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Allergische Reaktionen bei Kindern: Einnahme von Antibiotika kann diese unerwünschten Folgen haben

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Von: Laura Knops

Ein krankes Kind mit Fieber liegt im Bett (Symbolbild).

Kinder, die schon früh Antibiotika verabreicht bekommen, leiden möglicherweise häufiger an Allergien und Asthma (Symbolbild). © imago images / Science Photo Library

Kinder, die schon früh Antibiotika einnehmen, scheinen häufiger an Immunkrankheiten wie Allergien und Asthma zu leiden. Die Ursache könnte ein gestörtes Darmmikrobiom sein. 

Rochester (USA) – Galten bakterielle Infektionen zu früheren Zeiten noch als sicheres Todesurteil, können sie heutzutage dank der Entdeckung von Medikamenten wie Antibiotika in der Regel gut behandelt werden. Doch Antibiotika beseitigen nicht nur gefährliche Krankheitserreger, auch nützliche Bakterien im Darm werden vernichtet. Das kann langfristige Folgen haben: So vermuten Forscher schon seit geraumer Zeit, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Antibiotika und einer Reihe von Erkrankungen gibt. Vor allem bei Kleinkindern scheint die Gabe von Antibiotika das Risiko für bestimmte Krankheiten zu erhöhen.

Allergierisiko bei Kindern: Einnahme von Antibiotika kann langfristige Folgen haben

Forscher der US-amerikanischen Mayo Clinic und der Rutgers University in New York haben in einer aktuellen Studie untersucht, welche Rolle die Darmflora bei der Entwicklung von Verdauungsstörungen, Erkrankungen des Immunsystems sowie des Verhaltens spielt. Die Ursache für diese Krankheiten könnte laut den Wissenschaftlern im Darm liegen: Da das frühkindliche Mikrobiom noch in der Entwicklung ist, scheint es in dieser Phase besonders anfällig zu sein. Wird es durch die Einnahme von Antibiotika aus dem Gleichgewicht gebracht, kann das daher schwerwiegende Folgen haben.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen der Gabe von Antibiotika im Baby- und Kleinkindalter und der Entstehung von Krankheiten wie Allergien gibt. Die Wissenschaftler aus den USA wollten nun herausfinden, ob sich die Ergebnisse auf eine Vielzahl von Erkrankungen wie Asthma, Allergien, Neurodermitis, aber auch neurophysiologischen Krankheiten wie ADHS anwenden lassen.

Allergierisiko bei Kindern: Die ersten zwei Lebensjahren sind besonders wichtig

Dazu untersuchten die Forscher insgesamt 14.500 US-amerikanische Kinder, die zwischen 2003 und 2011 geboren wurden. Rund 70 Prozent der Probanden hatten bereits bis zum Alter von zwei Jahren Antibiotika eingenommen. Zudem ermittelten die Wissenschaftler, welche Kinder im Laufe ihres Lebens häufiger an Asthma, Allergien, Neurodermitis, ADHS, Übergewicht und Zöliakie erkrankten.

Zaira Aversa und ihre Kollegen von der US-amerikanischen Mayo Clinic berichten in einer Pressemitteilung: „Wir stellten fest, dass Kinder, die in den ersten zwei Lebensjahren mit gängigen Antibiotika wie Penicillin, Cephalosporinen und Macroliden behandelt wurden, mit höherer Wahrscheinlichkeit Asthma und allergischen Schnupfen entwickelten.“ Zudem stellte das Forscherteam um Zaira Aversa fest: „Auch das Risiko für Neurodermitis, Nahrungsmittelallergien und Zöliakie war in dieser Gruppe signifikant erhöht.“

Allergierisiko bei Kindern: Risiko scheint sich mit der Dosis zu erhöhen

Weitere Untersuchungen ergaben zudem, dass sich das Risiko abhängig von der eingenommenen Dosis erhöhte. So erkrankten Kinder, die die Medikamente häufiger und in höheren Dosen zu sich nahmen, später deutlich öfter. Vor allem die Einnahme in den ersten sechs Monaten wirkte sich dabei auf das Risiko für Spätfolgen aus. Das weist laut den Forschern daraufhin, dass Antibiotika die frühkindliche Darmflora in einer entscheidenden Entwicklungsphase aus dem Gleichgewicht bringen und so die Entstehung von Immunkrankheiten fördern.

Die Wissenschaftler weisen allerdings darauf hin, dass es sich bei den Ergebnissen nur um Korrelationen handelt. Weitere Studien seien nötig, um den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antibiotika und Autoimmunkrankheiten zu bestätigen. „Die Ergebnisse sollten die Praxis der Ärzte in Bezug auf die Häufigkeit der Verschreibung von Antibiotika verändern, insbesondere bei leichten Erkrankungen“, so Martin Blaser von der Rutgers University. Weiter erklärt er: „Die zunehmende Häufigkeit von Erkrankungen, die bereits in der Kindheit beginnen, löst Besorgnis hinsichtlich der Antibiotika-Einnahmen während wichtiger Entwicklungsphasen aus.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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