Man sieht ein Feld mit Weizen (Symbolbild).
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Gluten ist ein natürlicher Inhaltsstoff von Weizen (Symbolbild).

Überraschendes Ergebnis

Zöliakie und Weizensensitivität: Gluten nicht Schuld an steigender Unverträglichkeit

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Immer mehr Menschen leiden an den Folgen einer Glutenunverträglichkeit. Nun haben Forscher untersucht, ob die Züchtung moderner Weizensorten dafür verantwortlich ist.

  • Immer mehr Menschen scheinen an einer Glutenunverträglichkeit zu leiden.
  • Woran das liegt, haben Forscher der TU München nun in einer aktuellen Studie untersucht.
  • Die Ergebnisse zeigen: Der Übeltäter ist nicht das Gluten im modernen Weizen.

München – Immer mehr Menschen erkranken an einer Weizenallergie oder Zöliakie. Laut der Europäischen Allergiestiftung (ECARF) sind weltweit etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Die genauen Ursachen sind jedoch unklar. Bisher wurde vermutet, dass Veränderungen im Weizen und die Züchtung moderner Weizensorten dafür verantwortlich sein könnten. Doch die Ergebnisse einer aktuellen Studie zeigen: Der Übeltäter ist nicht das Gluten. Denn anders als erwartet enthält moderner Weizen nicht mehr immunreaktive Eiweiße als früher.

Zöliakie: Überreaktion des Immunsystems

Bei einer Zöliakie handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise auf das im Weizen enthaltene Klebereiweiß Gluten reagiert. Gluten ist in Weizen, Roggen, Gerste und anderen Getreidesorten enthalten. Nehmen Patienten Nahrungsmittel mit Gluten zu sich, kommt es zu Entzündungen im Dünndarm.

Die Beschwerden der Zöliakie sind vielfältig. Häufig leiden Patienten unter folgenden Symptomen:

  • Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Blähungen/Blähbauch und Erbrechen
  • Chronische Bauchschmerzen oder Appetitlosigkeit
  • allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Schwäche
  • Knochenschwund (Osteoporose)

Zöliakie: Aktuelle Studie mit historischen Daten

Gluten macht einen Großteil der Eiweiße im Weizen aus - rund 75 bis 80 Prozent der Weizeneiweiße gehören zu den sogenannten „Gliadinen“ und „Gluteninen“, Untergruppen des Glutens. Bisher gingen Forscher daher davon aus, dass Gluten für die steigende Zahl der Unverträglichkeiten verantwortlich ist. Insbesondere die „Gliadine“, eine Untergruppe der Glutene, wurden verdächtigt, unerwünschte Immunreaktionen hervorzurufen. „Viele Menschen befürchten, dass moderne Weizenzüchtungen mehr immunreaktives Eiweiß enthalten als früher und dies die Ursache für die gestiegene Erkrankungshäufigkeit ist“, sagt Darina Pronin vom Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie in einer Pressemitteilung.

Für die Studie untersuchten die Forscher des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie an der Technischen Universität München und des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Freising daher den Eiweißgehalt von insgesamt 60 Weizensorten im Zeitraum von 1891 bis 2010. Dazu wählten sie zunächst für jedes Jahrzehnt die fünf führenden Weizensorten aus. Um vergleichbare Proben zu erhalten, baute das Team um Katharina Scherf, dann den Weizen drei Jahre lang unter den gleichen geografischen und klimatischen Bedingungen an.

Gluten: Zusammensetzung entscheidend

Die Ergebnisse sind überraschend: Moderne Weizensorten scheinen nicht mehr, sondern vielmehr etwas weniger Eiweiße zu enthalten als ältere Sorten. Und auch der Anteil des Glutens im Weizen scheint sich in den letzten 120 Jahren nicht verändert zu haben. Woran liegt es also, dass immer mehr Menschen keinen Weizen mehr vertragen?

Das könnte möglicherweise an der Zusammensetzung des Glutens liegen. So sank zwar der Anteil der als kritisch betrachteten „Gliadine“ um etwa 18 Prozent, jedoch nahmen die „Glutenine“ im Verhältnis um etwa 25 Prozent zu. Zudem fanden die Forscher heraus, dass der Glutengehalt stark von der Niederschlagsmenge im Erntejahr zusammenhängt. Regnete es viel, ließen sich in den Proben höhere Glutenwerte nachweisen.

Sind also Umweltbedingungen ausschlaggebend für die steigende Zahl der Betroffenen? Obwohl noch nicht alle im Weizen enthaltenen Eiweißarten auf ihre physiologischen Effekte untersucht wurden, sehen die Forscher dies als eine wahrscheinliche Erklärung. „Überraschenderweise hatten Umweltbedingungen wie die Niederschlagsmenge, sogar einen größeren Einfluss auf die Eiweißzusammensetzung als die züchterischen Veränderungen“, so Katharina Scherf. Weiter erklärt sie: „Wir haben zumindest auf Eiweißebene keine Hinweise darauf gefunden, dass sich das immunreaktive Potenzial des Weizens durch die züchterischen Maßnahmen verändert hat.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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