Orale Immuntherapie bei Nahrungsmittelallergien

Medikament gegen Erdnuss-Allergie: Bald in Europa erhältlich?

  • Laura Knops
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Wer unter einer Erdnussallergie leidet, bei dem können schon Spuren von Erdnüssen zu schweren allergischen Reaktionen führen. Eine neue Therapie macht Betroffenen nun Hoffnung.

Amsterdam – Die Erdnussallergie zählt zu den gefährlichsten Allergien überhaupt. Denn schon kleinste Spuren der Allergene können bei Betroffenen zu heftigen allergischen Reaktionen bis hin zum lebensbedrohlichen Schock führen. Allein in Europa reagieren laut der europäischen Allergiestiftung (ECARF) rund 1,5 Millionen Menschen auf Erdnüsse allergisch. Besonders häufig trifft die Allergie allerdings Kinder und Jugendliche. Rund ein Prozent der unter 18-Jährigen in Deutschland leiden an einer Erdnussallergie. Meist bleiben die allergischen Beschwerden ein Leben lang bestehen. So galt die Erdnussallergie bis jetzt als unheilbar. Die Zulassung einer neuen Therapie könnte das nun ändern.

Medikament gegen Erdnuss-Allergie: Körper soll allergische Reaktion verlernen

„Palforzia“, auch als AR101 bekannt, ist das erste prophylaktische Mittel zur Vorbeugung eines durch Erdnüsse ausgelösten allergischen Schocks. Bei dem Medikament handelt es sich um ein Proteinpulver, das aus Erdnüssen hergestellt wird. Es enthält also einen gewissen Anteil an Erdnussallergenen. Zur optimalen Dosierung befindet sich das Pulver in speziellen Kapseln, deren Inhalt auf dem Essen verteilt wird.

Im Rahmen der Therapie sollen Patienten das Pulver - zunächst in sehr geringen, dann in immer stärkeren Dosen - täglich zu sich nehmen. So kann der Körper sich nach und nach an die Erdnuss-Allergene gewöhnen. Ziel ist es, das körpereigene Abwehrsystem zu trainieren, bis es eine bestimmte Menge des Allergens ohne Probleme verträgt. Die Allergie bleibt also erhalten, der Körper lernt nur besser, damit fertig zu werden. Langfristig sollen so auch bei einem versehentlichen Verzehr von Erdnüssen allergische Reaktionen ausbleiben. (Kinder mit Erdnuss- und Baumnussallergie: Wichtige Grundregeln für den Alltag)

Medikament gegen Erdnuss-Allergie: Orale Immuntherapie in drei Phasen

Schon frühere wissenschaftliche Studien hatten gezeigt, dass die orale Immuntherapie (IOT) - mit kleinen, kontrollierten Mengen an Erdnussproteinen - das Immunsystem desensibilisieren und lebensbedrohliche allergische Reaktionen verhindern kann. So gelang es Wissenschaftlern, in einer internationalen Studie mithilfe des Medikaments zwei von drei Allergikern gegenüber Erdnuss-Produkten zu desensibilisieren.

Die orale Immuntherapie ist für Kinder und Jugendliche zwischen vier und 17 Jahren entwickelt worden. Die Behandlung läuft dabei in drei Phasen ab: Während der ersten Phase erhalten Allergiker unter ärztlicher Aufsicht eine initiale Dosis. Wird diese gut vertragen, nehmen Patienten das Medikament in steigender Dosierung (über elf Dosis- Stufen) über mindestens sechs Monate ein. Während der Erhaltungsphase kann der Körper sich dann an das Allergen gewöhnen. Damit das Immunsystem während der Behandlung nicht überfordert wird, müssen Patienten auch weiterhin eine erdnussfreie Diät einhalten. Das ist jedoch oft schwierig, weil in vielen Lebensmitteln Nüsse oder Spuren davon enthalten sind*, wie auch merkur.de berichtet. (Allergie gegen Nüsse: Diese Lebensmitteln können Spuren von Nüssen enthalten)

Medikament gegen Erdnuss-Allergie: Bald in Europa erhältlich?

Bereits Anfang des Jahres hat die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) das Medikament zur Therapie bei Erdnussallergien in den Vereinigten Staaten genehmigt. In Europa war die Verwendung bisher allerdings nur in wissenschaftlichen Studien erlaubt. Nun läuft auch in der Europäischen Union (EU) ein Zulassungsverfahren für die orale Immuntherapie (OIT) bei Erdnussallergien.

Die erste Hürde hat die Einführung des Medikaments laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) Mitte Oktober genommen. So hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) der Zulassung der oralen Immuntherapie für Nahrungsmittel in Europa zugestimmt. Im nächsten Schritt prüft die EU-Kommission nun das Arzneimittel. Wie genau die Therapie dann durchgeführt werden darf, wird anschließend auf nationaler Ebene abgestimmt. (Schwere Nahrungsmittelallergien: So senken Sie das Risiko für Kreuzkontamination in der Küche) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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