Eine Ärztin verarztet ein Mädchen mit einem Pflaster (Symbolbild).
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Bei einer Hyposensibilisierung wird dem Körper in regelmäßigen Abständen der verantwortliche Allergieauslöser verabreicht (Symbolbild).

Was Eltern wissen müssen

Hyposensibilisierung bei Kindern: Ab welchem Alter ist die spezifische Immuntherapie möglich?

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Die Hyposensibilisierung ist die einzige Möglichkeit, eine Allergie loszuwerden. Bei welchen Allergien sie sinnvoll ist und was Eltern über die Behandlung mit Spritzen oder Tabletten wissen müssen.

Aachen – Die Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) ist die einzige Behandlungsform, die Allergie-Symptome nicht nur für kurze Zeit lindert, sondern die Ursache der Erkrankung behandelt. Besonders erfolgsversprechend ist sie im Kinder- und Jugendalter, wenn das Immunsystem noch lern- und veränderungsfähig ist und noch keine chronischen Begleiterkrankungen vorliegen. Welche Behandlungsform zum Einsatz kommt, wie groß die Erfolgsaussichten und Risiken für mögliche Nebenwirkungen sind, hängt maßgeblich von der bestehenden Allergie ab.

Hyposensibilisierung bei Kindern: So funktioniert die spezifische Immuntherapie

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem auf bestimmte Allergieauslöser, sogenannte Allergene, mit einer überschießenden Reaktion. Um diese abzumildern, werden dem Körper bei einer Hyposensibilisierung in regelmäßigen Abständen kleinste Dosen des Allergens zugeführt, bis das Abwehrsystem eine Toleranz gegenüber der Substanz entwickelt. Die Hyposensibilisierung ist die einzige ursächliche Therapiemöglichkeit, um allergische Reaktionen langfristig zu mildern oder bestenfalls gänzlich vorzubeugen. Sie ist nach Angaben der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) auch schon bei Kindern möglich.

Hyposensibilisierung bei Kindern: Verschiedene Formen der spezifischen Immuntherapie

Mediziner unterscheiden zwei Formen der Hyposensibilisierung: Die subkutane Immuntherapie (= SCIT) und die sublinguale Immuntherapie (= SLIT). Bei der SCIT, der am häufigsten angewendeten Hyposensibilisierungsform, werden dem Kind über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren zunächst wöchentlich, später monatlich Lösungen mit dem Allergen unter die Haut gespritzt. Im Verlauf der Therapie wird die Dosis gesteigert. Die SCIT kann auch als Kurzzeittherapie über mehrere Monate erfolgen, vermutlich dann aber mit geringer Wirksamkeit als bei einer Langzeittherapie. Bei besonders starken Allergien, wie einer Insektengiftallergie, ist sie auch als Schnellhyposensibilisierung mit rasch steigenden Allergen-Dosierungen möglich. Bei einer Schnellhyposensibilisierung startet die Behandlung zunächst stationär. Wird die Therapie gut vertragen, kann sie ambulant fortgeführt werden.

Bei der SLIT werden die Allergene hingegen über 3 Jahre täglich als Tropfen oder Tabletten über die Mundschleimhaut verabreicht - zu Beginn unter ärztlicher Aufsicht, später zuhause. Bei saisonalen Allergien, wie einer Pollenallergie, kann sich die Behandlung auch auf bestimmte Teile des Jahres beschränken. (Milben, Pollen und Bakterien in Stofftieren: Kuscheltiere richtig waschen)

Hyposensibilisierung bei Kindern: Warum die ursächliche Behandlung einer Allergie schon im Kindesalter sinnvoll ist

Wie der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verweist, ist eine Hyposensibilisierung am wirksamsten, wenn eine Allergie erst seit Kurzem besteht. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, die Behandlung bereits im Kinder- oder Jugendalter durchzuführen. Wird die Therapie konsequent durchgezogen, schätzen Experten die Erfolgsaussichten auf 80 Prozent.

Vorteile der Hyposensibilisierung im Kindesalter sind laut GPA:

  • Im frühen Stadium einer Allergie haben sich noch keine chronischen Veränderungen an Organen gebildet
  • Das Immunsystem ist im Kindesalter noch besonders lern- und veränderungsfähig
  • In der Regel reagieren Allergiker im Laufe der Jahre auf immer mehr Allergene. Am wirksamsten ist eine Hyposensibilisierung jedoch, wenn der Körper nur auf ein oder wenige Allergieauslöser reagiert
  • Eine Hyposensibilisierung kann der Entstehung neuer Allergien vorbeugen und verhindert einen Etagenwechsel, z.B. von den oberen in die unteren Atemwege

Hyposensibilisierung bei Kindern: Bei welchen Allergien und in welchem Alter wird die Therapie durchgeführt?

Ob und welche Form der Hyposensibilisierung für ein Kind geeignet ist, hängt von der Art der Allergie und den Symptomen ab. Bisher ist sie bei allergischem Schnupfen (z.B. ausgelöst durch eine Pollenallergie), einer allergischen Bindehautentzündung, allergischem Asthma bronchiale, bei Insektengiftallergien, Hausstauballergien und in seltenen Fällen bei Tierhaarallergien (sofern der Auslöser nicht gemieden werden kann) möglich. Zugelassene Präparate für primäre Nahrungsmittelallergien (z.B. Erdnuss) sind bisher nicht verfügbar. (Nahrungsmittelallergien: Das sind die häufigsten allergenen Lebensmittel)

Am häufigsten kommt die spezifische Immuntherapie bei einer Pollenallergie zum Einsatz, bei der es auch zu pollenassoziierten Nahrungsmittelallergien durch Kreuzreaktionen auf Eiweiße, die sowohl in den Pollen als auch in bestimmten Nahrungsmitteln enthalten sind, kommen kann. In diesem Fall kann sich die Hyposensibilisierung auch positiv auf die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie auswirken. (Kreuzallergien: Wenn das Immunsystem auf Doppelgänger reagiert)

Ab welchem Alter die Hyposensibilisierung möglich ist, ist ebenfalls abhängig von der Allergie. Laut GPA ist sie bei allergischem Schnupfen, einer allergischen Bindehautentzündung und allergischem Asthma bronchiale ist bereits ab einem Alter von 5-6 Jahren sinnvoll - bei einer Allergie gegen Insektengift sogar noch früher.

Hyposensibilisierung bei Kindern: Was ist bei der Durchführung zu beachten?

Wählt ein erfahrener Arzt die richtigen Allergene in der richtigen Dosierung aus, sind Nebenwirkungen selten. Trotzdem können, wie bei jeder Behandlung, unerwünschte Reaktionen nicht ausgeschlossen werden. Mögliche Nebenwirkungen bei einer subkutanen Immuntherapie sind:

  • Häufig: Leichte Schwellungen an der Einstichstelle
  • Sehr selten: Juckreiz, Hautausschlag, Husten, Atemnot, Herzklopfen oder Schwindel 
  • Sehr selten und fast ausschließlich im Erwachsenenalter: allergischer Schock

Bei einer sublingualen Immuntherapie sind in den ersten Wochen der Behandlung dagegen Nebenwirkungen wie Juckreiz, Missempfindungen, Reizungen und Schwellungen in der Mundhöhle und im Rachen häufig. In seltenen Fällen können Magen-Darm-Beschwerden und noch seltener Allgemeinreaktionen auftreten.

Wichtig für den Therapieerfolg ist, dass die Behandlung regelmäßig und konsequent über einen Zeitraum von drei Jahren erfolgt. Nicht durchgeführt werden sollte eine Hyposensibilisierung laut den Experten des GPA dagegen bei unkontrolliertem Asthma, bei schweren Autoimmunerkrankungen, therapiebedürftigen Krebserkrankungen und Immundefekten.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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