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Corona-Schnelltests: Bei Omikron sind sieben von neun unzuverlässig

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Deutschland setzt beim Nachweis von Corona auf Antigen-Schnelltests, als schnellere Alternative zum PCR-Test. Doch nicht immer stimmt das Ergebnis.

München – Haben Sie auch das Gefühl, dass in Ihrem Umfeld mehr und mehr Menschen Corona-positiv sind? Dann trügt Sie Ihr Gefühl nicht. Tatsächlich stecken sich aktuell in Deutschland sehr viele Menschen mit der ansteckenderen Omikron-Variante BA.1 und BA.2 an. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland liegt derzeit im Durchschnitt bei einem Rekordwert von über 2000.

Wie finden die betroffenen Menschen heraus, dass sie sich angesteckt haben? Die meisten der Infizierten machen aufgrund von Corona-Symptomen* oder weil sie in ihrem direkten Umfeld Kontakt zu einer erkrankten Person hatten, einen Schnelltest, in der Regel zu Hause. Mit den frei erhältlichen Selbsttests aus der Apotheke oder der Drogerie kann sich inzwischen jeder auf das Coronavirus testen. Zwar ist die beigelegte Beschreibung in leicht verständlicher Sprache verfasst, dennoch ist es wichtig, Fehler zu vermeiden und auf eine richtige Handhabung zu achten*.

Corona Schnelltests: Über 580 auf dem Markt mit Qualitätsunterschieden für Omikron

Die Schnelltests für zu Hause sind verglichen mit einem professionell durchgeführten PCR-Test mit gewissen Einschränkungen verbunden, da sie bei milden Symptomen oft weniger genau testen. Dass die Kritik an den Schnelltests allerdings mehr als berechtigt ist, zeigen Recherchen des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Das Ergebnis: Viele der auf dem Markt verfügbaren Covid-Tests wurden nicht ausreichend auf Wirksamkeit überprüft. Die Qualitätsunterschiede unter den angebotenen Tests ist groß, verpflichtende Kontrollen gibt es nicht. Laut PEI seien die Antigen-Tests nicht für eine sichere Diagnose entwickelt worden, vielmehr sollen so Menschen mit einer sehr hohen Viruslast ermittelt* werden können. Auch bei der Omikron-Variante muss die Viruslast hoch genug sein, damit der Antigen-Test aussagekräftig ist.

Negative Antigen-Schnelltests in einem Glas. (Symbolbild)
Bei Omikron sind sieben von neun Schnelltests unzuverlässig. (Symbolbild) © Thomas Trutschel/Imago

Corona Schnelltests: 200 Einzeltestungen für jeden einzelnen Schnelltest

Kann man sich also auf das Ergebnis des Schnelltests bei Omikron wirklich verlassen*? Viele in der Bevölkerung sind oft verunsichert. Nicht nur die Gesundheitsminister Karl Lauterbach pocht auf mehr Transparenz und Qualitätsstandard bei den Tests. Auch Mediziner arbeiten mit Hochdruck daran, die Antigen-Schnelltests nach höchsten Qualitätskriterien auf Omikron zu prüfen, so wie das Labor von Prof. Dr. med. Roman Wölfel, Virologe am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München: „Wir brauchen tatsächlich bis zu 200 Einzeltestungen für jeden einzelnen Schnelltest, um seine Qualität umfassend bewerten zu können.“, so Prof. Wölfel gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Seine Einschätzung zur Leistungsfähigkeit der Schnelltests zum Omikron-Varianten-Nachweis ist ganz klar: „[...] gute Tests, die schon gut Delta nachweisen konnten, können im Allgemeinen auch Omikron-Viren gut nachweisen. Und die Tests, die schlechter sind, sind in beiden Fällen auch schlechter von uns bewertet worden.“

Corona Schnelltests: Bei Omikron sind sieben von neun Tests unzuverlässig

Professor Dr. med. Oliver T. Keppler vom Max von Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximillians-Universität in München sieht die Teststrategie kritisch. Er und sein Team untersuchten neun Schnelltests aus Supermärkten und Drogerien und erkannten dabei, dass „bei sieben von neun Tests Omikron schlechter erkannt wurde als Delta. Das heißt, wenn man trotz Symptome einen negativen Antigen-Schnelltest erhält, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass eine Infektion ausgeschlossen werden kann. Man sollte weiter vorsichtig sein und sich lieber mehrmals testen.“, empfiehlt Prof. Keppler gegenüber dem BR.

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Corona-Schnelltests: Besser mehrfach testen und mit Tests verschiedener Hersteller

Es gäbe zu viele zugelassene Antigen-Schnelltests, etliche seien bislang nicht richtig geprüft. Die Schnelltests in Testzentren unterscheiden sich dabei nicht von den Tests für daheim. Generell sind jedoch die Qualitätsunterschiede groß. „Hier ist aus meiner Sicht wichtig, dass eine Liste von guten Tests zum Nachweis vom Omikron veröffentlicht wird, sodass Verbraucher letztlich wissen, welche Tests sinnvoll sind.“, appeliert Prof. Keppler.

Ist schlussendlich sicher, dass Sie selbst erkrankt sind oder jemand in Ihrer Familie, beispielsweise Ihr Kind, Covid-positiv ist, so sollten Sie sich im Rahmen Ihrer Quarantäne* oder der Ihres Kindes* möglichst schnell um eine Krankschreibung kümmern* und sich so bald es geht informieren, was für einen Omikron-Genesenenstatus zu tun ist*. *Merkur.de, fr.de und 24vita.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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