Auf dem Bild ist ein Weizenfeld zu sehen (Symbolbild).
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Glutenfreie Lebensmittel werden immer beliebter – doch wie gesund ist das? (Symbolbild)

Gesunder Trend oder Marketing?

Glutenfreie Lebensmittel: Ernährung ohne Gluten ist nicht für jeden geeignet

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Glutenfreie Ernährung: Immer mehr Menschen verzichten auf Gluten. Tatsächlich leiden jedoch nur wenige an einer Weizenunverträglichkeit oder Zöliakie. Doch wie gesund ist der Trend?

  • Viele Menschen wollen ihrer Gesundheit mit einer glutenfreien Ernährung etwas Gutes tun.
  • Obwohl das Immunsystem nur bei wenigen Menschen tatsächlich auf Gluten reagiert, ist der Trend weit verbreitet.
  • Doch wie gesund ist der Verzicht wirklich?

Mönchengladbach – Glutenfreie Nudeln, Brot und Kuchen – Die Auswahl an Lebensmitteln ohne Gluten in den Supermärkten wird immer größer. Das liegt vor allem an der steigenden Nachfrage. Doch woran liegt das? Und ist der Verzicht wirklich für jeden sinnvoll?

Glutenunverträglichkeit und Zöliakie: Was ist das?

Gluten kommt natürlich im Saatkorn der meisten Getreidesorten vor. Nicht nur Weizen, sondern auch Roggen, Gerste und Hafer beinhalten das Klebereiweiß. Es liefert im Inneren der Pflanze wichtige Aminosäuren und Eiweiße, die sie zum Wachsen benötigt. Gesunde Menschen vertragen Gluten meist ohne Probleme. Eine Glutenintoleranz oder Zöliakie ist daher relativ selten. Nur etwa bei etwa einem Prozent der Deutschen löst Gluten eine Entzündung des Dünndarms aus.

Bei einer Zöliakie regiert das Immunsystem überempfindlich auf Gluten. Es bildet Antikörper, die im Darm empfindliche Zellen zerstören und zu einer Rückbildung der Darmzotten führen. Die Folge sind Verdauungsbeschwerden und Mangelerscheinungen. Aber auch Symptome wie Müdigkeit, Migräne und depressive Verstimmungen lassen sich mit einer Glutenintoleranz in Verbindung bringen. Da die Beschwerden von Patient zu Patient unterschiedlich ausfallen, bleibt die Autoimmunerkrankung häufig lange Zeit unerkannt.

Glutenfrei ist nicht unbedingt gesünder

Wer an Zöliakie erkrankt, muss sein Leben lang auf Gluten verzichten. Trotzdem vermeiden auch immer mehr Menschen ohne Unverträglichkeit Nahrungsmittel mit Gluten. Gluten ist ein Grundbestandteil vieler Lebensmitteln wie Brot, Kuchen, Müsli und Pizza. Viele unverarbeitete Nahrungsmittel sind bereits von Natur aus glutenfrei. Leider werden diese Nahrungsmittel auch häufig mit einem ungesunden Lebensstil in Verbindung gebracht. Richtig ist: Wer zu viel davon ist, nimmt meist schnell ein paar Pfunde zu. Daran ist jedoch keineswegs das Gluten schuld. Wer sein Gewicht reduzieren möchte, sollte vielmehr das Ziel verfolgen, sich gesund und ausgeglichen zu ernähren. Auch gesunde Weizenprodukte mit wichtigen Ballaststoffen sollten dabei integriert werden.

Glutenfreie Lebensmittel: Teure Ersatzprodukte

Das Weglassen von Gluten hilft weder beim Abnehmen noch ist es gesund für den Darm. Doch nicht nur das: Wer Gluten gezielt vom Speiseplan streicht, der kann seinem Körper sogar schaden. So fanden amerikanische Forscher heraus, dass Menschen, die glutenhaltige Produkte meiden, in der Regel auch den Verzehr von gesunden Vollkorn-Produkten und den darin enthaltenen Ballaststoffen einschränken. Ballaststoffe haben jedoch einen schützenden Effekt auf das Herz. Zudem scheint das Risiko an Diabetes Typ-2 zu erkranken, mit dem Verzicht auf Gluten zu steigen.

Für gesunde Menschen bringt die glutenfreie Ernährung aus Sicht der Experten daher keine Vorteile. Denn viele glutenfreie Lebensmittel enthalten große Mengen an Stärke, Mais, Zucker, Fett, Verdickungsmittel und Ascorbinsäure. Gesunde Inhaltsstoffe wie Vitamin B12, Zink, Folsäure und Magnesium fehlen dagegen. Eine glutenfreie Ernährung ist also nicht automatisch auch gesünder. Ein weiterer Nachteil der Ersatzprodukte: Lebensmittel ohne Gluten sind meist deutlich teurer als herkömmliche Alternativen.

Ernährung bei Zöliakie: Eine gute Planung ist wichtig

Für Menschen mit Zöliakie ist vor allem die Umstellung auf eine glutenfreie Ernährung nicht immer einfach. Dabei ist die Auswahl an erlaubten Lebensmitteln zwar eingeschränkt, der Speiseplan muss dabei jedoch keineswegs einseitig sein. Betroffene sollten sich ausreichend über eine ausgeglichene Ernährung ohne Gluten informieren, dabei kann auch eine Ernährungsberatung helfen.

Diese Getreidesorten müssen Betroffene laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) meiden:

  • Weizen
  • Dinkel
  • Roggen
  • Hafer
  • Gerste
  • Grünkern
  • Einkorn
  • Emmer
  • Kamut

Folgende Lebensmittel enthalten kein Gluten:

  • Reis
  • Kartoffeln
  • Mais
  • Hirse
  • Buchweizen
  • Quinoa
  • Sojaprodukte
  • Fisch und Fleisch
  • Obst und Gemüse
  • Milchprodukte

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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