Ein Fläschchen mit Globuli liegt auf einem dunkelgrauen Untergrund (Symbolbild)
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Globuli sind die gängigste Darreichungsform homöopathischer Wirkstoffe (Symbolbild)

Lange Patientengespräche und Globuli

Homöopathie: Können Homöopathika Beschwerden bei Allergien wie Heuschnupfen lindern?

  • Anna Katharina Küsters
    vonAnna Katharina Küsters
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Über die Hälfte aller Deutschen hat schon mal homöopathische Mittel genommen. Die Heilmethode kommt auch bei Allergiebeschwerden gut an. Nachweisen lässt sich ihre Wirkung allerdings nicht.

  • Homöopathie ist eine beliebte alternative Heilmethode. Die Wirkung homöopathischer Mittel ist aber umstritten.
  • Bei homöopathischen Therapien werden stark verdünnte pflanzliche, tierische oder mineralische Stoffe verabreicht.
  • Auch viele Allergiker erhoffen sich eine Linderung ihrer Symptome durch Homöopathie.

Mönchengladbach – Manche Menschen schwören auf sie, andere sprechen ihr jegliche Wirkung ab: Die Homöopathie ist nicht nur in Bezug auf Allergien eine umstrittene Heilmethode. Der Begriff ist nicht geschützt, sodass neben schulmedizinisch anerkannten Ärzten beispielsweise auch Heilpraktiker nach einer entsprechenden Ausbildung Homöopathie als Heilverfahren praktizieren können. Eine Therapie mit Schüßler-Salzen gehört nicht zur Homöopathie.

Homöopathie bei Allergien: Das bedeutet Homöopathie

Die Homöopathie zählt zur alternativen, beziehungsweise komplementären Medizin. Sie geht auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann (88, † 1843) zurück, der die Grundlagen der Homöopathie entwickelte. Der Begriff Homöopathie setzt sich aus den griechischen Wörtern „homoios“ und „pathos“ zusammen. „Homoios“ bedeutet „gleich“ oder „ähnlich“, „pathos“ heißt übersetzt „Leiden“ oder „Schmerz“. Damit ist das Grundprinzip bereits erklärt: Die Homöopathie versucht, Ähnliches mit Ähnlichem zu heilen. Das bedeutet laut Lungeninformationsdienst, dass die Grundstoffe in den verabreichten Substanzen ähnliche Symptome hervorrufen wie die zu behandelnde Krankheit selbst. Das soll den Heilungsprozess aktivieren.

Als Geburtsstunde der Homöopathie gilt Samuel Hahnemanns „Chinarinden-Versuch“. Mit diesem Versuch wollte er das Ähnlichkeitsprinzip belegen. Chinarinde war damals schon als Mittel gegen Malaria-Symptome bekannt. Der gesunde Hahnemann nahm Chinarinde zu sich, was zu malariaähnlichen Symptomen führte. Daraus schlussfolgerte er zum einen, dass Chinarinde ähnliche Leiden wie Malaria auslöst und zum anderen gerade diese Ähnlichkeit die Beschwerden bessert. Heutzutage gehen Experten jedoch eher davon aus, dass Hahnemann allergisch auf Chinarinde reagierte, denn die heilende Wirkung von Chinarinde bei Malaria ist medizinisch mittlerweile erklärbar.

Homöopathie bei Allergien: Das Prinzip der Verdünnung

Homöopathen verdünnen die pflanzlichen oder tierischen Grundsubstanzen vor der Verabreichung stark und verschütteln sie immer wieder mit Wasser oder Ethanol. Aus mittlerweile rund 2500 homöopathischen Mitteln wählt die Ärztin oder der Arzt dann das passende Mittel für den Betroffenen aus. Meist sollen Patientinnen und Patienten kleine Kügelchen aus Zucker, auch Globuli genannt zu sich nehmen. Aber auch Homöopathika in Tablettenform oder als Tropfen sind verfügbar. Ähnlich sollen laut Heilpraktikern auch Schüßler-Salze wirken.

Die Verdünnung ist nötig, da einige homöopathische Mittel giftig sind, wie zum Beispiel die Tollkirsche, der Blaue Eisenhut oder gar Quecksilbersubstanzen. Bei diesem sogenannten Potenzieren gibt die jeweilige Potenz den Grad der Verdünnung an. So unterscheiden Heilpraktiker beispielsweise zwischen Zehnerpotenzen (D) und Hunderterpotenzen (C). In einem Mittel mit dem Zusatz D10 ist die Grundsubstanz also zehn Mal um das Zehnfache verdünnt. 

Homöopathie bei Allergien: So verläuft eine homöopathische Therapie

Aufgrund der großen Auswahl und verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten steht zu Beginn einer Therapie in der Homöopathie eine intensive Anamnese. In diesen Gesprächen versuchen Heilpraktiker und Ärzte möglichst viel über die Symptome, Beschwerden, Lebensumstände, Sorgen und Nöte der Patientinnen und Patienten zu erfahren. Auf dieser Grundlage entscheidet der Fachmann dann, welches Präparat er verschreibt. Bei einer anderen Variante konzentriert sich die Ärztin oder der Arzt auf das zu behandelnde Organ und wählt danach die homöopathischen Mittel aus. Bekannte homöopathische Wirkstoffe sind zum Beispiel: 

  • Aconitum
  • Belladonna
  • Dulcamara
  • Eupatorium perfoliatum
  • Ferrum phosphoricum
  • Allium cepa
  • Antimonium tataricum
  • Bryonia
  • Ipecacuana

Homöopathie bei Allergien: Kritik der Wissenschaft

Die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln ist bis heute stark umstritten. Ebenso uneindeutig ist die Studienlage. So gibt es einerseits Studien, die die positive Wirkung von Homöopathie belegen. Andererseits konnten zahlreiche Studien keine Wirksamkeit von Homöopathie nachweisen. Kritikerinnen und Kritiker führen Studien nach wissenschaftlich anerkanntem Standard an, von denen keine die Wirksamkeit homöopathischer Mittel, über einen Placeboeffekt hinaus, nachweisen konnte. So zeigt beispielsweise eine Studie im International Journal of Clinic Pracitce, dass Homöopathie Patienten sogar schaden kann. Viele Studien, die von Befürwortern der Homöopathie angeführt werden, entsprächen nach Meinung der Kritiker nicht wissenschaftlichen Standards. Zudem steht die Herstellung homöopathischer Mittel in der Kritik. Bei der sogenannten Potenzierung werden die Grundsubstanzen in mehreren Schritten immer um ein Zehntel verdünnt. Die Menge des Wirkstoffs nimmt also jedes Mal ab. Teilweise so stark, dass sie chemisch nicht mehr nachweisbar ist. Eine Wirksamkeit ist also aus schulmedizinischer Sicht nicht mehr möglich.

Homöopathie bei Allergien: Die Sicht der Befürworter

Homöopathie-Befürworter, Heilpraktiker und auch Gründungsvater Samuel Hahnemann verfolgen und verfolgten den Ansatz der wachsenden Wirksamkeit mit steigender Potenzierung. Das heißt: Je stärker die Grundsubstanz verdünnt ist, desto stärker wirkt sie. Diese Theorie begründen sie mit dem „Gedächtnis des Wasser“. Laut dieser These erinnert sich das Wasser an die Grundsubstanz und trägt diese immer weiter in sich fort. Wissenschaftler Jaques Benveniste (69, † 2004), geboren und gestorben in Paris, machte diese Theorie bekannt. Er veröffentlichte 1988 eine Studie im Wissenschaftsmagazin „Nature“, in der er die Existenz des „Wassergedächtnisses“ nachzuweisen schien. Neben Kritik an seiner methodischen Vorgehensweise ließen sich seine Ergebnisse bis heute nicht reproduzieren.

Die aktuellsten Studien des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte bestätigen beispielsweise die Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln über den Placebo-Effekt hinaus. Die Wissenschaftler weisen jedoch selbst in ihren Arbeiten darauf hin, dass sich zum Beispiel aus methodischen Gründen keine „Kausalbeziehung zwischen Arzneitherapie und Therapieergebnis“ herleiten lässt. Zudem gibt es Verweise auf die „heterogene Studienlage“ und die „geringe Anzahl qualitativ hochstehender Studien“, die eine „endgültige wissenschaftliche Aussage“ über die Wirksamkeit von Homöopathie nicht möglich machen.

Homöopathie bei Allergien: Erklärungsmöglichkeiten der heilenden Wirkung

Nach Angaben des Verbands klassischer Homöopathen Deutschlands bereits 50 bis 60 Prozent aller Deutschen schon mal homöopathische Mittel zu sich genommen. Ein Großteil der Befragten sei zufrieden mit den Ergebnissen der homöopathischen Therapie. Eine solche Behandlung kann also durchaus erfolgreich verlaufen. 

Die heilenden Effekte erklären sich Wissenschaftler allerdings mit dem sogenannten Placebo-Effekt. Dabei verbinden Patienten laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) in Mönchengladbach die Erfolge im Krankheitsverlauf mit der Einnahme der Globuli oder anderer homöopathischer Arzneien. Das heißt, den Patienten wäre es so oder so besser gegangen, nur der Glaube an eine Wirkung der Mittel hat den Heilungsprozess und Linderung der Symptome bestärkt. Zudem nehmen sich Ärztinnen und Ärzte bei einem Patientengespräch zur homöopathischen Behandlung meist wesentlich mehr Zeit als üblich und die Betreuung erstreckt sich über einen längeren Zeitraum. Dadurch entsteht ein besseres Verhältnis zwischen Betroffenen und Experten, was den Heilungsprozess ebenfalls begünstigen könnte.

Homöopathie bei Allergien: Allergien homöopathisch behandeln

Nicht nur bei Rückenschmerzen, Nervenschmerzen, Kinderwunsch oder in den Wechseljahren schwören Patienten auf Heilpraktiker. Auch bei Allergien setzen viele auf homöopathische Behandlungsmethoden. Da diese immer sehr auf den individuellen Krankheitsverlauf abgestimmt sind, können an dieser Stelle nur allgemeine Hinweise folgen. 

Bei Heuschnupfen empfiehlt der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte beispielsweise den Wirkstoff Galphimia glauca, auch Kleiner Goldregen genannt. Das Grundsubstrat ist ein immergrüner Strauch, der hauptsächlich in Mexiko vorkommt. Er wächst bis zu zwei Meter in die Höhe und trägt große, gelbe Blüten. Verarbeitet soll er antiallergische und psychisch dämpfende Wirkungen haben. Besonders gut soll er bei Symptomen wie gereizten Schleimhäuten in der Nase, dem Mund und dem Rachen und bei Reaktionen der Haut wirken. Bei stark tränenden Augen wird häufig der Wirkstoff Euphrasia empfohlen.

Bei Nesselsucht oder anderen äußeren allergischen Reaktionen, bei denen die Haut anschwillt (z.B. Quaddeln), wird Apis mellifica empfohlen. Ganze Bienen dienen als Grundsubstanz dieses Mittels, das verdünnt auch bei Insektenstichen helfen soll. Ähnlich wie Apis mellifica wirken laut Befürwortern auch Belladonna, Phosphorus oder Sulfur. Bei Atemnot aufgrund einer Tierhaarallergie empfehlen Homöopathie-Experten Acidum formicium. 

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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