Gefährlicher Hautpilz am Kopf nach dem Friseur: Wie hoch das Risiko für die hochansteckende Entzündung ist

Bis die ersten Symptome auftreten, können zwei Wochen vergehen. Dann kommt es plötzlich zu starkem Juckreiz mit Hautrötungen. Im schlimmsten Fall droht Haarausfall.
Immer häufiger klagen Männer nach einem Friseurbesuch über rote, schuppige Flecken am Nacken und starken Juckreiz. Der Grund dafür ist ein hochansteckender Hautpilz, bekannt als Trichophyton tonsurans, der sich derzeit deutschlandweit ausbreitet.
Schwere Infektionen durch Hautpilz – Ursachen und Risikofaktoren
Hautärzte beobachten einen Anstieg an Infektionen mit Trichophyton tonsurans. „Trichophyton tonsurans ist das Häufigste, was wir zurzeit sehen, direkt nach dem Fußpilz“, so Prof. Dr. Martin Schaller, Facharzt für Dermatologie am Universitätsklinikum Tübingen, gegenüber Spiegel Online. Der Hautpilz, der ursprünglich vor allem bei Sportlern – insbesondere Ringern – in Ländern wie der Türkei und den USA vorkam, breitet sich nun in Deutschland aus. Dermatologe Schaller spricht sogar von einer „europaweiten Epidemie“.
Experten vermuten, dass der Anstieg der Infektionen auf Besuche in sogenannten Barbershops – in denen neben dem ursprünglichen Bartschneiden und Rasieren auch Friseurdienste angeboten werden – zurückzuführen ist. Es wird vermutet, dass mangelnde Hygiene der Grund für die ansteigenden Infektionen in Deutschland ist. Die angesagten Trendfrisuren mit spezieller Rasur an den Seiten und am Hinterkopf, sogenannte High-, Mid- oder Low-Fade-Schnitte, werden an einem Tag zahlreich angeboten – auch für Kunden ohne festen Termin – und die dafür eingesetzte Haarschneidemaschine möglicherweise nicht ordentlich gesäubert. „Wenn keiner desinfiziert, wird der Pilz übertragen“, erklärt Dermatologe Schaller weiter.
Hautpilz-Infektion vermeiden
Zur Prävention empfehlen Experten, in Barbershops oder Friseursalons auf besondere Sauberkeit zu achten. Scherköpfe und Klingen der Haarschneidemaschine sollten gründlich gereinigt und desinfiziert werden, um eine Übertragung des Pilzes zu vermeiden.
Hautpilz nach Friseurbesuch: Welche Symptome sich zeigen
Die Symptome der Infektion sind für Betroffene nicht nur unästhetisch, sondern mitunter auch sehr schmerzhaft. Typisch sind rote, stark juckende Hautareale, am Kopf und/oder Nacken. Der Hautpilz breitet sich häufig großflächig aus und kann schlimmstenfalls zu eitrigen Abszessen sowie anhaltendem Haarausfall führen. Die Diagnose sei oft schwierig, da viele Fachleute in schweren Fällen fälschlicherweise zunächst eine bakterielle Ursache vermuten würden.
Aggressiven Hautpilz umgehend behandeln lassen
Umso wichtiger ist es, die Symptome so schnell wie möglich von einem Hautarzt untersuchen zu lassen. Einmal diagnostiziert, kann der Hautpilz gut behandelt werden, beispielsweise mit Terbinafin, einem Arzneistoff zur Bekämpfung von Hautpilz (Antimykotikum). Der Wirkstoff wird auch bei Fuß- und Nagelpilz angewendet und in Form einer Salbe oder als Tabletten zur oralen Einnahme verordnet. Eine Therapie sollte mindestens zwei bis drei Monate erfolgen, damit die Pilzinfektion tatsächlich ausgeheilt ist. „Es wird so lange behandelt, bis der Pilz nicht mehr nachweisbar ist“, betont Dermatologe Dr. Schaller abschließend. Zu früh abgesetzt, könnte es zu einer erneuten Infektion kommen.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

