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ADHS bei Erwachsenen: Viel reden und andere unterbrechen kann ein Symptom sein

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Viele Betroffene wissen nicht, dass sie mit dieser neurobiologischen Erkrankung leben – die Symptome sind in den meisten Fällen unspezifisch.

Berlin – Bei ADHS oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung denkt man erst einmal an eine Erkrankung, die nur Kinder und Jugendliche betrifft. Letztlich sind es rund fünf Prozent aller Erwachsenen in Deutschland, bei denen eine Aufmerksamkeitsdifizit-Hyperaktivitätsstörung erkannt wird. Die Dunkelziffer ist vermutlich viel höher.

ADHS bei Erwachsenen: In vielen Fällen spät oder gar nicht diagnostiziert

ADHS ist demnach keine „Kinderkrankheit“ – sondern eine neurologische Erkrankung des menschlichen Gehirns, die zwar im Kindesalter beginnt, jedoch mit ihren komplexen Symptomen bis ins höhere Erwachsenenalter anhalten kann. Was für Betroffene bitter ist: in vielen Fällen wird ADHS spät oder gar nicht diagnostiziert. Bei Kindern zeigen sich häufig die für ADHS-typischen Symptome wie innere Unruhe und Bewegungsdrang – in jeder fünften Familie gibt es einen „Zappelphilipp“. Wie stark und in welcher Form die Symptome bei den Betroffenen ausgeprägt sind, ist von Kind zu Kind beziehungsweise von Erwachsenem zu Erwachsenem unterschiedlich.

Manche Erwachsene, die seit ihrer Kindheit nicht wissen, dass bei ihnen eine ADHS vorliegt, leben ihren Alltag ohne große Einschränkungen oder Schwierigkeiten. Andere wiederum tun sich aufgrund der zum Teil unspezifischen Symptome in verschiedenen Lebensbereichen des Alltags und Berufslebens sehr schwer, zurechtzukommen. Die Anzeichen einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen sind vielfältig und zum Teil für Laien und sogar Ärzte nicht eindeutig einzuordnen. Ein typisches Symptom, das Betroffene zeigen können: sogenannte „Time-Blindness“, durch das sie sozusagen „zeitblind“ leben.

ADHS bei Erwachsenen: Unspezifische Symptome wie Viel-Reden, Unzuverlässigkeit, Depressivität

„Bei Erwachsenen sind ADHS-Symptome deutlich vielfältiger und das Krankheitsbild ist dadurch schwerer zu erkennen. Die typischen Symptome Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und Hyperaktivität sind auch im Erwachsenenalter vorhanden, aber anders ausgeprägt. Hinzu kommt, dass ein Teil der Betroffenen Folgeerkrankungen entwickelt hat – wie eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit –, welche die Ersterkrankung überdecken können“, zitiert das Informationsportal „Neurologen und Psychiater im Netz“ Prof. Dr. Alexandra Philipsen von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. 

Ein typisches Symptom bei Erwachsenen mit ADHS ist auch die „Time-Blindness“, durch das Betroffene sozusagen „zeitblind“ leben.
Eines der unspezifischen Symptome bei Erwachsenen mit ADHS kann viel reden und andere in ihrem Redefluss unterbrechen sein. © Sergey Nivens/Imago

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Die für ADHS im Kindesalter charakteristische Impulsivität zeigt sich bei Erwachsenen eher in Form von Ungeduld, unüberlegten Äußerungen oder spontanen Handlungen. Hyperaktivität äußert sich im Erwachsenenalter in Form von Nervosität, Angespanntheit und einer ausgeprägten, inneren Unruhe. Für Betroffene fühlt es sich meist so an, als wäre ständig „Turbo im Kopf“.

Weitere Symptome, die sich bei Menschen mit ADHS im Erwachsenenalter zeigen können, sind:

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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