Adrenalin in der Allergie-Therapie: Darum hilft Adrenalin bei einem anaphylaktischen Schock

Die Wirkung des Stresshormons Adrenalin auf unseren Körper ist vielseitig. Als Medikament spielt es vor allem in der Allergie-Behandlung eine wichtige Rolle.
- Ein anaphylaktischer Schock ist lebensbedrohlich – innerhalb weniger Minuten kann die allergische Reaktion fatale Folgen haben.
- Ein Allergie-Notfallset mit Adrenalin-Autoinjektor gehört zu den wichtigsten Maßnahmen bei einer Anaphylaxie.
- Adrenalin reduziert gleichzeitig die Symptome an Herz, Haut und Atemwegen - und verhindert so einen Kreislauf-Kollaps.
München – Adrenalin gehört neben Antihistaminika und Cortison zu den wichtigsten Wirkstoffen in der Versorgung von Allergien. Vor allem bei akuten allergischen Beschwerden wie einem anaphylaktischen Schock (Anaphylaxie) kann das Arzneimittel Leben retten. Was Sie über Adrenalin wissen müssen und für wen das Medikament geeignet ist, erfahren Sie hier.
Adrenalin: Wie wirkt Adrenalin im Körper?
Der Botenstoff Adrenalin wird unter Stress oder in Angstsituationen ausgeschüttet – und kann den menschlichen Organismus innerhalb von Sekunden in Alarmbereitschaft versetzen. Für unsere Vorfahren war das überlebenswichtig. Denn das Hormon ermöglicht es dem Körper, Energiereserven freizusetzen, um in gefährlichen Situationen flexibel zu reagieren. Doch obwohl wir uns heutzutage nicht mehr vor wilden Tieren in acht nehmen oder unsere Höhle verteidigen müssen, ist die körperliche Reaktion bei Stress noch stets die Gleiche geblieben.
Das sogenannte Stresshormon Adrenalin wird in den Nebennieren gebildet. Bei körperlichem oder psychischem Stress produziert das Nebennierenmark vermehrt Adrenalin. Über das Blut gelangt es in den Organismus und erreicht so die Organe, die in einer Gefahrensituation schnell funktionsbereit sein müssen. So wirkt Adrenalin wie Noradrenalin vor allem auf das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel, um dem Körper zusätzliche Energie zur Verfügung zu stellen.
Wirkung von Adrenalin: Körpereigenes Alarmsystem
Beide Hormone bewirken, dass der Herzschlag beschleunigt, Puls und Blutdruck erhöhen und die Bronchien sich erweitern. Auch äußerlich zeigt sich die Wirkung des Adrenalins: Setzt der Körper Adrenalin und Noradrenalin frei, bildet sich kalter Schweiß auf der Stirn, Zitteranfälle und Herzrasen können auftreten. Typische Auswirkungen von Adrenalin und Noradrenalin auf den Körper sind:
- Hoher Blutdruck: Wichtige Organe wie Gehirn und Muskeln werden über das Gefäßsystem mit mehr Blut versorgt.
- Herzrasen: Das Herz wird stärker aktiviert, es pumpt kräftiger und der Herzschlag wird schneller.
- Verbesserter Blutzuckerstoffwechsel: In der Leber wird der Blutzuckerspiegel reguliert, welcher mehr Blutzucker bereitstellt.
- Erweiterte Pupillen: Durch Vergrößern der Pupillen wird das Sichtfeld erweitert.
- Beschleunigte Atmung: Erweiterte Bronchien und schneller Atem sorgen dafür, dass mehr Sauerstoff ins Blut gelangt.
Die Zellen werden durch die Wirkung des Adrenalins vermehrt mit Sauerstoff versorgt, dadurch stehen dem Körper mehr Energiereserven zur Verfügung. Zusätzlich hat Adrenalin einen hemmenden Effekt auf die Organe, die nicht überlebenswichtig sind. So verringert Adrenalin die Aktivität des Darms und die Durchblutung der Fortpflanzungsorgane.
Auch in der Medizin spielt Adrenalin eine Rolle. Denn der Wirkstoff, auch Epinephrin genannt, gehört zu den wichtigsten Medikamenten in der Notfalltherapie von Allergien. Grund dafür: Adrenalin wirkt bei akuten allergischen Beschwerden wie einem anaphylaktischen Schock besonders schnell.
Anaphylaktischer Schock: Wann wird Adrenalin eingesetzt?
Bei einer Allergie reagiert der Körper mit einer Abwehrreaktion gegen vermeintlich schädliche Substanzen wie Pollen, Hausstaub oder Nahrungsmittel. Kommt es zu einer heftigen allergischen Reaktion spricht man von einem anaphylaktischen Schock, auch Anaphylaxie genannt. Die häufigsten Auslöser eines anaphylaktischen Schocks sind Arzneimittel, Insektengift und Nahrungsmittel wie Erdnüsse. Kommt das Immunsystem mit einem bestimmten Allergen in Kontakt, kann dies innerhalb von Sekunden zu einer allergischen Reaktion führen. Dabei schüttet der Körper Histamin in großen Mengen aus, die Blutgefäße weiten sich. Zudem kann es zu Schwellungen der Atemwege und akuter Atemnot, bis hin zum Kreislaufstillstand kommen.
An diesen Anzeichen erkennen Sie einen anaphylaktischen Schock:
- Haut: Rötungen, Juckreiz, Quaddeln (Nesselsucht), Schwellungen im Gesicht
- Magen-Darm: Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall
- Herz-Kreislauf-System: beschleunigter Puls, Herzrasen, Schwindel bis hin zu Bewusstlosigkeit
Adrenalin: Wichtigster Wirkstoff in der Notfalltherapie
Bei einer Anaphylaxie ist es jederzeit möglich, dass der Kontakt mit einem kritischen Allergen einen anaphylaktischen Schock auslöst. In diesem Fall kann die Gabe von Adrenalin lebensrettend sein. Damit die Patienten sich selbst schnellstmöglich helfen können, gibt es Adrenalin-Autoinjektoren. Diese sind Teil eines Allergie-Notfallsets, das betroffene Allergiker immer mit sich führen sollten.
Adrenalin ist bei einem anaphylaktischen Schock immer die erste Wahl. Das Medikament reduziert im Fall schwerer allergischer Reaktionen die gefährlichen Symptome und verhindert dadurch einen gefährlichen Kreislauf-Kollaps. So behandeln Medikamente wie Antihistaminika und Cortison in Form von Injektionen, Infusionen oder Tabletten allergische Beschwerden zwar wirkungsvoll, doch ihre Wirkung setzt deutlich später ein als die des Adrenalins.
Behandlung mit Adrenalin: Anaphylaktischer Schock kann tödlich enden
In jedem Fall erfordert eine anaphylaktische Reaktion schnelles Handeln. Laut dem Allergieinformationsdienst des Helmholtz-Zentrums-München sollte im Notfall so vorgegangen werden:
- Den Kontakt mit dem Allergieauslöser schnellstmöglich verhindern, insofern das Allergen bekannt ist.
- Ist ein Notfallset vorhanden, sollte das Adrenalin mithilfe des Autoinjektors sofort verabreichen werden.
- Erst danach sollte der Notarzt verständigen werden.
- Legen Sie den Patienten in die stabile Seitenlage falls dieser bewusstlos ist.
- Tritt ein Herz-Kreislauf-Stillstand ein, muss schnellstmöglich mit einer Herzdruck-Massage und Beatmung begonnen werden.
Adrenalin: Das müssen Sie beachten
Der Adrenalin-Autoinjektor ist das wirksamste Soforthilfemedikament bei einem anaphylaktischen Schock. Diesen können Betroffene sich im Notfall auch selbst verabreichen. Für Betroffene und Ersthelfer gilt: das Adrenalin kann in sowohl in die Vene, als auch in den Muskel gespritzt werden. Im Muskel ist er jedoch nicht nur für das Herz-Kreislauf-System besser verträglich, sondern dort kann die Injektion kann auch mehrmals verabreicht werden.
Patienten, bei denen eine heftige allergische Reaktion bekannt ist, müssen ihr Notfallset immer griffbereit haben. Treten die allergischen Beschwerden unerwartet auf, kann Adrenalin Allergikern das Leben retten. Schon bei den ersten Anzeichen wie Juckreiz, Quaddeln oder Schwindel sollte das Medikament, um Schlimmeres zu vermeiden, schnellstmöglich verabreicht werden.
Adrenalin-Autoinjektor: Anwendung und Durchführung
Die Gabe des Adrenalins mithilfe des Autoinjektors ist in der Regel sehr einfach zu handhaben. Eine genaue Beschreibung finden Betroffene und Ersthelfer in der Gebrauchsanweisung des Präparats. Zunächst muss die Schutzkappe des Autoinjektors entfernt werden, so dass die Injektionsnadel frei ist. Dann drückt man die Nadel gegen den Oberschenkelmuskel oder falls nötig durch die Kleidung, um keine Zeit zu verlieren. Ein Pfeil auf der Spritze zeigt die richtige Richtung an, zudem befindet sich eine Kurzanleitung auf der Spritze. Ein Klick-Geräusch gibt an, dass das Adrenalin freigesetzt. Um sicher zu sein, dass der Wirkstoff im Muskel ankommt, zählt man währenddessen bis zehn.
Wer sich genauer zu den Erste-Hilfe-Maßnahmen und der Selbstversorgung bei einem anaphylaktischen Schock informieren möchte, findet beim Anaphylaxieregister ein erklärendes Video „Anaphylaxie erkennen und behandeln“. Damit Patienten im Notfall schnell handeln können, gibt es die Möglichkeit in einer Anaphylaxie-Schulung den Ernstfall zu üben. Zudem sollten sich Betroffene und Eltern allergischer Kinder den Umgang mit dem Autoinjektor vom behandelnden Arzt genau zeigen lassen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.