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Zöliakie: Bei der Diagnose Typ-1-Diabetes immer auch an die Glutenunverträglichkeit denken

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Von: Jasmina Deshmeh

Ansicht der Hände einer Ärztin, die mit einem Blutzuckermessgerät den Blutzucker eines Patienten an dessen rechten Zeigerfinger prüft (Symbolbild).

Verschiedene Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ-1 und Zöliakie gehen oft miteinander einher und sollten bei der Diagnose standardmäßig mituntersucht werden (Symbolbild). © imago images / Panthermedia

Experten der Deutschen Diabetes-Hilfe warnen: Wird bei Kindern Typ-1-Diabetes diagnostiziert, sollte immer auch eine Zöliakie abgeklärt werden. Bleibt diese unerkannt, kann es zu Unterzuckerungen, Mangelerscheinungen und Osteoporose kommen.

Berlin – Eine Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, genau genommen eine immunologische Erkrankung des Dünndarms, bei der es beim Verzehr glutenhaltiger Getreidesorten wie Weizen und Dinkel zu Entzündungsreaktionen im Darm kommt. Oft treten verschiedene Autoimmunerkrankungen gemeinsam auf. So sind nach Angaben der Deutschen Diabetes-Hilfe in Deutschland überdurchschnittlich viele Menschen mit Typ-1-Diabetes auch von einer Zöliakie betroffen. Häufig äußert sich diese aber zunächst durch milde Symptome, weshalb sie erst spät diagnostiziert wird. Durch die Entzündungsreaktion im Dünndarm werden die Darmzotten jedoch nicht mehr ausreichend ausgebildet, wodurch die Schleimhaut ihre Aufgabe, Nährstoffe aufzunehmen, nicht mehr richtig erfüllen kann. Es kann zu Mangelerscheinungen und Unterzuckerung kommen.

Zöliakie und Diabetes Typ 1: Eine Autoimmunerkrankung kommt selten allein

Menschen mit Diabetes-Typ-1 haben ein höheres Risiko auch an einer Zöliakie zu erkranken. So sind laut der Deutschen Diabetes-Hilfe drei bis sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes auch von der Glutenunverträglichkeit betroffen. Im restlichen Teil der Bevölkerung liegt der Wert bei 0,5 Prozent. Bei Patienten mit Typ-2-Diabetes bewegt sich der Wert in einem ähnlichen Bereich. Während bei Typ-1-Diabetes der Körper fälschlicherweise die eigene Bauchspeicheldrüse angreift, handelt es sich bei der Zöliakie um eine autoimmune Darmerkrankung. Typische Symptome einer Zöliakie können sein:

Bleibt eine Zöliakie über längere Zeit unerkannt, kann ein Mangel an Nährstoffen außerdem zu Blutarmut, Zahnschmelzveränderungen und einer erhöhten Knochenbrüchigkeit (Osteoporose) führen.

Experten der Deutschen Diabetes-Hilfe raten deshalb dringend dazu, bei der Diagnostik von Typ-1-Diabetes Patienten auch auf eine Zöliakie zu untersuchen. Professor Dr. med. Thomas Danne, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Diabetes-Hilfe, in einer Pressemitteilung: „Leider werden noch nicht in allen Kliniken Kinder und Jugendliche mit einem frisch manifestierten Typ-1-Diabetes standardmäßig auf Zöliakie-Antikörper untersucht, obwohl dies in der S3-Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Pädiatrische Diabetologie empfohlen wird“. Das führe dazu, dass bei vielen Betroffenen die Zöliakie erst spät festgestellt wird.

Zöliakie und Diabetes Typ 1: Insulintherapie auf glutenfreie Ernährung abstimmen

Beim Diabetes Typ 1, der vor allem im Kindes- und Jugendalter auftritt, greift das Immunsystem die körpereigene Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse an. Durch die Zerstörung der insulinproduzierenden Zellen, den sogenannten Beta- Zellen, kommt es zu einem Mangel des Hormons Insulin. Da Insulin normalerweise die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Körperzellen reguliert, steigt der Blutzucker von Betroffenen an, während die Muskel- und Fettzellen unterversorgt bleiben.

In diesem Fall hilft nur eine lebenslange Therapie mit Insulin-Spritzen. Darüber hinaus muss zur Regulierung des Blutzuckers die Ernährung auf die Insulin-Therapie abgestimmt werden. Das bedeutet, dass Betroffene anhand der aufgenommenen Kohlenhydrate errechnen, wie viel Insulin sie spritzen müssen, um Blutzuckerschwankungen bis zur nächsten Hauptmahlzeit vorzubeugen.

Treten ein Typ-1-Diabetes und eine Zöliakie gemeinsam auf, gilt es laut den Experten einiges zu beachten. Da eine Zöliakie nicht heilbar ist, müssen Betroffene ein Leben lang eine glutenfreie Ernährung einhalten. Glutenfreie Lebensmittel können sich aber anders auf den Blutzuckerspiegel auswirken als glutenhaltige Lebensmittel. Prof. Tanne: „Betroffene Menschen mit Typ-1-Diabetes müssen daher ihre Berechnung der Kohlenhydrate und die benötigte Insulinmenge an diese neue Situation anpassen.“ Betroffene können in Ernährungsberatungen mit einem geschulten Diabetesteam lernen, sich auf die neue Situation einzustellen. Ist die Insulintherapie auf die glutenfreie Ernährung eingestellt, kann sich die Darmschleimhaut sogar wieder regenerieren und das Risiko für Unterzuckerungen deutlich gesenkt werden. Mit Material der Deutschen Diabetes-Hilfe

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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