Ein Kind greift einen Laib Brot (Symbolbild).
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Eine frühe Einführung von Gluten kann bei Säuglingen möglicherweise das Zöliakie-Risiko senken (Symbolbild).

Glutenunverträglichkeit bei Kindern

Zöliakie-Risiko bei Säuglingen senken: Früh glutenhaltige Nahrungsmittel einführen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Kinder, die schon früh Gluten zu sich nehmen, leiden möglicherweise seltener an einer Glutenunverträglichkeit. Das haben Wissenschaftler aus London herausgefunden. Doch die Ergebnisse sind umstritten.

London – Etwa ein Prozent der europäischen Bevölkerung leidet an einer Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie. Doch nicht nur Erwachsene, auch Kinder sind bereits von der Nahrungsmittelunverträglichkeit betroffen. So tritt die Autoimmunerkrankung häufig bereits im frühen Alter auf. Meist äußern sich die Symptome erstmals um den ersten Geburtstag, also einige Monate nachdem Säuglinge zum ersten Mal Nahrungsmittel mit Gluten zu sich genommen haben. Doch welche Rolle spielt die Ernährung bei der Entstehung der Krankheit? Und lässt sich das Risiko, an einer Glutenunverträglichkeit zu erkranken, möglicherweise durch eine bestimmte Ernährungsweise senken? Das hat nun eine Forschergruppe aus England untersucht.

Zöliakie: Gluten löst Beschwerden aus

Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung des Darms. Dabei reagiert der Körper empfindlich auf das Klebereiweiß Gluten, das in Weizen enthalten ist. Nehmen Betroffene glutenhaltige Lebensmittel zu sich, können schon kleine Mengen Gluten Symptome wie Blähungen, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Müdigkeit auslösen. Häufig ist die Unverträglichkeit genetisch bedingt. So erkranken Kinder, deren Eltern von einer Zöliakie betroffen sind, rund zehnmal häufiger an einer Glutenunverträglichkeit als Kinder gesunder Eltern. Das trifft für etwa ein Drittel der in Deutschland lebenden Säuglinge zu.

Der richtige Zeitpunkt für die Einführung glutenhaltiger Beikost

Für die groß angelegte Studie haben die Wissenschaftler insgesamt 1004 Kinder untersucht. Ein Teil der Kleinkinder erhielt ab einem Alter von vier Monaten wöchentlich vier Gramm Weizenprotein. Die Kinder der anderen Gruppe nahmen keine allergenen Nahrungsmittel zu sich und wurden zudem bis zu einem Alter von sechs Monaten gestillt.

Mit drei Jahren wurden alle Kinder auf spezielle Antikörper, sogenannte Antitransglutanimase-Antikörper, die als Indikator für die Zöliakie gelten, getestet. Die Ergebnisse zeigen: Sowohl ein besonders früher Kontakt mit Gluten als auch die verzehrte Menge haben einen Einfluss auf das Risiko einer Unverträglichkeit. So waren unter den Kindern, die erst ab sechs Monaten glutenhaltige Lebensmittel zu sich nahmen, deutlich mehr Kinder mit Glutenunverträglichkeit als in der frühen Gruppe. Etwa 1,4 Prozent von 516 Kindern litten im Alter von drei Jahren an einer Glutenunverträglichkeit. Bei den Kindern, die schon früh glutenhaltige Lebensmittel bekamen, gab es dagegen keine Zöliakie-Fälle.

Zöliakie-Risiko: Gluten ab dem X Monat einführen

„Dies ist die erste Studie, die den Nachweis erbringt, dass die frühzeitige Einführung großer Weizenmengen in die Ernährung eines Säuglings vor dem sechsten Lebensmonat die Entwicklung einer Zöliakie verhindern kann. Diese Strategie könnte auch Auswirkungen auf andere Autoimmunkrankheiten haben“, erklärt der Studienleiter Gideon Lack, Professor am King’s College London.

Doch auch wenn die aktuellen Ergebnisse für eine frühe Einführung von Gluten in der kindlichen Ernährung sprechen, sehen Experten eine allgemeine Empfehlung kritisch. So gibt es Hinweise darauf, dass sowohl eine frühe Gluteneinführung ab dem vierten Monat als auch eine späte Einführung das Zöliakie-Risiko senken können. Aufgrund der widersprüchlichen Ergebnisse empfiehlt die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) daher  Säuglingen glutenhaltige Nahrungsmittel bei der Einführung zunächst nicht in großen Mengen anzubieten.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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