Die kleinen Botenstoffe nehmen Einfluss auf alle Funktionen des Körpers. Ob Wachstum, Wohlbefinden, Verdauung oder Lust – Hormone spielen eine wichtige Rolle.
Bis heute sind viele Fragen rund um die hormonelle Regulation im menschlichen Körper noch ungeklärt. Mit dem Themenbereich der Hormone beschäftigt sich das medizinische Fachgebiet der Endokrinologie. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) unterstützt deshalb aktiv die Forschung rund um Hormone.
Welche Hormone gibt es eigentlich, wie teilt man sie ein, wo werden sie gebildet und welche Wirkung nehmen Sie im menschlichen Körper?
Inhalt
- Was sind Hormone?
- Homöostase – wie werden Hormone gesteuert?
- Welche Hormone gibt es?
- Einteilung der Hormone – verschiedene Kriterien
- Wo werden Hormone gebildet?
- Wie wirken Hormone?
- Schilddrüsenhormone
- Stresshormone
- Glückshormone
- Hormone der Hypophyse
- Hormone des Pankreas (Bauchspeicheldrüsen-Hormone)
- Wachstumshormone
- Was sind Sexualhormone?
- Weibliche Hormone
- Wann normalisieren sich die Hormone nach der Schwangerschaft?
- Wie lange bleiben Hormone von „der Pille danach“ im Körper, um Schwangerschaft zu verhindern?
- Hormone und Wechseljahre: Wie schnell wirken Hormone in den Wechseljahren?
- Männliche Hormone
- Verhütungsmittel ohne Hormone
Was sind Hormone?
Hormone sind Signalmoleküle und Botenstoffe, die ihre Wirkung in den meisten Fällen an anderer Stelle entfalten als dort, wo sie gebildet werden. Anders als bei den meisten Neurotransmittern – den Botenstoffen im zentralen Nervensystem – aktivieren Hormone bereits in kleinsten Mengen eine Reihe von Prozessen. Sie liegen, verglichen zu vielen Neurotransmittern, in wesentlich geringerer Konzentration vor. Außerdem ist ihre Wirkung nicht auf das Nervensystem beschränkt, sondern erstreckt sich auf alle Arten von Gewebe. Viele Hormone gelangen über den Blutkreislauf zum Wirkungsort. Es gibt einige Hormone, die zugleich auch Neurotransmitter sind. Dazu gehören zum Beispiel Histamin – was gerade Betroffenen in Zusammenhang mit einer Histaminunverträglichkeit bekannt ist, Noradrenalin und Serotonin.
Die Wissenschaft rund um die Hormone und teilweise auch Neurotransmitter nennt sich Endokrinologie. Die Welt der Hormone wird deshalb auch als endokrinologisches System bezeichnet.
Homöostase – wie werden Hormone gesteuert?
Die Hormone selbst sind wichtige Signalmoleküle mit einer intensiven regulierenden Wirkung auf alle Prozesse des Körpers. Damit diese Regulation zielgerichtet und angepasst verlaufen kann, müssen auch die Hormone gesteuert werden. Dieser Vorgang nennt sich Homöostase.
Wichtige Mechanismen bei der kontrollierten Hormonausschüttung sind Reize von außen, eine Regelmäßigkeit (oft gesteuert über Reize von außen wie Tageslicht), die Abbaugeschwindigkeit der Hormone und sogenannte negative oder positive Rückkopplung. Bei der Rückkopplung wirkt die Menge des freigesetzten Hormons direkt auf die weitere Freisetzung. All diese Einflüsse betten die Hormonausschüttung in Regelkreise ein.
Welche Hormone gibt es?
Momentan sind wissenschaftlich etwa 100 Hormone bekannt und im Hinblick auf ihre Aufgaben zumindest teilweise erforscht. Endokrinologen gehen aber davon aus, dass diese nur einen Bruchteil der Signalsubstanzen darstellen, die den Körper steuern und regulieren. Die große Bandbreite ist verantwortlich dafür, dass Hormone nicht einfach in Gruppen eingeteilt werden können. Zwei Hormone, die sich beispielsweise in ihrem Aufbau ähneln, können an ganz unterschiedlichen Orten gebildet werden und völlig verschieden wirken. Die wichtigsten Hormone im Überblick:
Einteilung der Hormone – verschiedene Kriterien
Schon bei den bekannten circa 100 Hormonen gibt es eine große Vielfalt. Sie werden deshalb je nach Fragestellung nach ganz unterschiedlichen Kriterien in Gruppen eingeteilt. Diese Struktur beinhaltet viele inhaltliche Überschneidungen.
Die wichtigsten Faktoren zur Einteilung sind die chemische Struktur, der Bildungsort, die Wirkung und der Wirkungsort. Beispiele für eine Unterscheidung nach der Wirkung sind die Einordnung als Wachstums-, Stress- oder Glückshormone.
Beim Wirkungsort unterscheidet man zwischen sogenannten glandulären (Drüsen-)Hormonen, welche ins Blut abgegeben werden und fernab von ihrem Bildungsort wirken sowie Gewebshormonen, welche parakrin – also direkt am Wirkort – ausgeschüttet werden.
Bei der chemischen Struktur lassen sich Hormone in vier Gruppen einteilen: Peptidhormone, Steroidhormone, Eicosanoide und Katecholamine. Peptidhormone sind Proteine, die aus einer kleinen Abfolge von Aminosäuren bestehen. Beispiele sind Oxytocin, Ghrelin und Insulin. Steroidhormone wie Östrogen oder Cortisol haben ein Steroidgerüst, das vom Cholesterin abgeleitet wird. Eicosanoide basieren auf dem Grundgerüst der Arachidonsäure und leiten sich daher von ungesättigten Fettsäuren ab. Prostaglandine gehören zu den Eicosanoiden. Katecholamine sind biogene Amine – kleine chemische Moleküle mit einer Aminogruppe. Dazu gehören zum Beispiel Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin.
Wo werden Hormone gebildet?
Eine weitere wichtige Unterscheidung ist der Bildungsort. Die wichtigsten endokrinen Zellstrukturen finden sich in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) im Gehirn, den Nebennieren, der Schilddrüse, den Hoden oder Ovarien und in den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas).
Hormone aus der Hypophyse sind beispielsweise Prolaktin, Endorphine, Somatotropin und Oxytocin. Aus der Nebenniere kommen unter anderem Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin. Die Schilddrüse produziert zum Beispiel Jodothyronin, Jodothyroacetate und Thyronamine. Aus den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse stammt das Insulin, die endokrinen Drüsen in Hoden und Ovarien produzieren Sexualhormone wie Östrogen und Testosteron.
Wie wirken Hormone?
Alle Hormone wirken auf eine ähnliche Weise: Sie gelangen über das Blut oder durch die direkte Nachbarschaft zum Einsatzort. Das Gewebe am Wirkungsort weist spezielle Rezeptoren auf – Strukturen, die das Hormon wie beim Schlüssel-Schloss-Prinzip aufnehmen und erkennen. Über die Interaktion mit dem Rezeptor setzt das Hormon eine Reaktionskette in Gang. Im Zuge dessen werden oft weitere Hormone und Botenstoffe freigesetzt. Ein Signalmolekül kann sogar mehrere Rezeptoren nacheinander aktivieren und so bei geringer Konzentration eine große Wirkung erzielen.
Schilddrüsenhormone
In der Schilddrüse werden unter anderem zwei Arten von Hormonen gebildet: die jodhaltigen Iodothyronine und das Peptidhormon Calcitonin.
Die beiden Iodothyronine T4 und T3 spielen eine entscheidende Rolle bei der Steuerung der Stoffwechselaktivität und im Rahmen der Energiegewinnung. Sie interagieren mit zahlreichen anderen hormonellen Systemen. Calcitonin ist an der Steuerung des Kalzium-Haushalts beteiligt.
Stresshormone
Stresshormone werden ausgeschüttet, wenn der Körper unter einer extremen Belastung oder in einer Art Überlebensmodus steht. Zu den wichtigsten schnell wirksamen Stresshormonen gehören Adrenalin, Noradrenalin und das auch als Neurotransmitter direkt wirksame Dopamin. Auch Beta-Endorphin unterstützt den Körper in einer Kampf-oder-Flucht-Situation.
Andere Stresshormone wie Cortisol wirken langfristiger und halten den Körper auf einem hohen Leistungsniveau. Dauerhafte hohe Cortisolspiegel wirken sich allerdings negativ auf den Körper aus.
Glückshormone
Glückshormone helfen uns dabei, schwierige Situationen zu überstehen, verbessern unser Wohlbefinden und machen uns glücklich und zufrieden. Die meisten Glückshormone wie Serotonin, Dopamin, Oxytocin oder Endorphine haben noch weitere Wirkungen und heben die Stimmung eher als Nebeneffekt.
Psychische Gesundheit stärken: Zehn Tipps, die Balsam für die Psyche sind




Hormone der Hypophyse
Die Hypophyse ist das wichtigste Hormonzentrum im Körper. So produziert die Hypophyse allein vier sogenannte glandotrope Hormone, welche die Bildung und Ausschüttung von Hormonen anderer Drüsen regulieren: Thyreotropin (TSH) reguliert die Schilddrüsenhormone und das follikelstimulierende Hormon (FSH) sowie luteinisierende Hormon (LH) regulieren die Freisetzung der Sexualhormone. Das adrenocorticotrope Hormon (ACTH) stimuliert die Nebennierenrinde und die Freisetzung der Stresshormone.
Hormone des Pankreas (Bauchspeicheldrüsen-Hormone)
Das im Pankreas gebildete Insulin spielt eine wichtige Rolle für den Zucker- und Energiestoffwechsel. Es gelangt über die Blutbahn in den gesamten Körper und aktiviert verschiedene Prozesse über spezielle Insulinrezeptoren.
Wachstumshormone
Wachstumshormone regulieren das körperliche Wachstum und den Stoffwechsel. Das wichtigste Wachstumshormon Somatotropin wird in der Hypophyse gebildet. Es greift in eine Vielzahl von Stoffwechselvorgängen ein.
Was sind Sexualhormone?
Sexualhormone sind entscheidend für die Entwicklung des Geschlechts im Embryonalstadium und der sekundären Geschlechtsorgane sowie für die Fortpflanzungsfähigkeit. Es handelt sich um Steroidhormone, die überwiegend in den Gonaden (Geschlechtsorganen), der Nebennierenrinde, im Gehirn und in der weiblichen Plazenta gebildet werden. Man unterscheidet zwischen den männlichen Hormonen (Androgen) und den weiblichen Hormonen (Östrogen und Progesteron beziehungsweise Gestagen). Beide Geschlechter können zwar sowohl männliche als auch weibliche Hormone bilden, produzieren aber sehr unterschiedliche Mengen davon.
Weibliche Hormone
Die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron (Gestagen) spielen eine wichtige Rolle für die Entwicklung der weiblichen Geschlechtsorgane. Zudem sind die Sexualhormone für die Fruchtbarkeit der Frau – das heißt, dass sie schwanger werden kann – und einer stabilen Schwangerschaft entscheidend – also dass eine Frau gerade im ersten Drittel der erfolgreichen Empfängnis schwanger bleibt. Weibliche Hormone und Zyklus sind untrennbar verbunden. In jedem Monat durchlaufen sie ein festes Schema und ermöglichen so eine Schwangerschaft. Es gibt zwei Gruppen: Östrogene und Gestagene.
Wann normalisieren sich die Hormone nach der Schwangerschaft?
Nach der Geburt übernehmen andere Hormone wie Oxytocin und Prolaktin die Führung. Der weibliche Zyklus baut sich langsam über einen Zeitraum von drei bis neun Monaten wieder auf. Das regelmäßige Stillen unterdrückt die Freisetzung der weiblichen Zyklus-Hormone und hemmt damit die normale Zyklus-Aktivität. Frauen, die nicht stillen, erreichen ihren Zyklus meist innerhalb weniger Wochen wieder.
Wie lange bleiben Hormone der „Pille danach“ im Körper, um eine Schwangerschaft zu verhindern?
Je nach Wirkstoff kann die Pille zwischen 72 und 120 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr angewendet werden beziehungsweise kann in dieser Zeitspanne eine Wirkung entfalten. Die Hormone zögern dabei den Eisprung zeitlich heraus und unterbinden damit eine mögliche Empfängnis. Sie wirken nur wenige Tage und werden dann vollständig abgebaut. In den meisten Fällen tritt die Monatsblutung danach zum üblichen Zeitpunkt ein.
Hormone und Wechseljahre: Wie schnell wirken Hormone in den Wechseljahren?
Bei Frauen, deren Hormone in den Wechseljahren für stark belastende Beschwerden sorgen, bringt eine sogenannte bioidentische Hormontherapie oft Erleichterung. Zudem kann das Risiko einer Osteoporose verringert werden. Bioidentische Hormone besitzen dieselbe Struktur wie die vom menschlichen Körper gebildeten Hormone und wirken innerhalb weniger Tage. Es kann aber einige Wochen dauern, bis sich der neue Hormonspiegel eingependelt hat.
Zehn Symptome verraten, ob Sie in die Wechseljahre kommen – Schlafstörungen, Schwitzen und Schwindel zeigen es




Männliche Hormone
Das bekannteste männliche Hormon ist Testosteron. Es ist verantwortlich für die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane und die Reifung der Samen (Spermien) sowie zahlreiche andere Prozesse wie den Muskelaufbau. Auch Frauen bilden Testosteron in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde, allerdings in der Regel in deutlichen geringeren Mengen als Männer.
Verhütungsmittel ohne Hormone
Im Alltag verbinden wir Hormone nicht selten mit den Sexualhormonen und der hormonellen Verhütung. Ohne Hormone zu verhüten ist möglich und wird immer beliebter. Bewährt haben sich dafür vor allem mechanische und natürliche Verhütungsmethoden wie Kondome oder eine Messung der Hormonwerte im Urin mit Teststäbchen. (div/nahu)
Quellen:
https://www.endokrinologie.net/endokrinologie.php
https://www.osa.fu-berlin.de/pharmazie/beispielaufgaben/transmitter_und_hormone/index.html
https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/hypophysenhormone/5819
https://www.hormonspezialisten.de/sexualhormone
https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/nach-der-geburt/das-wochenbett-von-a-bis-z/die-mutter-im-wochenbett/hormonelle-umstellung/
https://www.meinmed.at/gesundheit/pille-danach/1402
https://flexikon.doccheck.com/de/Hormon
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.
Rubriklistenbild: © DC_2/Imago


