Ein Arzt gibt einem Kind eine Spritze in den Arm (Symbolbild).
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Corona: Viele Behandlungen wurden aufgrund der Pandemie verschoben (Symbolbild).

Abgesagte Arztbesuche

Allergiebehandlung und Corona-Pandemie: Hyposensibilisierung wird häufig verschoben

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Die spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, gilt als einzige ursächliche Therapie bei allergischen Erkrankungen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie wurde die Behandlung jedoch häufig verschoben oder ausgesetzt, wie Wissenschaftler jetzt herausgefunden haben.

München – Aufgrund der Zahl der Corona-Infektionen und der Belastungen für das Gesundheitswesen wurden im vergangenen Jahr viele planbare Operationen und Behandlungen verschoben. Gerade für sehr kranke Menschen kann der verzögerte Zugang zu einer Therapie jedoch schwerwiegende Folgen haben. So warnten britische und kanadische Wissenschaftler bereits im vergangenen Jahr davor, dass schon ein Monat Verzögerung in der Krebstherapie das Sterberisiko von Patienten deutlich erhöhen kann.

Doch auch in anderen Bereichen hat sich die Behandlungssituation verschärft. So hat die Corona-Pandemie ebenfalls in der Allergie-Behandlung immer wieder Fragen und Unsicherheiten aufgeworfen. Welchen Einfluss Corona auf den Einsatz und die Verträglichkeit von Immuntherapien hat, haben nun Forscher der Europäischen Akademie für Allergie und klinische Immunologie (EAACI) untersucht.

Allergiebehandlung während der Corona-Pandemie: Hyposensibilisierung häufig verschoben

Im Rahmen ihrer Studie analysierten die Experten der Europäischen Akademie für Allergie und klinische Immunologie (EAACI) mithilfe einer webbasierten Umfrage, ob behandelnde Ärzte seit Beginn der Pandemie in ihrer täglichen Praxis etwas an der Durchführung der allergiespezifischen Immuntherapie (Hyposensibilsierung) geändert haben.

Dazu befragten die Forscher insgesamt 417 Ärzte und Vertreter des Gesundheitswesens aus verschiedenen europäischen Ländern, die in ihrer täglichen Routine eine spezifische Immuntherapie anbieten. Anhand 27 standardisierter Fragen versuchten die Wissenschaftler zu ermitteln, ob und was sich am Einsatz und der Verträglichkeit der Immuntherapie aufgrund der Pandemie verändert hat. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Fachmagazin „Allergy“.

Allergiebehandlung während der Corona-Pandemie: Vertrauen in die Therapie spielt eine Rolle

Die Ergebnisse sind aus Sicht der Autoren bemerkenswert. Denn: Rund 60 Prozent der Teilnehmer gaben an, geplante Behandlungen wie die subkutane Immuntherapie (SCIT) auf die Zeit nach dem Lockdown verschoben zu haben - und das, obwohl die Patienten keine Symptome für COVID-19 vorwiesen. Nur 35 Prozent der Befragten gaben dagegen an, eine sublinguale Immuntherapie (SLIT) verschoben zu haben.

Warum Ärzte häufiger Behandlungen mit der subkutanen Immuntherapie (SCIT) verschoben haben, ist laut den Forschenden allerdings unklar. Laut den Autoren könnte jedoch das Vertrauen in die Therapie eine Rolle spielen. So scheinen Ärzte nach Angaben des Allergieinformationsdienstes mehr Vertrauen in die Sicherheit der SLIT im Vergleich zur SCIT zu haben, insbesondere in der Anfangsphase der Behandlung.

Allergiebehandlung während der Corona-Pandemie: Begonnene Hyposensibilisierung unbedingt weiterführen

Da es sich bei einer Allergie keinesfalls um eine harmlose Erkrankung handelt, müssen Symptome möglichst früh eingestuft und behandelt werden. Aufgrund der aktuellen Corona-Situation scheinen sich die Behandlungsbedingungen für Allergie-Patienten jedoch nachweislich zu verschlechtern. Das berichtet der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). Das liegt laut den Experten allerdings nicht nur an einer verzögerten Diagnostik, sondern auch an verschobenen Behandlungen.

Wer eine spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, bereits begonnen hat, sollte diese auch weiterführen. Verschoben werden sollten einzelne Dosen nur, wenn es Anzeichen einer Infektion mit dem Coronavirus gibt oder Patienten unter anderen akuten fieberhaften Erkrankungen leiden. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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