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Corona: Auch die Augen werden infiziert, wie Studie zeigt

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Corona befällt nicht nur die Lunge, das Herz und Gehirn. Auch die Augen können mit Sehstörungen betroffen sein, wie Forscher belegen.

Das Sars-CoV-2-Virus ist nach wie vor ein wichtiges Forschungsthema weltweit. Zwar können Wissenschaftler hinsichtlich Ausbreitung, Symptome und Möglichkeiten zur Eindämmung schon valide Aussagen treffen, dennoch gibt Corona bezüglich Langzeitfolgen noch Rätsel auf. Gerade deswegen ist die Forschung im Bereich Covid-19 so wertvoll, um auch langfristig das Virus besser zu verstehen und behandeln zu können.

Long Covid nach einer Corona-Infektion schädigt nicht nur Lunge, Herz und Gehirn

„Long Covid“ – Ein mittlerweile weltweit bekannter Begriff und bei Medizinern und Corona-Patienten gefürchtet. Long Covid ist inzwischen eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannte Erkrankung. Sie tritt meistens drei Monate nach einer Corona-Infektion auf. Vorrangige Symptome sind Müdigkeit bis hin zu Fatigue, Kurzatmigkeit, Konzentrationsstörungen sowie Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn.

Forscher wissen anhand von Studien, dass das Sars-CoV-2-Virus die Leber angreifen kann und Viruspartikel bis zu 230 Tage nach Beginn der ersten Symptome auch im Herz sowie Gehirn zurückbleiben. Es könnte sich dadurch möglicherweise bei Corona-Überlebenden eine früh einsetzende Herzinsuffizienz oder Demenz durch Long Covid entwickeln. Untersuchungen dazu halten an.

Studie zeigt: Corona infiziert auch die Augen

Mittlerweile gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass Coronaviren sich auch in der Netzhaut (Retina) des menschlichen Auges festsetzen und Schäden anrichten können. Bereits im Jahr 2020 zeigten sich bei ca. drei Prozent der Corona-Erkrankten Anzeichen einer Bindehautentzündung, die möglicherweise ein erstes Indiz dafür war, dass die Augen durch Covid beeinträchtigt werden können.

Ein Team von Forschern unter der Leitung von Dr. Thomas Rauen und Prof. Hans Schöler des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin sowie dem Virologen Stephan Ludwig der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster untersuchten die Sars-CoV-2-Infektion in der Netzhaut des Auges. Dafür verwendeten sie sogenannte Organoide – ein organähnliches Modellsystem – der Netzhaut aus menschlichen reprogrammierten Stammzellen, die Dr. Yotam Menuchin-Lasowski entwickelte.

Sehstörungen durch Corona-Infektion geben Anlass zur Erforschung

Nachdem Patienten immer wieder von neurologischen Beeinträchtigungen und auch Sehstörungen während oder nach einer Corona-Infektion berichteten und das Corona-Virus bei verstorbenen Patienten in der Netzhaut nachgewiesen werden konnte, sollte eine spezifische Studie folgen. „Unser Retina-Organoidsystem bildet die anatomisch komplexe Struktur der menschlichen Netzhaut erstaunlich gut nach“, bezieht Dr. Menuchin-Lasowski in einer Pressemeldung des Max-Planck-Instituts Stellung. Das Retina-Organoid-Modell ist eine relevante Alternative zu Tierversuchen.

Auge in Nachaufnahme. (Symbolbild
Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Coronaviren auch in die Netzhaut des Auges gelangen und Schäden anrichten können. (Symbolbild) © YAY Images/Imago

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Corona-Viren vermehren sich auch in der Netzhaut der Augen

Die ausgereiften Netzhautorganoide wurden von den Wissenschaftlern im Sicherheitslabor der Schutzstufe 3 mit Sars-CoV-2 Viren infiziert und nach einer bekannten Inkubationszeit analysiert. Der Versuch der Infektion klappte. Sars-CoV-2 infiziert demnach tatsächlich Netzhautzellen, vor allem retinale Ganglienzellen, aber auch Lichtsinneszellen. Darüber konnten die Forscher auch nachweisen, dass sich Coronaviren in Netzhautzellen vermehren können.

Die Forscher analysierten die Organoide im Fluoreszenzmikroskop, um zu erkennen, welche Netzhautzellen vom Befall betroffen sind. „Unsere aktuelle Retina-Organoid Studie zeigt [...], dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 direkte pathologische Folgen für die retinalen Ganglienzellen haben kann, auch wenn Sehbehinderungen bei Patienten mit Covid-19 nicht häufig vorkommen“, sagt Dr. Rauen. „Doch unsere Daten geben uns Grund zur Annahme, dass sogenannte Long-Covid-Symptome degenerative Erkrankungen der Netzhaut einschließen können.“

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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