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Traumasymptome nach der Geburt: Wie schützt man Gebärende?

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Prof. Kerstin Weidner, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum der TU Dresden
Prof. Kerstin Weidner setzt sich ein für den Schutz der Frauen während der Geburt. Sie ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum der TU Dresden. © TU Dresden

Zwölf Prozent der Gebärenden erleiden durch eine Geburt ein Trauma. Top-Psychologin und Chefärztin Prof. Kerstin Weidner erklärt, was Mama und Baby hilft.

Eine Geburt ist ein überwältigendes Ereignis. Es sind im Wortsinn gewaltige Vorgänge, die in und mit dem Körper einer werdenden Mutter stattfinden. Nicht allen Frauen gelingt es, das als positiv zu erleben – einige fühlen sich hilflos ausgeliefert, erleben Angst oder überdurchschnittliche Schmerzen. Prof. Kerstin Weidner, Psychotherapie-Chefärztin erklärt, wie man Traumata vermeidet.

In der Geburtshilfe muss manchmal schnell reagiert werden, um Gefahren für Mutter und Kind abzuwenden. Dann weiß oft die Gebärende von allen Anwesenden am wenigsten darüber, was gerade entschieden wird und warum. Ein Gefühl von Kontrollverlust und Hilflosigkeit kann sich hier, aber auch während einer komplikationslosen Geburt einstellen. „Wir gehen davon aus, dass mehr Frauen als allgemein angenommen, ihre Geburt traumatisch erleben“, sagt Prof. Kerstin Weidner, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Klinikum der TU Dresden. Das Gefühl, einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, sei eine der klassischen Ursachen für posttraumatischen Stress.

Jede achte Frau erleidet durch eine Geburt ein Trauma

In Studien wurden bei rund jeder achten Frau – bei zwölf Prozent – nach der Entbindung solche posttraumatischen Stresssymptome festgestellt; bei fünf Prozent lag sogar eine voll entwickelte Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vor. „Sie ist gekennzeichnet durch anhaltendes Bedrohungsempfinden, wiederholtes gedankliches Durchleben des Traumas und das Vermeiden möglicher Triggersituationen“, erklärt Weidner. Auch depressive Verstimmungen zählen zu den häufigen Symptomen. „In dieser Verfassung fällt es vielen Müttern schwer, eine befriedigende und stabile Bindung zu ihrem Kind aufzubauen“, so die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie.

Klinikpersonal sollte auf die Mutter ein- und zugehen

Den Schlüssel dafür, dass es nicht so weit kommt, hält auch das geburtshilfliche Personal in der Hand. In Studien ist belegt, dass eine emotional unterstützende und respektvolle Geburtsbegleitung einen starken protektiven Einfluss habe. Um dem Gefühl des Ausgeliefertseins und der Hilflosigkeit entgegenzuwirken, sollten insbesondere während einer Geburt alle Behandlungsschritte erklärt werden.

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Emotionaler Moment: Eine junge Mutter mit ihrem neugeborenen Kind. Damit es mit der Bindung gut klappt, muss es der Mutter nach der Geburt schnell wieder psychisch gut gehen. © Wavebreakmedia ltd PantherMedia 4173169

Nach der Geburt sollte man diese mit der Mutter nachbesprechen

Nach der Geburt sollte im Rahmen einer Nachbesprechung nach dem Geburtserleben gefragt und nicht gewartet werden, bis mögliche Traumasymptome offensichtlich werden. „Es gibt Hinweise, dass ein offenes, empathisches Gespräch, Psychoedukation und das erklärende Aushändigen von Selbsthilfematerialien innerhalb von 72 Stunden oder auch die Vermittlung in weiterführende Angebote eine PTBS oder Depression verhindern und die Mutter-Kind-Bindung fördern können“, betont Weidner.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.

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