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Akupunktur bei Allergien: Sinnvolle und hilfreiche Therapie-Ergänzung?

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Von: Jasmina Deshmeh

Eine Person sticht eine Akkupunkturnadel in den oberen Rücken einer dunkelhaarigen Frau (Symbolbild)
Akupunktur ist eine Behandlungsmethode der Traditionellen Chinesischen Medizin, bei der feine Nadeln in bestimmte Körperpunkte gestochen werden (Symbolbild). © Westend61/imago-images

Einige Ärzte setzen Akupunktur ein, um Allergie-Symptome zu lindern. Allerdings müssen Heuschnupfen-Patienten die Behandlung selbst bezahlen, denn ihre Wirksamkeit ist unter Experten nach wie vor umstritten.  

München – Die Akupunktur ist eine Behandlungsform der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), bei der feine sterile Nadeln in bestimmte Punkte des Körpers gestochen werden, die an sogenannten „Meridianen“ (Energiebahnen) liegen. Dadurch sollen Blockaden gelöst und Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert werden. Obwohl Studien zumindest eine leichte Wirkung von Akupunktur bei Heuschnupfen-Beschwerden belegen, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bisher nicht.

Akupunktur bei Allergien: Eine sinnvolle Therapie-Ergänzung?

Bei der Akupunktur handelt es sich um ein jahrtausendealtes Verfahren, das in den letzten Jahren neben der klassischen Schulmedizin immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Das Prinzip beruht auf der Lebensenergie des Menschen („Qi“), die nach Ansicht der Traditionellen Chinesischen Medizin auf Leitbahnen, welche den gesamten Körper durchziehen, fließt. Diese Bahnen setzen sich aus 12 Haupt- und 8 Nebenmeridianen zusammen, wobei jeweils 6 Hauptmeridiane Yin bzw. Yang zugeordnet sind. Auf diesen Bahnen befinden sich wiederum 361 Akupunktur-Punkte, die jeweils Einfluss auf verschiedene Organe des Körpers haben und deren Reizung die Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren soll.

Nach Angaben der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DAGfA) handelt es sich in erster Linie um eine Heilungsmethode, die, anders als die klassische Schulmedizin, nicht auf wissenschaftlichen Studien, sondern auf Erfahrungen beruht. Dazu werden neben den eigentlichen Krankheitssymptomen auch andere Beschwerden und Erfahrungen des Patienten berücksichtigt, um ein ganzheitliches „Muster der Disharmonie“ zu entwickeln. Es gibt mittlerweile aber auch Studien, die einzelne Wirkungsschritte der Akupunktur genauer untersucht haben.

Akupunktur bei Allergien: Hinweise auf leichte Effekte bei Heuschnupfen

Mittlerweile gilt die Akupunktur als geeignete Therapie bei verschiedenen Krankheiten und wird teilweise auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen – vorausgesetzt, der behandelnde Arzt hat eine Zusatz-Weiterbildung „Akupunktur“ und Kenntnisse im Bereich Schmerztherapie und Psychosomatik.

Akupunktur kann nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei folgenden Krankheitsbildern angewendet werden:

Eine Kostenerstattung als alternative Heilmethode bei Allergien ist bisher dagegen nicht möglich. Dabei gibt es klinische Studien, die neben der schmerzstillenden Wirkung auch Effekte der Akupunktur auf das Immunsystem nachweisen. So zeigt nach Angaben der Pharmazeutischen Zeitung beispielsweise die Zwischenbilanz einer Langzeitstudie der HNO-Abteilung der Universitätsklinik Dresden mit 174 Heuschnupfen-Patienten, dass ein Viertel der Probanden nach drei Wochen Akupunktur-Behandlung vollkommen beschwerdefrei ist. Zum Vergleich: In einer Placebo-Gruppe waren es nur fünf Prozent. Auch hielt die Besserung der Beschwerden länger an, als in der Placebo-Gruppe.

Die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) sieht bei Akupunktur dagegen „kein klares Bild hinsichtlich der Wirksamkeit“ bei einer Pollenallergie. Bis heute gebe es zu wenig aussagekräftige Studien, so die Experten. Auch zur Kontrolle von (allergisch bedingtem) Asthma bronchiale raten Experten in der aktuellen „S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma“ ab, da Metaanalysen häufig methodische Mängel der Studien aufzeigen.

Akupunktur bei Allergien: Als ergänzende Therapie mit dem Arzt abklären

Die Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) empfiehlt Patienten dagegen, Akupunktur bei Heuschnupfen (allergischer Rhinitis) durchaus als begleitende Therapie auszuprobieren – vor allem bei einer ganzjährig auftretenden Rhinitis. Wichtig sei aber, die Behandlung mit dem Arzt zu besprechen und Akupunktur als ergänzende Therapiemaßnahme zu verstehen. Auf keinen Fall sollten Allergiker eine laufende medizinische Therapie abbrechen oder Allergie-Medikamente auf eigene Faust absetzen. Auch sollten Nutzen und Kosten der Akupunktur-Therapie abgewogen werden. Vorsicht ist zum Beispiel geboten, wenn ein Arzt eine hundertprozentige Heilung verspricht, die viel Geld kostet.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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