Eine Frau liegt auf einer Liege und wird von blauem Licht angestrahlt (Symbolbild).
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Farben können Juckreiz verstärken. Dass sie ihn auch lindern können, haben nun Forscher der Universitätsklinik Basel herausgefunden (Symbolbild).

Experimentelle Therapien

Juckreiz-Behandlung durch Farben: Blau und Grün können die Beschwerden lindern

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Farben können Juckreiz lindern. Das haben Forscher der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Basel herausgefunden. Die Erkenntnisse könnten die medikamentöse Behandlung von Juckreiz ergänzen.

Basel – Wenn der Anblick von Bildern, auf denen Parasiten oder etwas anderes Ekliges abgebildet ist, Juckreiz auslöst, sprechen Experten von „visuell übertragbarem Juckreiz“. Dieses Phänomen hat Mediziner der Universitätsklinik in Basel zu einem Experiment veranlasst: Wenn visuelle Reize Juckreiz auslösen können, könnten sie ihn dann nicht auch lindern? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben die Dermatologen Probanden verschiedene Farben vorgesetzt und sind dabei zu einem erstaunlichen Ergebnis gekommen.

Juckreiz durch Farben behandeln: Juckreiz belastet Betroffene seelisch und körperlich

Normalerweise handelt es sich bei Juckreiz um ein Alarmsignal der Haut, als Reaktion auf veränderte äußere und innere Reize, wie das Deutsche Grüne Kreuz verweist. Als solches ist Juckreiz durchaus sinnvoll und wichtig, da er auf Fremdkörper wie Insekten, Parasiten und reizende Pflanzen (z.B. Brennnessel) aufmerksam macht. Bei dieser normalen Reaktion des Körpers sprechen Experten von akutem Juckreiz, der meist schnell wieder verschwindet und einfach zu behandeln ist. Anders ist es bei anhaltendem Juckreiz, dem sogenannten Chronischen Pruritus. Er kann nach der S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus Leitsymptom vieler verschiedener Krankheiten sein und stellt eine diagnostische und therapeutische Herausforderung dar. Oft entwickelt er einen eigenen Krankheitswert und belastet Betroffene sowohl körperlich als auch seelisch schwer. Juckreiz betrifft etwa die Hälfte aller dermatologischen Patientinnen und Patienten und ist nach Angaben der Universitätsklinik Basel das häufigste haut-bezogene Krankheitssymptom.

Eine häufige Ursache des Juckreizes ist die Neurodermitis. Neben starkem Juckreiz ist sie gekennzeichnet durch Symptome wie:

  • trockene Haut
  • Hautentzündungen, Rötungen
  • Knötchen, Schuppungen
  • entzündungsbedingte Verhornungen und Verdickungen der Haut

Juckreiz durch Farben behandeln: So sind die Dermatologen in ihrer Untersuchung vorgegangen

Bereits länger ist bekannt, dass visuelle Reize Einfluss auf den Juckreiz nehmen können. In der Fachsprache wird dieser Zusammenhang als „Contagious Itch“ (ansteckender Juckreiz) bezeichnet. Die Forscher um PD Dr. Simon Müller und Prof. Alexander Navarini vom Universitätspital Basel haben sich diese Phänomen zunutze gemacht und in Untersuchungen eine mögliche Linderung des Juckreizes durch bestimmte Farben ausgetestet. Dazu haben die Wissenschaftler 72 Probandinnen und Probanden mit unterschiedlich starkem, chronischem Juckreiz gebeten, ihren Beschwerden eine Farbe zuzuordnen. Fast 95 Prozent der Patientinnen und Patienten wählten die Farbe rot. Auf die Frage, welche Farbe ihnen Erleichterung verschaffen könnte, antworteten 80 Prozent mit Blau oder Grün. (Hautpflege bei Neurodermitis: Diese Badezusätze lindern Symptome wie Juckreiz)

Im Anschluss wurden die Probanden über einen Bildschirm in einem abgedunkelten Raum je zehn Minuten mit der von ihnen als „lindern“ oder „verstärkend“ gewählten Farbe konfrontiert. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen: Tatsächlich konnte so der Juckreiz signifikant gelindert bzw. verstärkt werden. Nicht nur der Farbton, sondern auch seine Sättigung hatten dabei Einfluss auf den Juckreiz: Je stärker der Juckreiz die Lebensqualität der Betroffenen einschränkte, desto schwächer war der Sättigungsgrad der von ihnen gewählten juckreizlindernden Farbe und desto stärker der, der juckreizverstärkenden Farbe.

Juckreiz durch Farben lindern: Erkenntnisse könnten die medikamentöse Therapie langfristig unterstützen

Die Studienergebnisse werten die Autoren als durchaus hilfreich für künftige Therapien. So könnten etwa Klinikräume mit entsprechenden Farben ausgestattet und Salben oder juckreizstillende Medikamente mit grünen Verpackungen die medikamentöse Behandlung erleichtern. Zwar sei der Langzeiteffekt dieser experimentellen Therapie noch nicht erforscht, die Wissenschaftler sehen in ihr aber das Potenzial, den Einsatz von Juckreiz-Medikamenten möglicherweise langfristig zu reduzieren. (Nesselsucht und Neurodermitis: Tipps für einen ruhigen und erholsamen Schlaf) 

In einem nächsten Schritt untersuchen die Experten nun die Auswirkung der visuellen Farbexposition mittels virtueller Realität (VR). Den Patientinnen und Patienten wird dabei eine VR-Brille aufgesetzt, die eine Farbexposition in einem 360° Farbraum ermöglicht. Die Vorteile der VR-Farbtherapie sind zum einen, dass sie überall eingesetzt werden könnten, zum anderen ist es auf diese Weise möglich, Farbton und Farbsättigung für jeden Patienten individuell anzupassen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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