Verschiedene Medikamente wie Tabletten und Salben liegen zusammen (Symbolbild).
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Im Zweifel packt man wärmeempfindliche Medikamente zum Schutz vor sommerlicher Hitze in eine Kühltasche (Symbolbild).

Tabletten, Tropfen und Salbe

Antihistaminika: So wirkt das Medikament – Alle Infos zu Anwendung und Nebenwirkungen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Als Salbe, Tabletten oder Spray – Antihistaminika gehören zu den wichtigsten Medikamenten in der Behandlung allergischer Reaktionen. Der Wirkstoff ist meist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und hat nur selten Nebenwirkungen.

  • Wer auf Pollen allergisch reagiert, den quälen im Frühjahr und Sommer die typischen allergischen Beschwerden.
  • Wird der Leidensdruck durch die Pollenallergie zu groß, hilft meist nur der Gang zur Apotheke.
  • Häufig greifen Heuschnupfen-Geplagte dabei zu entzündungshemmenden Antihistaminika.

Berlin – Geschwollene Augen, laufende Nase und ständiger Niesreiz – rund ein Drittel der Deutschen leiden laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) unter einer Allergie. Während Heuschnupfen-Geplagte vor allem im Frühjahr und Sommer mit allergischen Beschwerden zu kämpfen haben, sind Menschen mit Hausstauballergie meist das ganze Jahr betroffen. Zahlreiche Medikamente versprechen schnelle Hilfe bei unangenehmen Allergie-Symptomen. Antihistaminika gehören dabei zu den wichtigsten Arzneimitteln, die in der Behandlung allergischer Reaktionen eingesetzt werden. Erfahren Sie hier alles zur Anwendung, Wirkung und möglichen Nebenwirkungen.

Antihistaminika: So wirkt das Arzneimittel

Bei einer allergischen Reaktion kommt es zu einer Abwehrreaktion des Immunsystems gegen eigentlich harmlose Substanzen wie Pollen, Hausstaub oder Tierhaare. Dabei produziert der Körper vermehrt Histamin. Histamin ist ein natürliches Gewebshormon (Botenstoff), welches normalerweise an verschiedenen körperlichen Vorgängen beteiligt ist. So reguliert der Botenstoff beispielsweise die Produktion von Magensäure oder den Schlaf-Wach-Rhythmus. Wird im Zuge der allergischen Reaktion besonders viel Histamin freigesetzt, kommt es zu den typischen allergischen Symptomen wie Rötungen, Juckreiz und tränenden Augen.

Antihistaminika, auch Histamin-Rezeptor-Blocker genannt, wirken antiallergisch, indem sie die Wirkung des Botenstoffs Histamins hemmen. Dabei binden Antihistaminika an die Rezeptoren, die normalerweise für die Aufnahme des Histamins verantwortlich sind. Der Wirkstoff reduziert also das Hormon nicht direkt, sondern blockiert vielmehr die Bindungstellen. Dadurch kann das Histamin nicht mehr in die Zelle gelangen und die allergischen Symptome werden unterdrückt. Neuere Wirkstoffe können zusätzlich die Wirkung weiterer, entzündungsfördernder Botenstoffe hemmen.

Antihistaminika: Wie wirken die Medikamente auf Zellebene?

Damit das Histamin seine Wirkung entfaltet, muss es sich an einen entsprechenden Histamin-Rezeptor binden. Als Rezeptoren bezeichnet man spezielle „Andockstellen“ in der Zellwand. Im Fall einer allergischen Reaktion spielen vor allem die sogenannten H1-Rezeptoren eine Rolle, an die sich das Histamin bindet. H1-Rezeptoren sind vor allem für die allergischen Symptome an Nase, Augen und Haut verantwortlich.

Neben dem H1-Rezeptor sind noch andere Rezeptoren bekannt (H1 bis H4). H2-Rezeptoren regulieren beispielsweise den Herzschlag und die Produktion von Magensaft, H3-Rezeptoren sind an der Steuerung des Hunger- und Durstgefühls, der Körpertemperatur und des Blutdrucks beteiligt. H4-Rezeptoren finden sich insbesondere auf Zellen des blutbildenden Systems und des Immunsystems. Allerdings sind vor allem die H1-Rezeptoren an der allergischen Reaktion beteiligt. Daher zielen Antihistaminika auch vor allem auf diese Andockstellen ab.

Anwendung bei Allergien und Heuschnupfen: Wann werden Antihistaminika eingesetzt?

Antihistaminika werden vor allem in der Behandlung von leichten bis mittelschweren allergischen Symptomen eingesetzt. Typische Anwendungsgebiete der Arzneimittel sind:

Welche Antihistaminika gibt es?

Bei der Behandlung einer Allergie unterscheiden Experten zwischen einer kurzfristigen Linderung der allergischen Beschwerden und einer langfristigen Ursachenbekämpfung. In der Therapie stehen Patienten verschiedene Präparate zur Verfügung. Antihistaminika kommen dabei vor allem in der symptomatischen Behandlung zum Einsatz – die Medikamente helfen schnell und effektiv gegen eine Reihe von Allergie-Symptomen. Je nachdem, unter welchen Symptomen Betroffene leiden und wie stark die Allergie ausfällt, helfen Tabletten, Salbe oder Cremes.

Dabei unterscheiden Experten zwischen systemischen und topischen Antihistaminika:

  • Systemische Medikamente: Systemische Medikamente, wie Tabletten oder Spritzen, wirken auf den gesamten Körper. Ihre Wirkung hält meist länger an, ist dafür jedoch auch weniger spezifisch.
  • Topische Medikamente: Topische Medikamente wirken lokal, also vor allem dort, wo sie angewendet werden. Antihistaminisches Nasenspray oder Augentropfen werden beispielsweise gezielt eingesetzt, um allergischen Schnupfen und tränende Augen zu behandeln.

Antihistaminika: Wann und wie lange kann man Antihistaminika anwenden?

Die meisten Antihistaminika sind nicht verschreibungspflichtig und ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. Die Wirkung der Antihistaminika tritt meist schon kurze Zeit nach der Anwendung ein - etwa 10 bis 30 Minuten dauert es, bis der Wirkstoff anschlägt. Zudem hält die Wirkung bis zu 24 Stunden an. Auch im Notfall sind die Medikamente nicht aus der Allergie-Therapie wegzudenken. Denn durch ihre schnelle Wirkung, helfen sie auch in akuten, lebensbedrohlichen Situationen wie bei einer allergischen Reaktion vom Soforttyp ausgelöst durch eine Insektengiftallergie oder Nahrungsmittelallergie.

Achtung! Manche Arzneimittel können als Nebenwirkung große Müdigkeit verursachen. Diese Mittel sollte man tagsüber nicht nehmen. Ratsamer ist es die Antihistaminika vor dem Schlafen gehen einzunehmen. Bei den neueren Präparaten tritt Müdigkeit jedoch nur selten auf.

Antihistaminika: Welche Antihistaminika gibt es und wann werden sie eingesetzt?

Während frühere Antihistaminika häufig zu unangenehmen Nebenwirkungen führten, sind Wirkstoffe der neueren Generationen meist gut verträglich. H1-Antihistaminika der ersten Generation können über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn gelangen. Dort wirken sie auf das zentrale Nervensystem und binden an H1-Rezeptoren, die für den Schlaf-Wach-Rhythmus verantwortlich sind. Daher führen diese Mittel häufig zu Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Ein weiterer Nachteil der älteren Antihistaminika ist, dass sie zudem eine deutlich kürzere Wirkdauer haben als ihre Nachfolger.

Wirkstoffe der zweiten Generation gelangen aufgrund ihrer Molekülstruktur kaum durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn. Sie verursachen daher meist nur geringe Nebenwirkungen. Zudem haben sie eine längere Wirkdauer von 12 bis 24 Stunden und müssen nur einmal täglich verabreicht werden. Antihistaminika bekämpfen wirkungsvoll typische Allergie-Symptome wie Niesen, Juckreiz, Fließschnupfen und tränende Augen. Je nach Schwere der Symptome kann es passieren, dass die Wirkung der Antihistaminika nicht ausreicht.

Antihistaminika: Welche Nebenwirkungen haben Antihistaminika?

Hersteller von Arzneimitteln müssen Verbraucher in der Packungsbeilage über bekannte Nebenwirkungen eines Medikaments informieren. Alle Informationen zu möglichen Beschwerden, die bei der Einnahme auftreten können, werden im Beipackzettel eines Präparates gesammelt. Antihistaminika der neuen Generation sind in der Regel gut verträglich. Patienten mit allergischen Reaktionen müssen nur selten mit unerwünschten Nebenwirkungen rechnen. Zu den häufigsten Beschwerden von Antihistaminika zählen Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel und ein trockener Mund. In einigen Fällen beklagen Betroffene zudem, dass sie häufiger unter Müdigkeit leiden.

Antihistaminika: Das sollten Sie bei der Einnahme beachten

  • Bisher sind keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt. Auch Alkohol stellt in der Regel kein Problem dar. Trotzdem empfehlen Experten während der Behandlung mit Antihistaminika auf Alkohol zu verzichten.
  • Wer Autofahren muss, sollte auf Mittel mit Antihistaminika verzichten. Grund dafür ist, dass vor allem Antihistaminika der ersten Generation die Reaktionsfähigkeit deutlich einschränken und häufig müde machen. Deshalb werden diese Wirkstoffe heute kaum noch zur Therapie allergischer Symptome eingesetzt. Trotzdem müssen sich Allergiker keine Sorgen machen. Denn Antihistaminika der neueren Generation wirken nur selten ermüdend.
  • Antihistaminika dürfen in der Schwangerschaft und Stillzeit nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Grund dafür: Bisher konnten Forscher nicht nachweise, dass der Wirkstoff über die Mutter auf das Kind übertragen wird.
  • Da der Wirkstoff über die Nieren ausgeschieden wird, müssen Patienten mit einer Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) bei der Einnahme besonders vorsichtig sein. Leiden Sie an einer Niereninsuffizienz, sollten Sie die Anwendung der Allergie-Medikamente unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen. Nehmen Sie Antihistaminika nur mit Vorsicht ein, da sich bestehende Probleme sonst möglicherweise verschlimmern.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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