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Corona-Infektion erhöht womöglich Risiko für neurologische und psychiatrische Probleme

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Von: Judith Braun

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Eine Corona-Infektion kann nicht nur Langzeitfolgen auslösen. Eine aktuelle Studie zeigt zudem ein etwas erhöhtes Risiko für neurologische Krankheiten.

Rund zwei Jahre beschäftigen sich Forscher bereits mit dem damals aufgetretenen Coronavirus, welches seit Anfang 2020 die Welt in Atem hält. Die Wissenschaft liefert seitdem immer wieder neue Erkenntnisse über Sars-CoV-2. Auch über die Langzeitfolgen, unter denen Betroffene nach einer Infektion mehrere Wochen oder sogar Monate noch leiden können, wurde bereits einiges erforscht.

Corona-Infektion erhöht womöglich Risiko für neurologische Probleme

So zeigte eine Studie beispielsweise, dass sich noch bis zu 230 Tage nach Auftreten der ersten Symptome Viruspartikel im Gehirn mancher Long-Covid-Patienten befanden. Zudem kann Corona auch Symptome einer Alzheimer-Erkrankung beschleunigen. Einer weiteren groß angelegten aktuellen Studie zufolge könnte eine Corona-Infektion demnach das Risiko für neurologische und psychiatrische Probleme erhöhen.

Coronavirus
Das Coronavirus soll womöglich das Risiko für Demenz und Epilepsie erhöhen. Neue Studienergebnisse müssen allerdings weiter überprüft werden. © YAY Images/IMAGO

Für ihre im Fachmagazin „The Lancet Psychiatry“ veröffentlichten Studie verglich das Forscherteam um Maxime Taquet von der University of Oxford Daten von 1,28 Millionen Covid-19-Patienten aus verschiedenen Teilen der Welt – darunter USA, Großbritannien, Spanien, Bulgarien, Australien, Indien, Malaysia und Taiwan. Bei den Betroffenen wurde eine Corona-Erkrankung zwischen Januar 2020 und April 2022 diagnostiziert.

Die ähnlich große Vergleichsgruppe bestand aus Personen, die unter einer Atemwegserkrankung litten. Sie waren im Hinblick auf Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft und anderen Merkmalen den Covid-Patienten sehr ähnlich. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass noch zwei Jahre nach einer Corona-Infektion ein leicht erhöhtes Risiko für bestimmte psychiatrische und neurologische Probleme besteht.

Corona-Infektion: Höheres Risiko für Demenz und Epilepsie

Demnach deuten die Studienergebnisse darauf hin, dass Covid-19-Patienten ein etwas höheres Risiko für Demenz, Epilepsie, kognitive Einschränkungen sowie psychotische Störungen aufweisen. So gab es in der Gruppe der Corona-Erkrankten im Alter von 18 bis 64 Jahren auf 10.000 Patienten 640 Fälle von kognitiven Einschränkungen. Im Gegensatz traten in der Kontrollgruppe 550 Fälle auf. Ähnliche Unterschiede gab es auch bei Demenz-Erkrankungen: Bei 10.000 über 64-jährigen Covid-Patienten traten 450 Fälle auf, während es in der Vergleichsgruppe 330 Fälle waren.

Gute Nachrichten haben die Forscher allerdings in Bezug auf Depressionen und Angstdiagnosen. Denn sie stellten fest, dass ein Übermaß dieser Krankheiten nach einer Covid-19-Erkrankung nur von kurzer Dauer ist und bei Kindern gar nicht auftrat. Affektive Störungen waren beispielsweise 43 Tage nach der Corona-Infektion auf demselben Niveau wie in der Vergleichsgruppe. Genauso zeigte es sich bei Angststörungen nach 58 Tagen. Bei den unter 18-Jährigen zeigte sich kein erhöhtes Vorkommen von Depressionen oder Angsterkrankungen.

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Erhöht Corona Risiko für neurologische Krankheiten? Ergebnisse von Studie müssen weiter geprüft werden

Laut Taquet werfen die Ergebnisse „ein neues Licht auf die längerfristigen Folgen für die psychische Gesundheit und das Gehirn von Menschen nach einer Covid-19-Infektion“. Allerdings müssen einige klinische Merkmale weiter überprüft werden. Die Autoren der Studie räumen beispielsweise selbst ein, dass aufgrund der Datenbasis Corona-Fälle mit geringen oder keinen Symptomen unterrepräsentiert sein könnten. Zudem könnten fehlende Informationen in den Patientakten über Covid-Erkrankungen oder Corona-Imfpungen zur Verzerrung der Ergebnisse führen.

Außerdem wurde der Schweregrad der Atemwegserkrankungen in der Kontrollgruppe nicht berücksichtigt, was die Aussagekraft der Studie laut Peter Berlit, Neurologe und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), wiederum einschränkt. „Es ist bekannt, dass eine latente Demenz häufig durch ein schwerwiegendes Ereignis, etwa eine Covid-19-Erkrankung, manifest wird, ohne dass es einen ursächlichen Zusammenhang gibt“, erklärt Berlit. Deshalb gebe die Studie ein erhöhtes Risiko für Demenz bei Covid-Patienten nicht her.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteuren und Redakteurinnen leider nicht beantwortet werden.

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