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So kommen Sie gesund durchs Wetter-Wirrwarr: Drei Top-Mediziner geben Tipps

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 Prof. Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung (ZMMF) des Deutschen Wetterdienstes 
in Freiburg
Passen Sie auf sich auf, rät Prof. Andreas Matzarakis. Er ist Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung (ZMMF) des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg. ©  University of Freiburg / Klaus Polkowski

Wie der lästige Jojo-Sommer den Körper belastet und was man dagegen tun kann – drei Top-Mediziner geben Tipps, wie man die Temperaturschwankungen gut übersteht.

Heute 30 Grad, morgen Starkregen und Gewitter, dann ist es wieder so kühl, dass es einen ohne Jacke fröstelt: Dieser Sommer macht es uns nicht leicht. Wie bleibt man da fit? Wir fragten drei Top-Experten, welche Tricks uns helfen können, die Temperaturschwankungen besser wegzustecken.

Warum reagieren wir wetterfühlig? Um eine optimale Organfunktion zu gewährleisten, muss die Körpertemperatur bei jedem Wetter konstant bei 37 Grad gehalten werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei das vegetative Nervensystem, erklärt Prof. Andreas Matzarakis, Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg. Je stärker die Wetteränderung, desto mehr reagiert der Körper mit Anpassungsvorgängen. „Bei manchen Menschen funktioniert diese Anpassung im Körper nicht so gut, daher fühlen sie sich bei Wetterwechseln unwohl“, weiß Matzarakis.

Wer muss besonders auf sich aufpassen? Wie kritisch sich Hitze auf die Gesundheit auswirkt, geht aus Daten des Robert-Koch-Instituts zur Hitzewelle 2018 hervor. Danach erhöht sich die durchschnittliche Mortalität während einer Hitzewelle um 8 bis 12 Prozent. Bei Hochbetagten sterben ungeschützt 300 von 100 000 Menschen. In heißen Wochen kann regelmäßig ein deutlicher Anstieg der Todesfälle beobachtet werden. „Auffällig ist, dass 75 Prozent der hitzebedingten Todesfälle auf die Altersgruppe ab 75 Jahren entfällt“, betont Prof. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

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Die häufigen Wetterumschwünge machen vor allem älteren Menschen oder chronisch Kranken zu schaffen, die zum Beispiel unter Rheuma, Asthma oder Bluthochdruck leiden. Zudem sind Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (vor allem Herzinsuffizienz und koronare Herzkrankheit) in besonderem Maß gefährdet. Denn wenn das Herz nicht mehr normal arbeitet, funktioniert auch das körpereigene Kühlsystem nicht mehr richtig. Die Wärme wird dann nur unter erheblicher Anstrengung und häufig auch nur unzureichend aus dem Körper transportiert. Gefährdet sind ebenso Patienten mit Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus, Lungenerkrankungen oder einer Demenz oder neurologischen Erkrankungen.

Porträtfoto von Prof. Voigtländer
Der Kardiologe Professor Thomas Voigtländer ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. © Christian Hesselmann/ Deutsche Herzstiftung

Was macht Hitze mit dem Blutdruck? Bei Hitze weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Bei manchen Blutdruckpatienten ist das so ausgeprägt, dass die Medikamentendosis gesenkt werden muss, sagt Voigtländer. Deshalb sei es empfehlenswert, seinen Blutdruck immer gut im Blick zu haben, um reagieren zu können. „Aber hierbei ist es wichtig, Medikamentenanpassungen nur nach Rücksprache mit dem Arzt vorzunehmen“, betont der Kardiologe.

Was und wie viel soll man trinken? Die wichtigste Regel: Ausreichend trinken. Klingt einfach, ist aber für viele schwer zu befolgen. Viele Menschen, vor allem ältere, haben kein ausgeprägtes Durstgefühl, weiß Kardiologe Voigtländer. Ein bis zwei Liter Flüssigkeit braucht der Körper pro Tag. Achtung bei Herzschwäche: Hier ist es ratsam, sich zur Kontrolle der Trinkmenge zu wiegen.

Kardiologe Voigtländer empfiehlt insbesondere Herzpatienten, zum Beispiel auch eine warme Gemüsebrühe zu sich zu nehmen, die viele Elektrolyte enthält. „Denn bei heißem Wetter ist es besonders wichtig, auf Elektrolyte, also Blutsalze zu achten.“ Zu wenig Kalium im Blut kann die Herzfunktion beeinträchtigen. Kaliumtabletten aber sollte man nur nach Rücksprache mit dem Arzt einnehmen – besser, und auch schmackhafter, ist kaliumreiches Obst wie Bananen, Aprikosen oder Pfirsiche.

Erfrischen kalte Getränke wirklich? Ein eiskaltes Getränk macht in dem Moment des Trinkens ein gutes Gefühl, sagt der Münchner Allgemeinarzt Dr. Markus Frühwein. Doch langfristig schwitzt man danach mehr, da die natürliche Temperaturregulation des Körpers durcheinandergebracht wird. Insofern sei es eher ratsam, wie in heißen Ländern üblich, lauwarme Getränke zu sich zu nehmen.

Dr. Markus Frühwein ist Hausarzt und Reisemediziner.
Dr. Markus Frühwein ist Hausarzt und Reisemediziner. © Marcus Schlaf

Sport: Ja oder nein? „Das ist eine Frage der körperlichen Fitness“, sagt Frühwein. Generell gilt, auf den Körper zu achten und nicht zu übertreiben. „Man braucht ausreichend Sonnenschutz und muss ausreichend trinken“, mahnt Frühwein, und empfiehlt, vor dem Laufengehen die Ozonwerte zu checken. Generell rät er dazu, es langsam anzugehen und die Pläne an die Temperaturen anzupassen.

Wechselduschen oder Sauna? „Wechselduschen oder Besuche in der Sauna mit anschließendem Abkühlen sind auch im Hochsommer sinnvoll, da man so den Körper besser an Temperaturschwankungen gewöhnen kann“, sagt Frühwein. „Um das vegetative Nervensystem zu trainieren, hilft neben Kneippbädern, Wechselduschen und Saunabesuchen eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Bewegung, regelmäßigem Schlafrhythmus und einer ausgewogenen Ernährung“, so Medizin-Meteorologe Matzarakis.

Was tun bei Kopfschmerzen und Müdigkeit? Was macht man, wenn man schlecht schläft und unter Kopfschmerzen leidet? „Dann sollte man versuchen, die Hitze des Tages nachts gut rauszulüften und das Feierabendbier oder das Glas Wein vor dem Zubettgehen weglassen“, rät Frühwein. Gegen die Kopfschmerzen mal ein Schmerzmittel zu nehmen, dagegen spreche nichts.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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