Eine Frau greift sich mit beiden Händen im Bereich der Schilddrüse an den Hals (Symbolbild).
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Eine Autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis) kann als Begleiterkrankung der Zöliakie auftreten (Symbolbild).

Diabetes, Schilddrüsenentzündung, Hautausschlag

Zöliakie (Glutenunverträglichkeit): Assoziierte Erkrankungen und Begleiterkrankungen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Als Autoimmunerkrankung kann eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) in Verbindung mit anderen immunvermittelten Krankheiten, wie Diabetes Typ 1, Dermatitis herpetiformis Duhring oder einer autoimmunen Schilddrüsenentzündung auftreten. Auch durch die Zöliakie ausgelöste Begleiterkrankungen sind häufig.

Stuttgart – Eine Zöliakie ist eine chronische Systemerkrankung, bei der eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten besteht. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu überschießenden Reaktionen des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe kommt. Bei Autoimmunerkrankungen ist das Risiko für andere immunvermittelte Erkrankungen erhöht. Dieses gleichzeitige Auftreten mehrerer Erkrankungen wird als Komorbidität bezeichnet. Die häufigsten mit der Zöliakie assoziierten Erkrankungen sind Diabetes Typ 1, eine autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis) sowie bei Erwachsenen ein bläschenbildender Hautausschlag (Dermatitis herpetiformis Duhring). Darüber hinaus können sogenannte Begleiterkrankungen als Folge bzw. Symptom der Zöliakie auftreten.

Zöliakie: Assoziierte Erkrankungen und Begleiterkrankungen der Glutenunverträglichkeit

Bei einer Zöliakie kommt es durch den Verzehr von Gluten, das in Getreide wie Weizen, Dinkel und Gerste enthalten ist, zu chronischen Entzündungsreaktionen im Dünndarm. Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Zellen schädigt. Durch die Schädigung des Dünndarmgewebes bilden sich die für die Nährstoff- und Mineralstoffaufnahme wichtigen Zotten (Ausstülpungen) der Dünndarmoberfläche zurück. In der Folge nimmt die Oberfläche der Schleimhaut ab und Nährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine werden nicht mehr ausreichend aufgenommen.

Als Autoimmunerkrankung kann eine Zöliakie vergesellschaftet mit anderen Erkrankungen auftreten. Dabei muss zwischen assoziierten (Autoimmun)Erkrankungen, die aufgrund einer gemeinsamen genetischen Veranlagung zusätzlich zu einer Zöliakie auftreten (sogenannte Komorbidität) sowie sogenannten Begleiterkrankungen, die als Folge der Zöliakie entstehen können und manchmal einziges Symptom der Erkrankung sind, unterschieden werden.

Assoziierte Erkrankungen der Zöliakie: Typ-1-Diabetes

Nach Angaben der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) ist ein signifikant höheres Auftreten von Diabetes mellitus Typ 1 bei Zöliakie zu erkennen. So zeigt eine kanadische Untersuchung, dass 5 Prozent der Zöliakie-Patienten auch von Diabetes betroffen sind, während 6 bis 8 Prozent der Typ 1-Diabetiker an einer Zöliakie leiden. Da sich die Symptome beider Erkrankungen oft überlagern, wird die Zöliakie meist erst verzögert diagnostiziert. Symptome, die bei beiden Erkrankungen auftreten können, sind:

  • Wiederholte Hypoglykämien („Unterzuckerung") durch Malabsorption
  • Schwankender Insulinbedarf
  • Wachstumsstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Anämiezeichen

In 90 Prozent der Fälle, tritt der Diabetes zuerst auf, wobei die Zöliakie zuvor bereits ohne Symptome bestehen kann. Die Gründe, warum beide Erkrankungen häufig parallel auftreten, führen internationale Forscher auf bestimmte Risikogene zurück. Diese konnten in einer Assoziationsstudie bei beiden Patientengruppen nachgewiesen werden.

Assoziierte Erkrankungen der Zöliakie: Autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis)

Eine ebenfalls häufig in Kombination mit Zöliakie auftretende Autoimmunerkrankung ist die Autoimmune Schilddrüsenentzündung (Hashimoto-Thyreoiditis). Es handelt sich dabei um eine Entzündung der Schilddrüse, die durch Eiweiße (Antikörper) im Blut ausgelöst wird und zu einer Störung der Schilddrüsenhormonproduktion führt. Die Schilddrüse ist eine lebenswichtige Hormondrüse, die Körperfunktionen wie Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche beeinflusst.

Die meisten Patienten erkranken im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, wobei Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer. Da bei ihnen der Ausbruch der Krankheit oft mit den Wechseljahren zusammenfällt, werden die Symptome zunächst oft als Wechseljahrsbeschwerden abgetan. Die Erkrankung führt letztlich zu einer Schilddrüsenunterfunktion, die in der Regel durch eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen behandelt wird.

Neben einer Hashimoto-Thyreoiditis kann auch die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow), also eine Überfunktion der Schilddrüse, als assoziierte Erkrankung der Zöliakie auftreten.

Assoziierte Erkrankungen der Zöliakie: Dermatitisherpetiformis Duhring

Die Autoren der aktuellen S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) und der DZG weisen darauf hin, dass sich eine Zöliakie durch eine Dermatitis herpetiformis Duhring manifestieren kann. Dabei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung der Haut, bei der es zu Blasenbildung, Hautausschlag und (brennendem) Juckreiz kommt. Weitere mögliche Symptome der Erkrankung sind Rötungen, Ekzeme und Quaddeln. Betroffen ist häufig die Haut an den Ellbogen, dem Knie, der Kopfhaut, der Stirn, den Schultern, des Gesäßes und dem oberen Brustbereich, wobei die Erkrankung bei Männern 1,5-Mal häufiger auftritt als bei Frauen.

Nach Angaben der DZG liegt bei allen Patienten mit Dermatitis herpetiformis Duhring eine subklinische Zöliakie - das bedeutet Antikörper und Histologie sind positiv, Patienten zeigen aber keine bis kaum Symptome - vor. Da sich die Krankheit in frühen Krankheitsstadien sehr untypisch zeigen kann, wird sie oft erst verspätet diagnostiziert. Diese erfolgt durch den Nachweis von Immunoglobulin A-Ablagerungen in der Haut. Neben einer Dermatitis herpetiformis Duhring ist bei Patienten mit Zöliakie auch das Risiko eine Psoriasis zu entwickeln erhöht.

Assoziierte Erkrankungen der Zöliakie: Autoimmunerkrankungen der Leber, Haut und

Weitere mögliche assoziierte Erkrankungen der Zöliakie sind die Autoimmunhepatitis (AIH), eine seltene Form der Leberentzündung, die Primär biliäre Cholangitis (Entzündung der Gallenwege), die Addison-Krankheit (Nebennierenversagen), Immunglobulin-A (IgA-Mangel) sowie die Mikroskopische Kolitis (Entzündung des Dickdarms) und Schuppenflechte (chronische Hauterkrankung).

Begleiterkrankungen der Zöliakie: Osteoporose, Laktoseintoleranz,

Unbehandelt kann eine Zöliakie zudem zu Folgeerkrankungen wie einer sekundären Laktoseintoleranz oder Osteoporose führen. Wie die DZG verweist, kann es bei der sekundären Laktoseintoleranz aufgrund der Schleimhautschädigung zu einer temporären verminderten Enzymproduktion und damit zu einer Milchzuckerunverträglichkeit kommen. In der Regel normalisiert sich die Laktaseaktivität wieder, sobald sich die Darmschleimhaut durch eine glutenfreie Diät regeneriert hat. Wie lange der Heilungsprozess andauert, ist von Patient zu Patient verschieden und kann bis zu mehreren Jahren andauern. Verbessert sich die Laktoseverträglichkeit trotz glutenfreier Ernährung nicht, könnte eine erblich bedingte Primäre Laktoseintoleranz hinter den Beschwerden stecken.

Eine Zöliakie gilt auch als häufige prädisponierende Ursache der Osteoporose (verminderte Knochendichte). So zeigen laut DZG 20 bis 50 Prozent der Zöliakie-Patienten eine Verminderung der Knochendichte. Experten führen dies zum einen auf die durch die geschädigte Darmschleimhaut verminderte Aufnahme von Calcium und Vitamin D und zum anderen auf Entzündungsmediatoren, die die Knochensubstanz schädigen, zurück. Patienten, die ihre Zölikie diätisch behandeln, zeigen bereits nach einem Jahr eine verbesserte Knochendichte. Wird die Zöliakie bereits im Kindesalter diagnostiziert, kann einer verminderten Knochendichte vorgebeugt werden.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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