Man sieht eine Spritze (Symbolbild).
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Sogenannte Biologika werden im Labor hergestellt und den Patienten per Spritze oder Infusion verabreicht (Symbolbild).

Behandlung mit Biologika

Antikörper-Therapie bei Allergien: Einsatz, Vorteile und Nebenwirkungen – Antikörper sollen Allergien stoppen

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Präparate mit Antikörpern wirken gezielt und können Menschen mit allergischem Asthma, Neurodermitis und Nesselsucht helfen. Es gibt aber auch Nachteile.

München – Sie kommen als Spritzen bei Asthma und Neurodermitis, aber auch bei allergischen Reaktionen wie Nesselsucht zum Einsatz: sogenannte Biologika. Die im Labor hergestellten Antikörper können allergische Entzündungen lindern – und werden immer häufiger in der Therapie schwerer entzündlicher Erkrankungen eingesetzt. Wir erklären, was Biologika sind, für wen eine Antikörper-Therapie geeignet ist und was Sie vor der Behandlung unbedingt wissen sollten.

Antikörper-Therapie: Für wen kommt die Therapie infrage?

Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) leiden rund 20 Millionen Menschen in Deutschland unter einer Allergie – die meisten davon unter Heuschnupfen. Häufig haben Betroffene weit über die Pollensaison hinaus mit chronischen Beschwerden wie einer verstopften Nase oder Fließschnupfen zu kämpfen, wie der DAAB berichtet. Um die Allergie-Symptome zu verhindern bleibt Heuschnupfen-Geplagten oft nichts anderes übrig, als den nervigen Pollen aus dem Weg zu gehen.

Bei wem das nicht ausreicht, dem stehen Medikamente wie Antihistaminika und Cortison zur Verfügung. Auch eine spezifische Immuntherapie oder Hyposensibilisierung kann helfen. Doch nicht alle Patienten sprechen auf diese Behandlung an. Vor allem für Allergiker, die immer wieder unter besonders heftigen Beschwerden wie einem allergischen Schock (Anaphylaxie) leiden oder auf mehrere Allergieauslöser gleichzeitig reagieren, sind herkömmliche Mittel meist nicht ausreichend.

Antikörper-Therapie: Biologika sollen Allergien stoppen

Schlägt die herkömmliche Therapie nicht gut genug an, können im Labor hergestellte Antikörper betroffenen Patienten helfen. So hat die Behandlung mit Antikörpern bei allergischem Asthma, Neurodermitis und Nesselsucht (Urtikaria) in der Vergangenheit bereits vielversprechende Erfolge gezeigt. In Zukunft könnte die Therapie ebenfalls bei anderen Allergien-Formen Menschen das Leben erleichtern.

Die Antikörper greifen gezielt in die allergischen Entzündungsprozesse ein. Allergische Reaktionen im Körper werden durch eigentlich harmlose Substanzen in der Umwelt ausgelöst. Gelangen Allergene wie Pollen oder Hausstaub an die Schleimhäute, löst das Immunsystem einen Abwehrmechanismus aus. Die Folge: Es kommt zu einer Entzündungsreaktion im Körper, die zu den typischen allergischen Symptomen in Nase, Nasennebenhöhlen und der Bindehaut des Auges führen.

Antikörper-Therapie: Wie wird die allergische Reaktion bekämpft?

Teil der allergischen Reaktion ist ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Zellen, die über sogenannte Botenstoffe miteinander kommunizieren. Verschiedene Botenstoffe werden im Zuge der Immunreaktion freigesetzt und docken an spezielle Rezeptoren an. Diese können mit bestimmten Antikörpern abgefangen werden. Die Freisetzung allergieauslösender Botenstoffe geht zurück.

Die Antikörper-Therapie gehört zur Gruppe der Biologika, auch Biologics oder Biologicals genannt. Biologika sind künstlich hergestellte Eiweißstoffe, die den körpereigenen Antikörpern nachempfunden sind. Sie richten sich gegen die entzündungsfördernden Botenstoffe und Immunzellen im Körper. Zu dieser Gruppe Arzneimittel gehören eine Reihe gentechnisch (rekombinant) hergestellte Proteine, die aus Zellkulturen gewonnen werden.

Antikörper-Therapie: Als Spritze oder Infusion erhältlich

Biologika werden meist in Form von Spritzen oder als Infusion verabreicht. Mittlerweile stehen auch Präparate zur Selbstinjektion zur Verfügung, die die Patienten ohne ärztliche Überwachung verabreichen können. Vorteil der Biologika ist, dass die Antikörper vom Körper nur sehr langsam abgebaut werden und daher über längere Zeit im Organismus wirken. Abhängig vom Therapieplan müssen die Biologika daher jedoch in unterschiedlichen Abständen – beispielsweise alle zwei, vier oder acht Wochen – verabreicht werden.

Antikörper-Therapie: Vor-und Nachteile der Biologika

Bisher sind verschiedene Wirkstoffe mit Antikörpern, die bereits bei anderen entzündlichen Krankheiten eine gute Wirksamkeit gezeigt haben, bekannt. So kommt die Antikörper-Therapie bei entzündlichen Autoimmun- und Stoffwechselerkrankungen sowie Krebs zum Einsatz. Antikörper werden zudem in der Therapie allergischer Krankheiten wie Asthma und Neurodermitis eingesetzt, wie die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) berichtet. Dabei werden sie laut ECARF vor allem als Ergänzung zu einer bestehenden Therapie verordnet oder wenn herkömmliche Behandlungen nicht mehr ausreichen. Der Vorteil: Sie wirken sehr gezielt gegen die Beschwerden.

Antikörper-Therapie: Neue Medikamente erwartet

Immer mehr Präparate mit Antikörpern stehen Allergikern in der Behandlung akuter allergischer Beschwerden zur Verfügung. So kam in den letzten Jahren eine Reihe von IgE-Antikörper-Wirkstoffen auf den Markt. Den Anfang machte 2005 der Omalizumab, der an dem Botenstoff Interleukin 5 bindet. Arzneimittel mit ähnlichen Wirkstoffen, wie Mepolizumab und Reslizumab, folgten. Ein weiterer Antikörper, Dupilumab, neutralisiert die Interleukine 4 und 13. Seit 2018 ist ebenfalls der Wirkstoff Benralizumab für die Therapie von schwerem Asthma zugelassen.

Zu den Wirkstoffen, die bisher in der Asthma-Therapie eingesetzt werden, gehören:

Antikörper-Wirkstoffe: Anwendung und Nebenwirkungen

Nicht alle Betroffenen sprechen auf die Antikörper-Therapie an – bisher ist jedoch unklar, woran das liegt. Ärzte empfehlen daher die Wirksamkeit der Biologika nach einigen Monaten zu überprüfen. Nur bei nachweislicher Wirkung sollten Patienten mit der Behandlung fortfahren. Denn ein Nachteil der Antikörper-Therapie ist, dass einige Wirkstoffe auch Nebenwirkungen verursachen. Zudem sind sie deutlich teurer, als viele herkömmliche Mittel.

Wer auf die Standardtherapie anschlägt, sollte daher auch dabei bleiben. Auch wenn herkömmliche Mittel wir Kortikosteroide (Cortison) meist weniger zielgerichtet sind und ebenfalls starke Nebenwirkungen verursachen können, sind sie bei einer lokalen Anwendung in jedem Fall zu bevorzugen. So sind die Nebenwirkungen von Salben oder Cremes mit Cortison meist nur auf die Körperstelle begrenzt, wo es angewendet wird.

Antikörper-Therapie: Langzeitwirkung ist noch unklar

Großer Vorteil der Biologika ist, dass sie sehr spezifisch sind und so ganz gezielt Schritte in der Immunreaktion blockieren, während andere Prozesse nicht eingeschränkt werden. Da die Antikörper-Therapie erst seit einigen Jahren in der Praxis angewendet wird, sind die Langzeitwirkungen des Medikaments jedoch noch nicht genau erforscht.

Bisher sind nur wenige Nebenwirkungen bekannt. Eine unerwünschte Wirkung einiger Mittel könnte sein, dass die Körperabwehr gegen parasitäre Infektionen geschwächt wird. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Risiko für Tumorerkrankungen leicht ansteigt. Denn das Immunsystem, das durch die Antikörper beeinflusst wird, ist auch für die Bekämpfung entarteter Zellen zuständig.

Antikörper-Therapie: Was bringt die Zukunft?

In Zukunft könnte die Antikörper-Therapie in der Behandlung verschiedener Allergien eine immer größere Rolle spielen. Da die biologischen Mechanismen bei unterschiedlichen Allergien ähnlich ablaufen, könnten die Biologika beispielsweise auch bei der Vorbeugung eines allergischen Schocks (Anaphylaxie), Nahrungsmittelallergien, Insektengiftallergien, Neurodermitis und Nasennebenhöhlenentzündungen helfen. Erste Beweise für die Wirksamkeit der Biologika bei chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen und Heuschnupfen gibt es bereits. So zeigt eine kürzlich erschienene Studie, dass der IgE-Antagonist Omalizumab allergische Beschwerden nachweislich reduziert. Laut der Deutschen Lungenstiftung ist der Einsatz des Medikaments jedoch sehr kostspielig und sollte daher bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung eher die Ausnahme bleiben.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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