Ein Arzt trägt eine Salbe auf die Hand einer älteren Patienten auf (Symbolbild).
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Kortison lindert Entzündungsreaktionen im Körper – bei falscher Anwendung drohen jedoch Nebenwirkungen (Symbolbild).

Medikamentenentwicklung

Neue Therapie bei Allergien? Forscher suchen nach wirksamen Alternativen zu Kortison

  • Laura Knops
    vonLaura Knops
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Schon lange wird Kortison in der Behandlung von Allergien und Asthma eingesetzt. Häufig leiden Patienten allerdings unter unangenehmen Nebenwirkungen des Medikaments. Geeignete Alternativen gibt es bisher keine – in Zukunft könnte sich das ändern.

München – Während die meisten Menschen bei dem Gedanken an eine Behandlung mit Kortison schon zusammenschrecken, gehört das Medikament für viele zum Alltag. So zählt Kortison nicht nur zu den meist verordneten Arzneimitteln in der Allergie-Therapie, sondern kommt auch in der Behandlung von Rheuma, Hauterkrankungen und Multipler Sklerose zum Einsatz. Dabei gelten Steroid-Medikamente wie Kortison zwar als besonders wirksam, Patienten haben jedoch häufig mit schweren Nebenwirkungen zu kämpfen. Eine Forschergruppe aus München hat nun herausgefunden, dass Medikamente auf Basis von Kortison anders wirken als lange vermutet. In Zukunft könnte das zu neuen Alternativen in der Allergie-Therapie - ohne Nebenwirkungen - führen.

Behandlung bei Allergien: Forscher suchen nach wirksamen Alternative zu Kortison

Bei Kortison, in der Fachsprache auch Glukokortikoide oder Glukokortikosteroide genannt, handelt es sich um eine Abwandlung des körpereigenen Hormons Kortisol. Kortisol wird in den Nebennierenrinden gebildet. Von dort steuert und beeinflusst es zahlreiche lebenswichtige Vorgänge im menschlichen Körper wie Immunreaktionen, Zucker- und Fettstoffwechsel. Genau diese Eigenschaften macht sich auch die Medizin zu nutzen. So kommt Kortison in der Behandlung von Allergien und Asthma vor allem als Entzündungshemmer zum Einsatz.

Behandlungen bei Allergien: Einnahme von Kortison trotz Nebenwirkungen

Wendet man das Medikament allerdings unbedacht, über längere Zeit oder in starker Dosierung an, drohen ernsthafte Nebenwirkungen. Nicht selten leiden Patienten bei regelmäßiger Einnahme unter Gewichtszunahme, dünner Haut, Diabetes, Hautproblemen. „Diese nützliche Eigenschaft ist leider mit starken Nebenwirkungen verbunden, da dasselbe Hormon beziehungsweise Medikament in anderen Zellen außerhalb des Immunsystems unterschiedliche Funktionen hat“, erklärt Studienleiterin Henriette Uhlenhaut, Professorin an der Technischen Universität München.

Trotz der möglichen Nebenwirkungen ist Kortison bei vielen Krankheiten immer noch die einzige Alternative. Das liegt vor allem daran, dass immer noch unklar ist, wie genau Steroidpräparate wirken. Um herauszufinden, wie Kortison Entzündungsreaktionen im Körper stoppt, hat das Team um Henriette Uhlenhorst die molekularen Mechanismen kürzlich an Mäusen untersucht. Die Ergebnisse liefern wertvolle Erkenntnisse für die Allergie-Therapie.

Behandlung bei Allergien: Mechanismus bisher unklar

Seit Jahren suchen Forscher nach Kortison-Alternativen ohne schwere Nebenwirkungen. Bisher gingen Wissenschaftler allerdings davon aus, dass die entzündungshemmende Wirkung von Kortison durch Wechselwirkungen zwischen bestimmten Proteinen zustande kommt, ohne das Erbgut (DNA) zu berühren. In der aktuellen Studie fand das Team um Henriette Uhlenhaut jedoch nun heraus, dass es anders als bisher vermutet, doch zu einer Interaktion mit dem Erbgut kommt. Medikamente auf Basis von Kortison wirken daher über einen völlig anderen Weg als lange angenommen.

Die Erkenntnisse sind für die Entwicklung neuer Medikamenten enorm wichtig. Denn erst wenn die Wissenschaftler verstehen, wie Kortison wirkt, lassen sich Arzneimittel mit denselben entzündungshemmenden Eigenschaften aber mit weniger Nebenwirkungen herstellen. Zu wissen, welche Mechanismen der Wirkung von Kortison zugrunde liegen, eröffnet der Forschung nun ganz neue Möglichkeiten. „Wir wissen jetzt, dass die DNA-Bindung eine wichtige Rolle spielt, haben aber immer noch keinen Weg gefunden, die Nebenwirkungen von den gewünschten Wirkungen zu trennen – deswegen werden wir natürlich weiter forschen“, sagt Henriette Uhlenhaut, Leiterin der Münchner Forschungsgruppe

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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