Verschiedene Pillen und Tabletten liegen auf einem Teller (Symbolbild).
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Medikamente können zur symptomatischen Behandlung einer Allergie eingesetzt werden (Symbolbild).

Medikamente bei Allergien

Allergien: Diese Medikamente helfen bei allergischen Reaktionen

  • Jasmina Deshmeh
    vonJasmina Deshmeh
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Ist eine Allergenkarenz nicht möglich, können Medikamente wie Antihistaminika, Mastzellstabilisatoren und Glukokortikoide die Symptome einer Allergie lindern. Die medikamentöse Behandlung ist nicht nur wichtig, um Beschwerden zu reduzieren, sie kann auch eine langfristige Verschlimmerung der Allergie verhindern.

  • Basis der Allergie-Behandlung ist immer die Allergenkarenz, also die Vermeidung von Allergenen
  • Kommt es zur allergischen Reaktion, können Medikamente die Symptome einer Allergie lindern oder beseitigen
  • Die häufigsten Medikamente sind Antihistaminika, Glukokortikoide und Mastzellen-Stabilisatoren

München – Die wichtigste Maßnahme bei der Behandlung von Allergien ist die Allergenkarenz. Indem Betroffene den Kontakt mit Allergieauslösern (Allergenen) meiden oder zumindest stark reduzieren, können allergische Reaktionen im besten Fall verhindert werden. Während die Allergenkarenz bei einer Allergie gegen bestimmte Medikamente, einer Nahrungsmittelallergie oder einer Allergie gegen Kosmetika und Duftstoffe möglich ist, ist die vollständige Allergenvermeidung bei einer Pollenallergie oder Insektengiftallergie meist schwierig. In diesen Fällen können Medikamente die Symptome einer Allergie lindern. Welche Medikamente zur symptomatischen Therapie der Allergie geeignet sind, hängt von der Art der Allergie und der Ausprägung der Symptome ab. Ein Arzt kann bei der Wahl geeigneter Medikamente und der richtigen Dosierung helfen.

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Antihistaminika

Häufig eingesetzte Medikament bei der Allergie-Behandlung sind Antihistaminika. Histamin ist ein körpereigener Botenstoff, der bei allergischen Reaktionen des Soforttyps eine Schlüsselrolle spielt. Kommt es bei einer Allergie zum Kontakt mit einem Allergen, schütten Immunzellen, die sogenannten Mastzellen, Entzündungsbotenstoffe (darunter Histamin) aus. Histamin führt dazu, dass körpereigene Abwehrmechanismen in Gang gesetzt werden: Die Haut schwillt an, der Körper produziert vermehrt Sekrete, es kommt zu Juckreiz, Quaddeln und verengten Atemwegen. Antihistaminika hemmen die Wirkung des Histamins, indem sie die Histamin-Rezeptoren der Zellen blockieren. Dies führt dazu, dass Allergie-Symptome nachlassen.

Antihistaminika können bei leichten bis mittelschweren Allergien des Soforttyps eingenommen werden – beispielsweise bei Heuschnupfen, Hausstauballergien, Medikamentenallergien und bei einem durch eine Neurodermitis oder Urtikaria ausgelösten Juckreiz. Auch bei einem anaphylaktischen Schock werden Antihistaminika als Teil der Notfall-Behandlung eingesetzt. In einigen Fällen werden Antihistaminika auch vorbeugend eingesetzt, um bei Verdacht auf eine Überempfindlichkeit allergischen Reaktionen vorzubeugen - etwa bei der Gabe von Kontrastmitteln oder Narkosemitteln bei medizinischen Behandlungen.

Nebenwirkungen von Antihistaminika können von Brennen, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen bis zu Mundtrockenheit reichen, sind aber in der Regel selten. Medikamente der ersten Generation (H1-Rezeptorblocker) haben zudem eine müde machende Wirkung, was vor allem im Straßenverkehr gefährlich werden kann. Antihistaminika der zweiten Generation gelangen aufgrund ihrer chemischen Struktur schlechter ins Gehirn, weshalb die sedierende Wirkung deutlich geringer ausfällt.

Die gängigen Darreichungsformen des Medikaments sind:

  • Tabletten und Tropfen, z.B. bei Nesselsucht oder einer Pollenallergie
  • Als Augentropfen lindern sie Juckreiz und Rötungen
  • Eine Infusion wird ausschließlich bei einem anaphylaktischen Schock gegeben

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Antihistaminikum Cetirizin

Ein bei der Allergie-Behandlung häufig verabreichtes Antihistaminikum ist der Wirkstoff Cetirizin, der zur zweiten Generation der Medikamente gehört und somit wenige Nebenwirkungen hat. Cetirizin kann zwar zu Müdigkeit und Magen-Darm-Beschwerden führen, die sedierende Wirkung ist gegenüber älteren Präparate aber deutlich geringer. Der Vorteil von Cetirizin besteht vor allem in der raschen Wirkung (zehn bis dreißig Minuten nach Einnahme), weshalb er auch bei akuten Symptomen eingesetzt werden kann. Besonders bei chronischer Nesselsucht und allergischem Schnupfen wird Cetirizin als wirksames und gut verträgliches Medikament bei der Allergie-Behandlung eingesetzt.

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Welche Notfallmedikamente helfen bei einem anaphylaktischen Schock?  

Bei einer Anaphylaxie oder - in besonders schweren Fällen einem anaphylaktischen Schock - kann die Einnahme von Notfall-Medikamenten lebensrettend sein. Eine Anaphylaxie ist eine seltene, aber gefährliche Extremform der allergischen Reaktion. Da die Allergie-Symptome sehr schnell auftreten und mehrere Organsysteme betreffen, ist schnelles Handeln wichtig. Die häufigsten Auslöser einer Anaphylaxie sind Nahrungsmittelallergien (z.B. eine Erdnussallergie), Insektengiftallergien (etwa gegen Bienen- und Wespengifte oder Hummel- und Hornissengifte) und Medikamentenallergien. Nach Angaben des Helmholtz Zentrum München können folgende Symptome Anzeichen einer Anaphylaxie sein:

  • Hautrötungen, Juckreiz oder Schwellungen in Mund und Rachen sowie Atem- oder Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Zwei von vier möglichen Symptomen: Atembeschwerden, Hautreizungen, Beschwerden des Herz-Kreislauf-Systems, Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen oder krampfartige Bauchschmerzen
  • Abfall des systolischen Blutdrucks

Betroffene und Begleitpersonen sollten die Symptome einer Anaphylaxie frühzeitig erkennen, damit lebensgefährliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Störungen und Atemnot schnell behandelt werden können. Kommt es zum Blutdruckabfall und dem Zusammenbruch mehrerer Organsysteme, spricht man von einem anaphylaktischen Schock (allergischer Schock), der schwersten Form der Anaphylaxie. 

Kommt es zu einem anaphylaktischen Schock, ist schnelle Hilfe nötig: Zunächst sollte ein Notarzt gerufen werden. Sind schwere Allergien bekannt, trägt der Patient bestenfalls ein Allergie-Notfallset mit sich. Die Medikamente des Notfallsets können die Symptome schnell lindern, bis ärztliche Hilfe kommt. Die Behandlung bei einem anaphylaktischen Schock mit Medikamenten sollte immer nach Anweisung des Allergie-Notfallplans erfolgen, der Bestandteil des Notfallsets ist. Folgende Medikamente sind im Notfallset enthalten: Adrenalin (meist in Form eines Adrenalin-Autoinjektors), ein Antihistaminikum zum Einnehmen, ein Glukokortikoid zum Einnehmen und gegebenenfalls - bei bekanntem Asthma bronchiale - ein bronchienerweiterndes oder antihistaminhaltiges Asthmaspray.

Allergie: Behandlung durch Glukokortikoide

Glukokortikoide (auch: Glukokortikosteroide, Kortikoide oder im allgemeinen Sprachgebrauch Cortison) sind Steroidhormone, die eine entzündungshemmende und immunsuppressive Wirkung haben. Diese Medikamente werden vor allem bei allergischen Symptomen der Atemwege und lokalen Symptomen der Haut eingesetzt. Glukokortikoide hemmen die Aktivierung von Entzündungszellen und die Bildung und Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe und Enzyme. Dadurch können Schleimbildungen, Schwellungen und Überempfindlichkeiten der Schleimhäute gemildert werden.

Bei Heuschnupfen werden Glukokortikoide als Nasenspray („Cortison-Nasenspray“), bei Ekzemen (z.B. bei Neurodermitis) in Form von Salben angewendet. Bei einer allergischen Bindehautentzündung wird der Wirkstoff als Augentropfen, bei allergischem Asthma bronchiale als inhalative Glukokortikoide verabreicht. Bei starken allergischen Reaktionen (Anaphylaxie) und in Notfällen (anaphylaktischer Schock), die von schwerer Atemnot begleitet werden, können Glukokortikoide auch systemisch, also in Form von Spritzen oder Tabletten verabreicht werden. Da Glukokortikoide vor allem bei langfristiger und hochdosierter Anwendung zahlreiche Nebenwirkungen haben können, kommen sie in der Regel nur zum Einsatz, wenn Antihistaminika und Mastzellen-Stabilisatoren keine ausreichende Wirkung zeigen oder es zu akuten Verschlechterungen der Symptome kommt. Dabei sollten Sprays nicht länger als drei Monate und Tabletten nicht länger als zwei Wochen angewendet werden. Glukokortikoidhaltige Nasensprays sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich, weshalb die begrenzte Dauer der Anwendung besonders zu beachten ist.

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Mastzellstabilisatoren bei allergischer Rhinitis

Medikamente aus der Gruppe der Mastzellstabilisatoren – auch Cromone genannt – wirken ebenfalls entzündungshemmend, sind aber schwächer in ihrer Wirkung als Antihistaminika und Glukokortikoide. Sie hemmen die Ausschüttung und Neubildung von Histamin und werden bei Allergien des Typ 1 in Form von Nasensprays, Augentropfen und Inhalationen (bei allergischem Asthma) angewendet. Können Allergene bei Nahrungsmittelallergien nicht gemieden werden, können Mastzellstabilisatoren auch als Kapseln eingenommen werden.

Mastzellstabilisatoren helfen nicht bei akuten Beschwerden, da ihre Wirkung meist erst nach einigen Tagen einsetzt. Zudem ist ihre Wirkdauer auf wenige Stunden begrenzt. Aus diesem Grunde sollten die Medikamente bereits einige Zeit vor dem Allergenkontakt eingenommen werden, etwa vor Beginn des Pollenflugs.

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Beta-2-Sympathomimetika  

Bei allergischem Asthma bronchiale kommen häufig Beta-2-Sympathomimetika zum Einsatz. Das Medikament wird mit Hilfe von speziellen Inhalatoren eingeatmet und gelangt so tief in die Bronchien. In seltenen Fällen wird der Wirkstoff auch systemisch, also in Tablettenform oder als Injektion verabreicht. Beta-2-Sympathomimetika sorgen dafür, dass sich die glatte Muskulatur der Bronchialwände entspannt und verengte Bronchien erweitert werden. Darüber hinaus hemmen Beta-2-Sympathomimetika die Freisetzung von bronchienverengenden Botenstoffen aus Entzündungszellen.

Unterschieden wird bei Beta-2-Sympathomimetika zwischen kurzwirksamen und langwirksamen Varianten: Kurzwirksame Beta-2-Sympathomimetika kommen vor allem bei akuten Symptomen, etwa einem Asthmaanfall, zum Einsatz. Langwirksame Wirkstoffe werden zur Dauertherapie eingesetzt und können Asthmaanfällen vorbeugen. Nebenwirkungen des Medikamentes können sein:

  • Muskelzittern
  • Kopfschmerzen
  • Krämpfe
  • Herzklopfen und Herzrasen

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Spezifische Immuntherapie als ursächliche Behandlung

Medikamente können zwar die Symptome, nicht aber die Ursache einer Allergie behandeln. Die einzige ursächliche Behandlungsmöglichkeit von Allergien ist die spezifische Immuntherapie – auch Allergieimpfung oder Hyposensibilisierung genannt. Die Dauer der Therapie beträgt etwa drei Jahre, in einigen Fällen auch bis zu fünf Jahren. Bei der spezifischen Immuntherapie werden dem Patienten kleinste, mit der Zeit größer werdende Dosen eines Allergens verabreicht, bis das Immunsystem eine Toleranz gegenüber dem Allergieauslöser entwickelt. Dies kann entweder durch Spritzen oder die Einnahme von Tabletten erfolgen. 

Möglich ist eine solche Allergieimpfung bei Allergien des Soforttyps, z.B. bei einer Pollenallergie, einer Insektengiftallergie und einer Hausstauballergie. Zwar nimmt diese Form der Allergie-Behandlung viel Zeit in Anspruch, die Wahrscheinlichkeit, dass Symptome gelindert werden oder Betroffene sogar beschwerdefrei leben können, ist dafür relativ hoch.  

Allergie-Behandlung durch Medikamente: Die Hoffnung liegt bei Biologika

Biologika sind Proteine, die mit Hilfe von Gentechnik in lebenden Zellen hergestellt werden. Es handelt sich dabei um Antikörper, die gegen Immunzellen oder ihre Botenstoffe gerichtet sind und vor allem bei schweren Asthma-Erkrankungen, aber auch bei Nesselsucht und Neurodermitis angewendet werden. Voraussetzung für den Einsatz dieser Medikamente ist, dass herkömmliche medikamentöse Therapien keine oder keine ausreichende Besserung der Beschwerden bewirkt haben. Da Antikörper sehr spezifisch sind, können sie bestimmte Schritte der Immunreaktion gezielt blockieren und auf diese Weise allergischen Reaktionen vorbeugen.

Biologika werden normalerweise mit einer Spritze unter die Haut (subkutan), in seltenen Fällen auch intramuskulär oder intravenös injiziert. Ihre Wirkung hält mehrere Wochen an. Da die meisten Biologika relativ neu auf dem Markt sind, sind ihre Langzeitnebenwirkungen noch nicht vollständig bekannt. Unerwünschte Nebenwirkungen könnten beispielsweise sein, dass das Immunsystem bei der Abwehr von Infektionen und entarteter Tumorzellen geschwächt ist.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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