Ein älteres Paar blickt auf auf das Meer (Symbolbild).
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Auch im Alter leiden vielen Menschen noch unter einer Allergie (Symbolbild).

Impfung gegen Allergie

Allergien im Alter: Für wen die Hyposensibilisierung geeignet ist

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Eine Hyposensibilisierung oder Immuntherapie ist die einzige Therapie, die die Ursachen einer Allergie bekämpft. Auch für ältere Menschen ist die Behandlung daher sinnvoll.

  • Obwohl Allergien sich vor allem in jungen Jahren bemerkbar machen, können sie auch im Alter auftreten.
  • Wer eine Allergie entwickelt, der leidet meist sein Leben lang an den Beschwerden.
  • Die Hyposensibilisierung ist die einzige Therapie, die die Ursachen einer Allergie bekämpft.

Mönchengladbach – Lange gingen Mediziner davon aus, dass eine Hyposensibilisierung nur bis zu einem gewissen Alter Sinn macht. Nicht nur schien die Immuntherapie bei jungen Patienten wirksamer, sondern auch weniger Nebenwirkungen hervorzurufen. Mittlerweile ist klar: Auch ältere Menschen sollten vor der Behandlung nicht zurückschrecken.

Allergien: Auch Senioren immer häufiger betroffen

Laut dem Robert Koch-Institut leiden immer mehr Menschen unter einer Allergie. Fast jeder dritte Deutsche ist von einer allergischen Erkrankung betroffen. Auch die Zahl der Senioren, die an Heuschnupfen erkranken, steigt seit einigen Jahren stetig an. Woran das liegt, ist bisher unklar. „Die Möglichkeit, auch im höheren Alter zum ersten Mal an einer Allergie zu erkranken, unterschätzen viele Menschen“, erklärt Norbert Mülleneisen vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (AeDA). Früher sei man der Ansicht gewesen, dass Neusensibilisierungen nur bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftreten. Mittlerweile gehen Experten jedoch davon aus, dass sich Allergien in jedem Alter bemerkbar machen.

So sind allergische Beschwerden auch bei Erwachsenen ab 50 Jahren weit verbreitet. Oft werden die Symptome jedoch nicht ernst genommen. Das hat nicht selten weitreichende Folgen. Denn mit dem Alter werden nicht nur die Bronchien anfälliger, auch die Gefahr eines allergischen Asthmas nimmt zu. So kann sich aus einem harmlosen Heuschnupfen nach und nach eine asthmatische Erkrankung entwickeln, wenn dieser unbehandelt bleibt.

Hyposensibilisierung: Bei welchen Allergenen kommt sie zum Einsatz?

Bei einer Hyposensibilisierung, auch spezifische Immuntherapie (SIT) oder Desensibilisierung genannt, handelt es sich um eine Behandlungsmethode, die in der Allergie-Therapie eingesetzt wird. Ziel ist es, das Immunsystem nach und nach an die allergieauslösenden Stoffe zu gewöhnen. Sie ist bisher die einzige Therapie, die die Ursachen einer Allergie bekämpft. Über einen Zeitraum von drei Jahren erhalten Patienten stark verdünnte Allergene in Spritzen, Tabletten oder Tropfen-Form. Dabei verabreicht der Arzt die Medikamente in steigenden Dosen. Zunächst wöchentlich, danach in immer größeren Abständen. Das Immunsystem kann sich so an mit der Zeit an die Allergieauslöser gewöhnen.

Die Hyposensibilisierung kommt laut Deutschem Allergie- und Asthmabund (DAAB) vor allem für Patienten infrage, deren Lebensqualität stark durch die allergischen Beschwerden eingeschränkt ist. Aber auch bei Allergien, deren Auslöser nur schwer zu vermeiden sind, ist die Behandlung eine Option. Dazu zählen beispielsweise Hausstaubmilben, Pollen, Schimmelpilze und Insektengift. Eine Hyposensibilisierung sollte jedoch nicht durchgeführt werden, wenn Sie unter folgenden Erkrankungen leiden:

  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • chronische Infektionskrankheiten wie Tuberkulose
  • Chronische Entzündungen wie Rheuma
  • Andere Autoimmunerkrankungen
  • Immunschwäche
  • Akute Krebserkrankungen
  • Schweres allergisches Asthma

Hyposensibilisierung: Spielt das Alter eine Rolle

Ob die Hyposensibilisierung anschlägt oder nicht, ist keineswegs abhängig vom Alter des Patienten. Einen viel größeren Einfluss auf den Erfolg der Therapie hat vielmehr, wie lange der oder die Betroffene bereits an der Allergie leidet. Zudem beeinflusst auch die Ausprägung der allergischen Beschwerden die Wirksamkeit der Behandlung.

Bei wem die Allergie schon früh festgestellt wird, der hat in der Regel die besten Chancen auf eine Heilung. Sind die Symptome erst seit kurzer Zeit - also in den letzten drei bis fünf Jahren - bekannt, macht die Hyposensibilisierung auch bei Senioren durchaus noch Sinn. Ist die Erkrankung bereits weiter fortgeschritten oder sind bereits Bronchien und Schleimhäute in Mitleidenschaft gezogen, hilft die Immuntherapie meist nur noch bedingt.

Hyposensibilisierung im Alter hängt von der Diagnose ab

In welchem Alter die Hyposensibilisierung durchgeführt wird, hängt dabei stark von der Allergie ab. Das zeigt eine Analyse von Daten gesetzlich krankenversicherter Patienten, die im 2019 mindestens eine Hyposensibilisierung gegen Insektengift, Pollen oder Milben durchgeführt haben. So erhält laut dem deutschen Ärzteblatt mehr als jedes zweite Kind unter neun Jahren eine Behandlung gegen Gräser- und Baumpollen. Bei den über 70-Jährigen sind es dagegen nur elf Prozent. Anders sieht es bei Patienten mit einer Insektengiftallergie aus: Während nur rund drei Prozent der unter Drei-Jährigen eine spezifische Immuntherapie erhalten, werden rund ein Drittel der Senioren über 70 Jahren gegen Bienen- oder Wespengift geimpft.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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