In hohen Mengen führt Solanin zu Kratzen und Brennen im Hals, das Betroffene schnell mit den typischen Beschwerden einer Nahrungsmittelallergie verwechseln. Alkaloide können zudem die Nerven schädigen und so Reizungen der Magen-Darm-Schleimhaut verursachen. Auch Symptome wie Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall sind nicht selten. Meist tritt die Vergiftung schon kurze Zeit nach dem Verzehr auf und kann in einigen Fällen bis zu einer Woche andauern.

Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist bereits eine Dosis von einem bis fünf Milligramm Solanin pro Kilogramm Körpergewicht kritisch. Während diese Menge bei Erwachsenen beinahe nie erreicht wird, kann diese Grenze besonders bei Kleinkindern schnell überschritten werden. Auch wenn Kartoffelalkaloide verglichen mit den in Tomaten enthaltenen Tomatinen als giftiger gelten, sollten Verbraucher bei der Lagerung und Zubereitung von Tomaten einiges beachten:

5. Giftstoffe in Lebensmitteln: Phasin in Bohnen

Eher weniger bekannt ist, dass auch in rohen Bohnen Giftstoffe zu finden sind. Obwohl Phasin in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommt, enthalten insbesondere rote Kidney-Bohnen besonders viel des Giftes. Nimmt man zu viel Phasin über die Nahrung zu sich, kann die Substanz die empfindlichen Epithelzellen im Darm schädigen und so die Nährstoffaufnahme verhindern. Abhängig davon, wie viel des Giftstoffes in den Körper gelangt, können leichte Magenverstimmungen und Darmentzündungen die Folge sein. Im schlimmsten Fall kann eine Vergiftung mit Phasin jedoch auch tödlich enden. Meist treten die Symptome bereits zwei bis drei Stunden nach der Aufnahme ein.

Besonders für Kleinkinder sind die giftigen Bohnen gefährlich. Sie sollten daher möglichst keine rohen Bohnen essen. Gekocht sind die Nahrungsmittel in der Regel unbedenklich, denn schon nach 15 Minuten Kochzeit ist das Phasin zerstört. *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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