Querschnittslähmung droht: Top-Orthopädin der Unfallklinik Murna warnt vor Kopfsprüngen

Kein Kopfsprung in flaches Wasser: erst prüfen, dann springen. Leichtsinn, Übermut und Alkohol führen jedes Jahr zu Badeunfällen, darunter zahlreiche Querschnittlähmungen.
Schlägt beim Sprung der Kopf auf einen harten Untergrund, kann es durch die starke Gewalteinwirkung zu einer Querschnittlähmung kommen, warnt Dr. Doris Maier, die Chefärztin des Zentrums für Rückenmarkverletzte der BG Unfallklinik Murnau. Jedes Jahr kommen mit Beginn der Badesaison Patienten mit schwersten Rückenmarkverletzungen nach einem unbedachten Kopfsprung in die Notfallaufnahmen, weiß die Expertin der Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). In den meisten Fällen seien es junge Männer, die sich auf diese Weise verletzen, aber auch ältere Familienväter mussten schon mit solchen Unfallmustern behandelt werden.
Querschnittlähmung nach Kopfsprüngen: Eine unterschätzte Gefahr
Wie groß das Problem von Querschnittlähmungen nach Kopfsprüngen ist, zeigt unter anderem eine Datenanalyse von Betroffenen am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Laut Studie wurden dort in den vergangenen 18 Jahren 60 Menschen behandelt, die nach einem Kopfsprung eine Rückenmarkverletzung erlitten hatten. Der Anteil an männlichen Patienten lag bei 98,7 Prozent. Das heißt, von 60 Patientinnen und Patienten waren 59 männlich. Sie wurden mit schweren Stauchungs- und Verrenkungsbrüchen der Halswirbelsäule eingeliefert, die eine traumatische Schädigung des Rückenmarks zur Folge hatten. Mehr als die Hälfte der Patienten sah sich sogar mit einer vollständigen Rückenmarkschädigung konfrontiert. Das bedeutet ein Leben im Rollstuhl, Arme und Beine können nicht mehr bewegt werden. Bei keinem der Betroffenen kam es zu einer vollständigen neurologischen Genesung, das führte zu einem Leben mit deutlichen Einschränkungen und einer bleibenden Behinderung. Das Alter lag zum Unfallzeitpunkt im Mittel bei 28 Jahren. Auffällig ist, dass in knapp 42 Prozent der Fälle Alkohol im Zusammenhang mit dem Unfallereignis dokumentiert wurde. Eine bundesweite Statistik gibt es nicht.
„Lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen“: Verletzungen an der Halswirbelsäule haben weitreichende Folgen
Besonders tragische Verletzungen betreffen dabei die Halswirbelsäule, die dann zu einer sogenannten Tetraplegie führen. Dabei können die betroffenen Patienten beide Arme und Beine gar nicht oder nur teilweise bewegen. In den meisten Fällen ergibt sich eine lebenslange Rollstuhl- und erhebliche Pflegeabhängigkeit. „Das ist ein Schicksalsschlag, der zu einer absoluten Veränderung der gesamten Lebensumstände führt, körperlich, psychisch und sozial. Der Betroffene befindet sich von einer Sekunde auf die andere in nahezu vollständiger Abhängigkeit und ist lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen“, stellt Dr. Doris Maier klar, die die DGOU-Sektion Paraplegiologie leitet.

Die DGOU gibt folgende Tipps zur Vermeidung von Badeunfällen:
- Kein Sprung in ein ungeprüftes Gewässer!
- Kein Sprung in trübes Wasser!
- Kein Sprung in eine Wassertiefe unter 1,5 m!
- Kein Sprung in ein Gewässer mit Hindernissen am Gewässerboden!
- Jeder in einer Gruppe trägt Verantwortung für die anderen.
- Und: Kein Alkohol und keine Drogen vor dem Sprung!